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SLEATER-KINNEY
 
Serviert auf dem heißen Stein
Sleater-Kinney
"The Hot Rock" heißt das neue Album des führenden weiblichen Power-Trios der tanzbetonten, hochenergetischen Schrammelrock-Fraktion. Das lädt ja zu allerlei Assoziationen ein. Nachdem es aber in einer Textzeile heißt "I'm a Hot Rock to you" fragt man aber doch besser mal nach, bevor man besserwisserisch alles zu Tode interpretiert.
"Das ist eine Wortspielerei," erklärt Drummerin Janet Weiss, "Es gab da mal einen Film dieses Namens mit Steve McQueen in den 70ern, da ging es um einen schiefgelaufenen Bankraub. "Hot Rock" meint in diesem Falle einen besonders wertvollen Diamanten. Und dann ist da natürlich die Assoziation zu hipper Rockmusik im allgemeinen - eine Wortspielerei also."

Assoziation ist übrigens ein gutes Stichwort: Prasselten von den bisherigen Werken der Damen auch schon mal gerne Slogans politischer und soziologischer Natur auf den Hörer ein, so gefällt man sich auf dem aktuellen Werk im rätselhaften und komplexen Dahersingen beinahe mystischer Allegorien - die aufgrund des sich überlappenden Duettgesangs zudem sowieso schon recht schwer zu verstehen sind. Ist das der Hauptunterschied zum letzten Werk?

"In gewisser Weise ja. Obwohl wir das nicht so planen. Es ist aber so, daß die Texte und die Musik beinahe organisch entstehen. Wir sind in diesem Sinne keine übliche Rockband, sondern eine Einheit - was auch für mich als Drummerin wichtig ist. Diese Magie hat bei uns von der ersten Stunde, vom ersten Proben an gestimmt. Das geht soweit, daß sich Corin (Tucker) und Carrie (Brownstein) blind ergänzen. Deswegen war es für uns wichtig, eine Möglichkeit der Weiterentwicklung zur letzten CD zu finden..."

Ein Kollege meinte, die CD klänge zwar wie gewohnt, aber doch so unterschiedlich, daß dieser Unterschied ins Ohr ginge.

"...das wäre genau das, was wir uns wünschten. Das wäre ein großes Lob. Ein neuer Ansatz war die Strukturierung des Gesanges. Natürlich schreiben Corin und Carrie die Texte, aber immerhin kann ich sagen, daß es hierbei um Interaktion ging, um das Verweben - darum, daß eine Person die Gedanken der anderen ergänzt..."

Oder Zwiegespräche vielleicht?

"...teilweise. Auf jeden Fall ist der Gesang vielschichtiger als auf der letzten Platte - was sich auch auf die Struktur der Stücke auswirkte. "Call the Doctor" haben wir innerhalb kürzester Zeit rausgehauen, diesmal haben wir mehr Wert auf Struktur und Nuancen gelegt. Was nun die Texte betrifft: Diese sind zugegeben schwerer zu verstehen als bisher, ergeben aber auch auf eine andere Art Sinn. Die Themen sind dabei vielfältig. "Hot Rock" geht vom besagten Film aus, "The End of You" basiert auf der Odyssee, weil Corin das gerade gelesen hatte usw. Es ist uns zwar wichtig, das die Texte rüberkommen, aber letztlich sind wir eine Rockband. Und außerdem: Ich mag das auch ganz gerne, wenn sich die Texte erst allmählich erschließen."

Auf "Hot Rock" gibt es eine Ballade namens "The Size of your Love", die doch sehr heraussticht.

"Nun, wir hatten auch auf "Call the Doctor" eine Ballade, aber ich weiß was Du meinst. Wir wollten, daß dieses Stück besonders viel Raum bekommt. Worin es textlich geht, kann ich gar nicht sagen - den Text hat Carrie geschrieben und die spricht nicht viel über ihre Texte, sie sind ihr zu persönlich. Aber wie gesagt: Es ging uns um Struktur und Raum. Der Produzent hat uns sehr dabei geholfen. Aber wie er es hinbekommen hat, weiß ich nicht genau."

Interessanterweise ist u.a. auch gerade jenes Stück rhythmisch interessant. Janet ist "nebenher" auch Drummerin in dem Projekt Quasi mit Sam Coomes. In dieser Eigenschaft ist sie auch Drummerin von Elliot Smith ("Er beschämt mich immer", - so Janet - "weil er selbst so ein guter Drummer ist"). Elliot war mit Sam in einer Band namens Heatmiser und wenn sich die Gelegenheit ergibt, dann sind Quasi Elliot's Backing Band. Gibt es da eigentlich einen anderen Ansatz? (Eine Trickfrage, zugegeben, denn Janet hat einen recht prägnanten Stil, der in allen Bands recht deutlich durchschlägt).

Sleater-Kinney
"Bei Sam ist das so, daß er mit fertigen Stücken ankommt und ich diese dann interpretieren, arrangieren muß. Bei Sleater Kinney bin ich mehr Teil einer Einheit. Wir haben auch nicht diese typische Aufgabenteilung von Rockbands."

Das stimmt. Sleater Kinney gehen ab wie eine geölte Beatbox. Allerdings ist der erste Teil der Erklärung aufschlußreich. Denn bei einem Gespräch vor ein paar Monaten erklärte mir besagter Sam, daß er immer mit Fragmenten ins Studio ginge, und Janets Drum-Arrangements eigentlich das wichtigste für ihn seien, weil sie seinen Stücken Kontur gäben. So unterschiedlich kann man die Entstehung von Musik interpretieren.

Was noch auffällt ist, daß "The Hot Rock" einer bestimmten Verlaufskurve zu folgen scheint. "Ja, das liegt daran, daß ich mir echt Mühe mit der Reihenfolge der Stücke gemacht habe. Wir haben viele Tests gemacht und haben zum Beispiel lange überlegt, welches Stück wir als erstes nehmen sollten usw. Ich meine, das ist zwar keine bemerkenswerte Leistung, mir lag es aber doch sehr am Herzen. Wie oft habe ich Platten, bei denen ich gerne die Reihenfolge geändert hätte..."

Wie dieses Vorab-Tape von Elliot's letzter Platte...

"Wo eine andere Reihenfolge drauf war und ein Stück fehlte? Das hatte ich auch. Und hier hätte ich das fehlende Stück ("Independence Day") am liebsten an den Anfang der Platte gesetzt. Da kannst Du mal sehen, wie wichtig sowas ist."

Schade nur, daß das im täglichen Höralltag nur dann auffällt, wenn es partout nicht funktioniert. Na egal: Live besteht dieses Problem ja nicht und live muß man Sleater Kinney schon gesehen haben, um das ganze Phänomen überhaupt begreifen zu können. Also auf zu den Konzerten.

Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-

Aktueller Tonträger:
The Hot Rock
(Zomba)


Sleater-Kinney

 
 

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