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GARBAGE
 
It's tough out there
Garbage
Ende 2005 ging plötzlich alles ganz schnell. Eine angekündigte Europa-Tournee wurde abgesagt und Garbage, die Heroen des Mitt-90er-Alternative-Rock, verschwanden genauso schnell wieder von der Bildfläche, wie sie zehn Jahre zuvor aufgetaucht waren. Immerhin: Das amerikanisch-schottische Quartett bewies gutes Gespür bei seinem Rückzug. Nach den beiden eher mäßigen Platten "Beautifulgarbage" und "Bleed Like Me", die längst nicht an die Großtaten "Garbage" und "Version 2.0" aus den 90ern anknüpfen konnten, gab es für die Band nichts mehr zu sagen. Bis jetzt. Denn nun erscheint das fünfte Garbage-Album, "Not Your Kind Of People", ein Statement gegen die Austauschbarkeit der heutigen sogenannten Popstars.
Dafür, dass Shirley Manson an diesem Montag die deutsche Journaille bisweilen im 20-Minuten-Takt abfertigt, wirkt die fast 46-jährige Schottin geradezu unerwartet gelöst. Sogar auf die 10 Minuten Pause, die der Zeitplan vor dem Treffen mit Gaesteliste.de eigentlich vorsieht, verzichtet sie. Die Auszeit hat ihr offenbar gutgetan. Vielleicht ist aber auch der Zeitpunkt der Rückkehr von Garbage gut gewählt. Schließlich befindet sich die Musikindustrie heute an einem ähnlichen Punkt wie in den späten 80ern: Überfrachtet mit Belanglosigkeiten, darauf wartend, dass eine Band wie damals Nirvana - bekanntlich produziert vom späteren Garbage-Drummer Butch Vig! - auftaucht und die Karten neu gemischt werden. "Das sehe ich genauso", nickt Shirley. "Natürlich sorgt man sich immer etwas, dass nichts des Weges kommt, was alles auf den Kopf stellt, aber ich bin ziemlich sicher, dass etwas passieren wird. Ich weiß nicht, was das sein wird und welchen Einfluss es haben wird, aber irgendetwas wird auftauchen und den Status quo verändern. Ich habe letztens jemanden getroffen, der gerade Fiona Apple live gesehen hatte. Weil ich selber ein großer Fan von ihr bin, habe ich ihn natürlich sofort gelöchert: 'Wie war sie denn so? Welche Lieder hat sie gesungen?', und er sagte: 'Ich bin wirklich ein Pop-Fan, aber Fiona hat mich an einen ganz anderen Ort mitgenommen!' Ich glaube, dass sich derzeit viele Menschen so fühlen. Genau deshalb sind sie so froh darüber, dass Künstlerinnen wie Fiona Apple oder Sinead O'Connor wieder Platten machen."
Kein Zweifel, Künstler wie Fiona, Sinead oder eben auch Garbage, die schon eine "Marke" mit echter Identität waren, bevor das Musikbiz in die Krise schlitterte, haben es heute leichter. "Ja, wir waren in der glücklichen Situation, uns damals einen Namen machen zu können und einen Backkatalog aufzubauen", bestätigt Shirley. "Gerade Letzteres ist heute von unschätzbarem Wert, denn die meisten Künstler haben heute Probleme, die Aufmerksamkeit des Publikums für länger als einen Track zu behalten. Das ist wirklich traurig, denn es gibt genug Acts, die eine große Karriere genauso verdient hätten wie wir." Qualität ist ihrer Meinung nach auch heute nicht das Problem, eher die Quantität. Sie verdeutlicht das anhand einer Metapher, die eine Assistentin der Band gebrauchte: Das Musikbusiness sei ein volles Glas, in das jemand immer noch mehr Wasser hineinschüttet, sodass es in alle Richtungen spritzt. "Jeden Tag gibt es etwas Neues, und gerade, wenn du dich in etwas zu verlieben beginnst - Peng! -, wirst du schon wieder mit etwas noch Neuerem erschlagen", sagt Shirley zerknirscht. "Es gibt einfach so viel Musik, dass es praktisch unmöglich geworden ist, eine tiefere Verbindung mit Künstlern und Songs einzugehen. It's tough out there!"
Das musste selbst Shirley feststellen. Ihre angestrebte Solokarriere verlief im Sande, weil ihr Majorlabel aus ihr ein Pop-Sternchen machen wollte. Ihre selbst geschriebenen Songs wurden abgelehnt, eine Zusammenarbeit mit professionellen Songschreibern vorgeschlagen. Shirley winkte ab und kehrte lieber in den Schoß der Garbage-Familie, zu Butch Vig, Gitarrist Steve Marker und Bassist Duke Erikson, zurück. Dort gab es keinerlei Vorschriften, nicht zuletzt deshalb, weil die Band "Not Your Kind Of People" nach den schlechten Erfahrungen mit ihrem früheren Label dieses Mal selbst herausbringt. "Natürlich sagen wir uns rückblickend, dass wir diesen Schritt viel früher hätten tun sollen, aber das war leider nicht möglich, denn wir waren in einem Vertrag gefangen", erklärt Shirley. "Inzwischen ist aber so viel Zeit vergangen, dass unsere Publishing-Verträge ausgelaufen sind und wir nun sogar im Besitz der alten Masterbänder sind. Das ist einer der Vorteile, wenn du lange genug am Ball bleibst! In dieser Hinsicht sind wir nun in einer fürstlichen Situation."

Garbage hätten einfach unfassbares Glück gehabt, fügt sie noch strahlend hinzu und unterstreicht so die geradezu unerwartet große Bodenständigkeit der Band, die bislang weit über zehn Millionen Platten verkauft hat. Doch so sehr sich das Musikgeschäft auch gewandelt hat, beim Musikmachen sieht Shirley selbst keine große Veränderung im Vergleich zu den Anfangstagen ihrer Band. "Die heute zur Verfügung stehende Technik erleichtert den Aufnahmeprozess ungemein und sorgt dafür, dass alles viel schneller vonstattengeht", sagt sie. "Abgesehen davon hat sich eigentlich nicht viel verändert. Es geht immer noch um die Töne, die aus jemandes Mund kommen, oder den Klang, den ein Instrument erzeugt, wenn du Hand daran legst. Wir hatten das Privileg, letzte Woche mit Glyn Johns zu speisen, dem berühmten Produzenten, der an den unglaublichsten Rock'n'Roll-Alben mitgewirkt hat, an 'Sticky Fingers' von den Stones, 'Let It Be' von den Beatles, der ersten Platte von Led Zeppelin und, und, und! Es war unglaublich, Zeit mit ihm zu verbringen, seine Geschichten zu hören und seine Sicht der Dinge zu erfahren. Seine Position zu der Frage, ob heute alles anders ist oder nicht, war glasklar. Er sagte, dass es am Ende des Tages auch heute immer noch darum geht, dass ein Künstler einem anderen Menschen seine Ideen näherbringt, damit eine Verbindung entsteht und sie sich weniger verlassen fühlen in dieser Welt. Und das stimmt haargenau!"

Weitere Infos:
www.garbage.com
www.facebook.com/GarbageOfficial
en.wikipedia.org/wiki/Garbage_%28band%29
twitter.com/#!/garbage
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Pressefreigabe-
Garbage
Aktueller Tonträger:
Not Your Kind Of People
(Stunvolume/Cooperative Music/Universal)




Garbage

 
 

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