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LISA-MARIE FISCHER
 
Marburg, USA
Lisa-Marie Fischer
Der Begriff "Americana" entstand weiland, als in der Musik US-Amerikanischer Prägung die Grenzen zwischen den ehemals abgegrenzten Genres Country, Folk, Songwriting, Blues und Rock'n'Roll immer mehr verwischten und so auch mehr Acts entstanden, die so eine Art traditionell geprägten Crossovers wagten. Als diese Art von Musik auch bei uns immer mehr Anhänger gewann, gab es natürlich auch in hierzulande Bestrebungen, sich in dieser Richtung musikalisch auszudrücken. Dabei gibt es natürlich gewissermaßen Hindernisse: Die Sprache nämlich und die Tatsache, dass Deutschland ziemlich weit von den USA entfernt ist. Und so hört man dann gemeinhin ziemlich schnell heraus, wenn Americana-Musik von Nicht-Amerikanern gemacht wird. Relativ selten gibt es aber auch Acts wie Lisa-Marie Fischer. Niemand, der die zierliche Marburgerin ein Mal gehört hat, käme auf die Idee, dass die junge Dame etwa nicht aus den USA stammt, denn sie hat den Mix aus Storytelling und der Musik mit Folk-, Country- und auf der neuen Scheibe "Sugar & Salt" auch mit ein bisschen Rock-Flair so gut drauf, dass ihr "Entdecker", Labelbetreiber Klaus Von Jahn sie gleich unter seine Fittiche nahm, um sie als Support-Act für seine bis dahin eher spärlich besuchten Touren US-Amerikanischer Songwriter zu engagieren, die er regelmäßig organisierte.
Wie schafft es aber jemand aus der hessischen Provinz den Ruch des amerikanischen Wesens so bilderbuchgerecht von außerhalb in Szene zu setzen? "Also ich habe eigentlich schon seit dem Kindergarten immer Musik gehört", erzählt Lisa, "zu dieser Art von Musik bin ich aber über meinen Vater gekommen, der immer Acts wie Emmylou Harris oder John Hiatt gehört hat. Dann hatte er 2008 im Internet gelesen, dass es eine Musikkreuzfahrt mit diesen Acts gibt - Lyle Lovett, John Prine, Steve Earle - alle waren dabei. Und dann hat er meine Mutter und mich mitgenommen. Die Fahrt ging von Miami aus nach Mexico und Jamaica und dann wieder zurück. Das war dann eine Woche nur mit Musik. Als ich dann gesehen habe, wie normal diese Leute auch sind, hat mir das so gut gefallen, dass ich dann beschlossen habe, auch Musik zu machen." Woher kommt aber die Faszination für den amerikanischen Way Of Life? "Ich habe gar keine Ahnung. Ich war das erste Mal mit sieben Jahren in den USA in Miami. Nun sagen ja viele, dass Miami gar nicht so amerikanisch ist - wegen der Kubaner -, aber für mich war das alles so groß und beeindruckend und so anders als in Deutschland. Und ich glaube, dass es das ist, was mich reizt. Und ich finde die amerikanische Folk- und Country-Musik viel authentischer als das, was z.B. In den Charts läuft. Das sind Musiker, die das, worüber sie singen, selbst erlebt haben, die ihre Songs selber singen und die ihre Instrumente spielen können. Das vermisse ich in der momentanen Pop-Musik etwas. Großartige Vorbilder sind da natürlich Bob Dylan oder Townes Van Zandt." Nicht viele Leute in Lisas Alter kennen überhaupt Townes Van Zandt - geschweige denn John Prine, dessen "Angel Of Montgomery" sie auf ihrer Debut-CD coverte. "Ja, das war bei mir so, dass ich ihn auf der Kreuzfahrt kennen lernte. Und das ist ein ganz sympathischer Mensch und der ist - wie alle diese Künstler auch - gar nicht abgehoben. Das war ja der Grund, der mich zu dieser Musik geführt hat."

Nun gibt es ja auch andere Leute aus unseren Breiten, die die USA gut finden - aber nicht so viele, die das dann musikalisch auch so gut ausdrücken können. "Nun ja, da hilft es natürlich, dass ich zum Glück diesen US-Slang ganz gut drauf habe. Ich muss da sogar aufpassen, dass ich es nicht zu toll treibe. So machte mich z.B. Mark Evitts, mein Produzent, darauf aufmerksam, dass ich ihm zu gut zugehört habe und seine Art, im Slang bestimmte Silben zu verschlucken, beim Singen nachmachte, was nicht so gut ist, da die Aussprache schon stimmen muss." Nun: Das sind ja geradezu Luxus-Probleme. Wie entstehen denn Lisas Songs? "Also auf dem ersten Album stammen alle Texte, außer des John Prine-Covers, von mir und handeln von Themen wie Liebe, Freundschaft und teilweise Geschichten über andere Leute, die mir wichtig sind. Auf dem zweiten Album handelt es sich um Kollaborationen mit Songwritern aus Nashville. Wir haben uns zusammengesetzt und uns gegenseitig erzählt, was wir erlebt haben und was uns durch den Kopf geht und dann gemeinsam Songs daraus gemacht. Das war zunächst ungewohnt, aber schließlich lief es doch ganz gut." Das ist sicherlich keine schlechte Idee, denn schließlich erlebt man ja gar nicht genug, um ständig autobiographische Songs schreiben zu können, die dann auch noch interessant sein sollen. "Ja, aber meine Inspirationen hole ich mich auch auf meinen Reisen", berichtet Lisa, "ich bin gerade im letzten Jahr viel unterwegs gewesen, habe dabei die Musik neben dem Abi gemacht - was teilweise anstrengend war, dann aber doch gut geklappt hat. Ich habe mich aber immer drauf gefreut, aus Marburg rauszukommen. Gerade die Natur und die Landschaft in den USA, wo alles ja so groß ist, (jedenfalls für jemanden aus Marburg) hat mich dabei inspiriert. Ich höre auch selbst sehr viel Musik aus dem Americana-Bereich und studiere diese auch eifrig. Wenn es eine neue Scheibe gibt - zum Beispiel von Emmylou Harris oder John Hiatt -, dann wird die rauf und runter gehört. Und ich gehe auch gerne auf Konzerte. Da kann man ganz viel lernen."

Was Lisa nicht erzählte, ist, dass sie teilweise auch selbst mit auf der Bühne spielte. So tourte sie zuletzt etwa mit Shannon McNally durch unsere Lande und spielte dabei dann auch zusammen mit den US-Musikern Will Sexton oder Mark Evitts, der ihre neue Scheibe auch produzierte. Wie kommt man denn an solche Kontakte? "Also im Falle von Mark Evitts, dem Produzenten, war das so, dass er auf der erwähnten Kreuzfahrt in einer der Bands auf dem Schiff spielte und mich dann zufällig auf Deck über den Haufen rannte. So kamen wir ins Gespräch und daraus ist dann eine Freundschaft entstanden - noch bevor wir zusammen arbeiteten. Seit einem Jahr musizieren wir nun auch zusammen und der hat auch die ganzen Kontakte zu den Musikern aus Nashville, die jetzt auf meiner Platte spielen. Er arbeitet ansonsten dort mit Rodney Atkins und anderen zusammen." Und Mark Evitts hat auch die Arrangements auf "Sugar & Salt" beigesteuert, die mit den E-Gitarren und Keyboards einen deutlichen Zuwachs gegenüber des ersten Albums darstellen. "Ja, das war sein Beitrag. Wir wollten schon in Richtung Country-Folk-Pop gehen, aber die amerikanischen Roots sollten auf jeden Fall durchschimmern." Was auch gut gelungen ist - nicht zuletzt aufgrund der erwähnten Studio-Musikern, die dem Album eine erdige Bodenständigkeit verliehen. "Wir haben uns vorher zusammengesetzt und besprochen, wie es klingen soll. Die Studiomusiker nehmen das auch nicht übel, wenn man sie bittet, dieses und jenes anders zu spielen. Das ist ja deren Job und die wollen ja auch, dass es in unserem Sinne gut klingt."
Lisa-Marie Fischer
Welche Pläne hat Lisa-Marie Fischer nach diesem doch recht umfassenden Einstieg in die Szene noch auf Tasche? "Ich möchte gerne mal in der Grand Ole Opry in Nashville spielen", meint sie. Dabei hat sie ja bereits Live-Erfahrung in den USA gesammelt. Wie kommt man denn da als jemand von Außerhalb an? "Also in den USA gibt es ja ganz viele, die Country- und Folk-Musik machen. Wenn man dann aber sagt, dass man aus Deutschland kommt, wo ja diese Musik nicht so bekannt ist, dann finden die das ganz toll." Außerdem kann der Blick von außen ja durchaus auch Vorteile beim Songwriting bringen. "Ja, das stimmt, man bewahrt sich so eine gewisse Distanz und ist nicht ständig drin - kann aber, wenn man möchte, immer mal wieder eintauchen. Das beschreibt es eigentlich recht gut." Was macht beim Songwriting letztlich am meisten Spaß? "Wenn sich die ersten Akkorde finden und die ersten Textzeilen und man dann irgendwann realisiert, dass da ein neuer Song entsteht. Das ist schon am Besten. Was aber schwierig ist, ist, dass man erst mal auf diese Ideen kommen muss. Manchmal fällt einem nachts etwas ein, öfter muss man sich aber auch einfach hinsetzen und überlegen, worüber man schreiben möchte und dieses dann ausarbeiten. Es ist ganz unterschiedlich." Wohin soll denn die musikalische Reise gehen? "Also ich liebe Emmylou Harris oder Alison Krauss. Wenn es gesanglich für mich in diese Richtung gehen könnte, dann wäre das natürlich schon ganz toll. Auf jeden Fall inspirieren die mich, was auch der Grund ist, warum die zweite Scheibe so geworden ist, wie sie ist. Jetzt geht es aber erst mal nach Austin, Texas (wo ich noch nie gewesen bin) - zusammen mit Will Sexton und der Songwriterin Charlie Faye. Dort spielen wir auch Konzerte zusammen und dann werden wir uns mit anderen Musikern treffen und dort neue Songs zusammen schreiben." Es scheint also, dass sich Lisa-Marie Fischer in naher Zukunft nicht zu langweilen braucht. Hoffentlich findet sie dann auch noch Zeit, wieder mal in unseren Breiten tätig zu werden.
Weitere Infos:
www.lisamariefischer.com
www.facebook.com/lisamariefischer
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Lisa-Marie Fischer
Aktueller Tonträger:
Sugar & Salt
(Stevja)




Lisa-Marie Fischer

 
 

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