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STARING GIRL
 
In der Ruhe liegt die Kraft
Staring Girl
Gisbert zu Knyphausen ist es zu verdanken, dass wir nun an dieser Stelle über Staring Girl schreiben. Zum einen gab er der Kieler Band um Steffen Nibbe mit dem von ihm mitinitiierten Omaha Records-Netzwerk und den dort jährlich erscheinenden kostenlosen Compilations die Chance, ein kleines, aber feines Publikum zu erreichen, zum anderen coverte er bei seinen Konzerten die tolle Staring Girl-Nummer "Jeder geht allein". Jetzt veröffentlicht die Band aus dem hohen Norden mit "Sieben Stunden und 40 Minuten" ihr erstes reguläres Album - und kann damit auf ganzer Linie begeistern. Mitte Mai lief uns Mastermind Steffen - als Bassist von Pappmaché auf Tour - eher zufällig im Dortmunder Subrosa in die Arme, und wir nutzen die Chance, ihm einige kurze, improvisierte Fragen zu stellen.
Auf den ersten Blick beschäftigen sich Staring Girl mit den gleichen urbanen Befindlichkeiten wie viele andere deutsche Musiker, die mit der Hamburger Schule aufgewachsen sind und dann Fink oder Element Of Crime für sich entdeckt haben. Anders als vielen anderen Gleichgesinnten gelingt es Steffen allerdings spielend, selbst banalen Szenarien, die bereits in Songtiteln wie "Cornflakes mit Milch", "Türgriff abgebrochen", "Auf dem Weg zu mir nach Haus" anklingen, wortgewandt und mit viel unterschwelligem Witz Leben einzuhauchen und musikalisch mit in Richtung Americana deutendem Folk-Pop zu instrumentieren.

Obwohl Staring Girl bereits seit sechs Jahren existieren und auch schon zwei selbst vertriebene Minialben veröffentlicht haben, wagen sie den Schritt in eine größere Öffentlichkeit erst jetzt. Für Steffen ist das allerdings vollkommen in Ordnung. "Es ist wie es ist", sagt er. "Der Zeitpunkt jetzt ist ganz gut, weil Gisbert inzwischen ziemlich bekannt ist und unsere Musik in eine ähnliche Richtung geht und es eine Szene gibt, in der man dabei sein kann." Trotzdem ist es ja heute tendenziell so, dass sich Bands nicht mehr die Zeit nehmen, sozusagen im Verborgenen zu wachsen, sondern eher versuchen, den ersten selbst geschriebenen Song sofort bei einem Major unterzubringen, um dann entweder drin oder draußen zu sein. Steffen dagegen macht schon seit langer Zeit Musik. Ein erstes Album mit einer Schülerband nahm er bereits im Alter von 16 auf. "Ich mache das in erster Linie, weil es mir Spaß macht", erklärt er. "Aber klar, als wir merkten, dass es da ein Publikum gibt und unsere selbst vertriebenen Platten angenommen werden, kam schon der Gedanke auf, dass es schön wäre, wenn sich ein Label fände, dass die Musik wertschätzen würde." Das ist inzwischen geschehen. Das Dresdner Label Kumpels & Friends nahm sich des neuen Staring Girl-Albums an. Die Verbindung zu den beiden Machern kam übrigens auch über Gisbert zustande: Kumpels & Friends buchen seit Jahren die Auftritte des Herrn von und zu. "Das hat sich ohne großen Plan ergeben, und ich bin froh, dass es so gekommen ist", sagt Steffen.

Überhaupt scheint es so zu sein, dass für Staring Girl - neben Steffen noch Peter Schumacher (Gitarre), Ingo Rotkowsky (Rhodes), Christoph Kohlhöfer (Bass) und Malte Blockhaus (Schlagzeug) - das Motto "In der Ruhe liegt die Kraft" gilt. Songs wie auf "Sieben Stunden und 40 Minuten", die scheinbar Privatem eine Allgemeingültigkeit geben und beweisen, dass Tristesse auch schön sein kann, schreiben sich schließlich nicht mal eben so nebenbei. "Obwohl ich das nun schon länger mache, dauert es immer noch sehr lange, bis ich mit den Texten zufrieden bin", bestätigt Steffen. "Das ist ein sehr langwieriger Prozess, und gerade bei den Texten bin ich sehr kritisch, weil sie ja doch sehr im Vordergrund stehen. Wie es funktioniert, weiß ich nicht. Ich habe ein Gefühl dafür, und wenn's mir gefällt, dann gefällt es vielleicht auch anderen Leuten." Den ungemein prägnanten Texten zum Trotz entstehen bei Staring Girl Musik und Gesangsmelodie in der Regel zuerst. Sie geben die Stimmung für die Texte vor, die Steffen später dazu schreibt beziehungsweise aus seinem mit Ideen und Notizen gespickten Textbuch "zusammenpuzzelt", wie er selbst es nennt. Obwohl die Band sowohl euphorische als auch zurückgezogenere Lieder hat, fällt es Steffen, wie vielen anderen Songwritern auch, ein wenig leichter, die melancholischen Momente des Lebens in Liedern festzuhalten. "Ich denke, das Bedürfnis, in diesen Situationen Lieder zu schreiben, ist einfach größer, weil man diese Sachen einfach loswerden will. Das hat schon etwas Therapeutisches", überlegt er und fügt dann hinzu: "Allerdings ist es ja auch so, dass man die tollen Dinge, die man erlebt, ebenso teilen will. Letztlich hält sich das vermutlich die Waage." Ein Erfolgsrezept hat Steffen auch nach längerer Beschäftigung mit der Materie nicht entdeckt. Auch heute muss er noch viel Überarbeiten und Editieren, bis er zufrieden mit dem Endergebnis ist. "Es ist in der Tat eher gleichbleibend schwierig", gesteht er, "vielleicht, weil ich einiges früher direkter ausgedrückt habe, oder vielleicht auch, weil ich auf bestimmte Dinge keine Lust mehr habe. Es dauert einfach heute länger, bis ich zufrieden bin. Das hängt aber sicherlich auch davon ab, wie viel Zeit man im alltäglichen Leben hat, Musik zu hören und sich darüber Gedanken zu machen. Man muss die Muße haben, und das ist nicht so einfach, wenn man viel arbeitet."

Trotzdem kommt das neue Album genau zum richtigen Zeitpunkt. Nach beendetem Studium jobbt Steffen, inzwischen von Kiel nach Hamburg umgezogen, derzeit "durch die Gegend", wie er es nennt, um sich über Wasser zu halten, und kann sich deshalb recht problemlos Zeit für Konzertreisen freischaufeln. Seine größten Konzerte spielte Steffen unlängst als Support der ausverkauften Frühjahrs-Tournee von Gisbert. "Das war eine sehr schöne Erfahrung, vor so vielen Leuten zu spielen. Ich bin allein mitgefahren, aber am Ende der Tour hat mich Gisberts Band dann bei vielen Stücken begleitet, was absolut nicht selbstverständlich ist. Das war ein tolles Erlebnis!" Große Erwartungen für die Zukunft hat Steffen dennoch nicht. Er freut sich auf die für Herbst geplante Gastspielreise seiner Band und lässt ansonsten die Dinge auf sich zukommen. "Ich freue mich erst mal, dass es so weit gekommen ist und dass die Platte veröffentlicht wird", sagt er. "Wenn's nicht funktioniert, wäre das auch okay. Dann würde ich trotzdem nicht aufhören, Musik zu machen!"

Weitere Infos:
www.facebook.com/staringgirlmusik
www.myspace.com/staringgirlmusik
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Ingo Polster-
Staring Girl
Aktueller Tonträger:
Sieben Stunden und 40 Minuten
(K&F/Broken Silence)




Staring Girl

 
 

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