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THE AVETT BROTHERS
 
Der natürliche Weg
The Avett Brothers
Seit das Indie-Folk-Revival auch in Deutschland in aller Munde ist, kennt man den Namen The Avett Brothers auch hierzulande. Dabei gibt es die Band um die Brüder Scott und Seth Avett aus Concord, North Carolina, schon sehr mehr als zehn Jahren. Jetzt will die Band mit ihrem siebten Album, "The Carpenter", auch hierzulande so richtig durchstarten. Produziert wurde die Platte wie schon der Vorgänger "I And Love And You" vor drei Jahren vom großen Rick Rubin, kein Wunder, dass der Spagat zwischen Banjo-verzierter, countryesker Hemdsärmeligkeit und radiotauglicher Piano-Poppigkeit so gut gelingt. Am Rande der Voodoo Music + Art Experience in New Orleans hatte Scott Avett Ende Oktober Zeit für ein Telefonat mit Gaesteliste.de.
GL.de: Guten Morgen, Scott. Vermutlich wacht ihr gerade irgendwo in Louisiana auf?

Scott (lacht): Ja, das kann man so sagen.

GL.de: Eure aktuelle Tournee geht gerade zu Ende. Seid ihr froh, endlich nach Hause zu euren Familien zu kommen, oder könnt ihr euch inzwischen den Luxus leisten, sie mit auf Reisen zu nehmen?

Scott: Du hörst dich an, als würdest du häufiger mit Musikern auf Tour sprechen! Manchmal nehmen wir unsere Familien mit, aber das bedeutet immer viel Aufwand. Momentan sind wir ohne Anhang unterwegs, weshalb ich mich sehr auf zu Hause freue, aber weil das Ende des Jahres mit großen Schritten näher rückt, freue ich mich über jeden Moment, in dem ich die Chance habe, zu performen.

GL.de: Natürlich kannte ich vorher euren Namen, aber gesehen habe ich euch erstmals bei eurem Auftritt mit Bob Dylan bei den Grammys vor knapp zwei Jahren. War das eine große Sache für euch, oder letztlich nur eine weitere TV-Show?

Scott: Was du gerade gesagt hast, dass du uns dort zum ersten Mal gesehen hast, deutet darauf hin, dass es eine größere Sache war, als wir selbst dachten, denn letztlich hat es uns eine sehr viel breitere Öffentlichkeit verschafft. Das ist insofern interessant, als es für uns ganz viele andere wichtige Puzzleteile gibt. Wir sind ja schon sehr früh im Fernsehen aufgetreten. Als wir in den frühen 00ern anfingen, waren wir in einer kleinen News-Show eines Senders in Birmingham, Alabama, zu Gast, später traten wir auch in Upstate New York, oder wo auch immer sich eine Chance bot, auf. All das hat uns, genau wie die Gastspiele bei Conan O'Brien oder Letterman, den Weg zu den Grammys geebnet. Deshalb war der Auftritt für uns zunächst nichts weiter als eine weitere TV-Sendung. Davon abgesehen: Mit Dylan, einem solch kultigen Helden von uns, spielen zu dürfen, war natürlich eine unglaubliche Ehre, für die wir dem Grammy-Produzenten, der uns diese Chance gegeben hat, sehr, sehr dankbar sind.

GL.de: Nach dem Auftritt habt ihr die Top 5 der Charts gestürmt. Ist dir heute beim Schreiben von autobiografisch gefärbten Texten bewusst, dass du sie nicht mehr vor nur 30, sondern inzwischen vor 10.000 Menschen singen wirst, denen du damit ein Stück deines Seelenlebens gewissermaßen auf dem Silbertablett servierst?

Scott: Nein, beim Schreiben denke ich nicht darüber nach. Du musst dich beim Schreiben von solchen Gedanken frei machen, du musst deine Gedanken so vollständig, so direkt, so unumwunden wie möglich niederschreiben. Sobald es allerdings an die Dokumentation und Präsentation geht, das Aufnehmen und die Veröffentlichung, mache ich mir sehr wohl Gedanken dazu. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass man sein Leben am besten als offenes Buch lebt. Natürlich gelingt mir das nicht immer, denn auch ich ziehe mich manchmal zurück und isoliere mich, aber letztlich ist es immer am besten, nichts zu verheimlichen, auch wenn du vielleicht zuerst denkst, jemand könnte geschockt sein, wenn er wüsste, was du so denkst. Am Ende des Tages stellt sich nämlich zumeist heraus, dass viele andere Menschen das Gleiche denken, sich aber nicht getraut haben, es zuzugeben.

GL.de: Du hast mal gesagt, dass sich die Songs ihren eigenen Weg suchen. Nun ist es ja so, dass bestimmte Arten von Songs besser in die Popcharts passen als andere. Macht ihr euch im Studio Gedanken darüber, wem dieses oder jenes Stück am Ende gefallen könnte?

Scott: Wir sind im Studio immer darauf aus, den Weg einzuschlagen, der sich am natürlichsten anfühlt. Wir fangen damit an, dass Seth und ich sagen: Dieser Song könnte vermutlich Akustikgitarre, Bass, Tuba, Schlagzeug und Klavier vertragen. Dann probieren wir das, und wenn jemand sagt: "Meine Güte, die Tuba klingt ja fürchterlich!", dann ersetzen wir sie durch ein Banjo. "Oh Mann, das Banjo klingt wie eine Kreissäge, da muss etwas ganz anderes her!" Das machen wir so lange, bis alle einverstanden sind.

GL.de: Vermutlich habt ihr deshalb so viel Material für "The Carpenter" aufgenommen, dass sogar problemlos ein Doppelalbum daraus hätte werden können?

Scott: Wir haben so viele Songs aufgenommen, um am Ende mehr Auswahl zu haben, um beim Zusammenstellen der Reihenfolge mehr Möglichkeiten zu besitzen. Die übrig gebliebenen Songs kommen hoffentlich noch als Single-B-Seiten oder in EP-Form heraus, weil es eine Menge Songs gibt, die der Band sehr am Herzen liegen. Etwas Ähnliches passierte bereits 2006. Eine ganze Reihe der Lieblingssongs der Band schafften es nicht aufs damalige Album, jetzt erscheint das Werk in einer erweiterten Vinyl-Auflage, auf der auch damals unberücksichtigte Songs als Bonus zu finden sein werden.

GL.de: Und die Zukunft? Was steht an außer einer Europatournee im Frühjahr 2013?

Scott: Seth und ich haben das nächste Album bereits in Angriff genommen, wir hatten bereits erste Sessions. Wir versuchen, dieses Mal fokussierter an die Arbeit zu gehen, weil wir gerne etwas schneller vorankommen wollen als bei "The Carpenter", denn all diese Songs aufzunehmen, aus denen wir am Ende auswählen wollten, hat natürlich viel Zeit gekostet.

GL.de: Wird bei den Aufnahmen zur nächsten Platte auch wieder Rick Rubin dabei sein?

Scott (lacht): Ja! Rick wird dabei sein. Er ist inzwischen ein lieber Freund von uns und ich bin davon überzeugt, dass wir gemeinsam noch eine Menge Arbeit zu erledigen haben!

Weitere Infos:
www.theavettbrothers.com
www.facebook.com/theavettbrothers
twitter.com/theavettbros
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Pressefreigabe-
The Avett Brothers
Aktueller Tonträger:
The Carpenter
(Columbia/Sony Music)




The Avett Brothers

 
 

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