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Zeit der Veränderung
Editors
Alles neu bei Editors: Auf ihrem vierten Album, "The Weight Of Your Love", klingt die englische Band nicht nur Gitarren-rockiger und amerikanischer als zuvor, sie präsentiert sich auch personell runderneuert. Gitarrist Chris Urbanowicz ist raus, zwei neue Leute machen die Band inzwischen zum Quintett. "Im Moment sind wir ziemlich aufgekratzt, denn immerhin hat es vier Jahre gedauert, bis wir wieder mit einer neuen Platte an die Öffentlichkeit treten können, und ich denke, das ist schon eine ziemlich lange Pause für eine aktuelle Band", sagt Editors-Frontmann Tom Smith, als er sich gemeinsam mit Bassist Russell Leetch den Fragen von Gaesteliste.de stellt. "In der Zwischenzeit hat sich viel verändert. Wir hatten schwierige Zeiten durchzustehen, aber die haben wir inzwischen hinter uns gelassen. Wir freuen uns auch sehr darauf, endlich wieder bei all den Sommer-Festivals auftreten zu können, die wir nun schon seit einer ganzen Weile nicht mehr beehrt haben."
Geplant war die lange Auszeit allerdings nicht. Eigentlich hatte die Band schon vor zwei Jahren begonnen, an ihrem vierten Album zu arbeiten, doch der kreative Prozess lief sehr schleppend. Die musikalische Neuausrichtung, die auf "The Weight Of Your Love" spürbar wird, ist allerdings nicht das Produkt der harten Zeiten, die die Briten durchzustehen hatten. "Ständige Veränderung war uns schon immer wichtig", unterstreicht Russell. "In gewisser Weise war es stets unser Ziel, jedes Mal etwas Neues zu machen und uns selbst zu überraschen." - "Schon relativ kurz nach dem letzten Album war klar, dass wir wieder die Gitarren zur Hand nehmen wollten und als Nächstes eine Rock-orientierte Platte machen wollten", erklärt Tom. "Die Aufnahmen, die wir damals mit Flood als Produzent gemacht haben - da war Chris noch in der Band -, hatten aber nicht viel mit dem gemein, was man jetzt auf der Platte hört. Die Veränderungen, die es seitdem gegeben hat, haben sich fraglos auf das neue Album niedergeschlagen."

Die wichtigste Veränderung ist natürlich, dass Gitarrist Chris Urbanowicz die Band vor rund anderthalb Jahren verließ, nachdem Smith, Leetch und Drummer Ed Lay ihn als kreative Bremse ausgemacht hatten. Offenbar haben Editors die Trennung von ihrem Gitarren ähnlich gesehen, wie einst R.E.M., die nach dem Ausstieg von Drummer Bill Berry trotzig gesagt hatten, ein dreibeiniger Hund sei immer noch ein Hund. "Genau", lacht Tom, der R.E.M. und besonders "Automatic For The People" als wichtigen Einfluss für die neue LP bezeichnet. "Drei Viertel sind immerhin ein gutes Stück der Editors. Natürlich ist es vorstellbar, dass wir irgendwann an den Punkt kommen, an dem wir nicht mehr Editors sind, aber davon sind wir noch weit entfernt!" Jetzt ist die Band ein Quintett, denn mit Justin Lockey und Elliott Williams ersetzen gleich zwei neue Musiker das ausgeschiedene Gründungsmitglied. Die erste Härteprobe absolvierte die neue Besetzung letzten Sommer ausgerechnet vor zigtausend Menschen beim Werchter Open Air in Belgien. Doch der Auftritt wurde für die Band zum Triumph, und ein wenig mag das Stadion-Flair der neuen Songs auch der Tatsache geschuldet sein, dass die "neuen" Editors ihr Debüt vor einem enthusiastischen Riesenpublikum gaben.

Doch nicht nur die beiden Neulinge fügten sich schnell und erfreulich problemlos ins Bandgefüge ein, der Ausstieg von Chris sorgte auch bei den verbleibenden drei Bandgründern für eine neue Dynamik. "Vor allem bei den ersten beiden Platten war Chris als Gitarrist, aber auch als Keyboarder eine ungeheuer wichtige treibende Kraft", erinnert sich Tom. "Sein Input in puncto Melodien war ebenso wichtig wie das, was ich gesanglich beigesteuert habe. Letztlich waren unsere Songs damals ein ständiger Wechsel zwischen meinem Gesang und den gewissen 'Chris-Momenten'. Das hatte zur Folge, dass jeder von uns vieren Ideen zu den Songs beigesteuert hat, aber Russ und Ed gerieten dabei schnell etwas ins Hintertreffen. Seit Chris die Band verlassen hat, ist der Input der Rhythmusgruppe deutlich gestiegen."

Das ist allerdings nicht die einzige Veränderung. Auch Tom geht inzwischen selbstbewusster an seine Texte heran und setzt sich auf "The Weight Of Your Love" geradezu unerwartet direkt mit dem Thema Liebe auseinander. "Ich bin inzwischen einfach weniger ängstlich, wenn es darum geht, meine Gefühle auszudrücken", sagt er. "Letztlich näherst du dich dem Thema auf eine Art und Weise, die sich für dich natürlich anfühlt. Du musst dich einfach auf deine Instinkte verlassen."

Auch musikalisch war die Band auf der Suche nach einem ausgedehnteren, amerikanischeren Sound. Für Tom stehen Editors mit der neuen Platte sogar mit einem Bein im Americana-Lager - kein Wunder, entstand die Platte doch ausgerechnet in Nashville. "Uns war sehr früh klar, dass wir das Album in Amerika aufnehmen wollten, weil viele der Bands, die wir mögen, von dort stammen", erklärt Tom. "Beim Thema Produktion war unser erster Gedanke Scott Litt, weil er all die tollen R.E.M.-Platten produziert hat, aber er hat sich vollkommen zurückgezogen, und als wir so diskutierten, kamen wir auf die Kings Of Leon und damit auf Jacquire King. Wir saßen in einem Pub beim Bier zusammen und hatten irgendwie das Gefühl, dass er die richtige Wahl sein könnte. Als wir dann am nächsten Morgen aufwachten, war dieses Gefühl immer noch da. Auch nach einem Gespräch mit unserem Management klang das Ganze immer noch nach einem guten Plan, also haben wir ihm ein paar unserer Songs geschickt und er antwortete prompt: 'Lasst uns das machen - und zwar hier in meinem Studio in Nashville!'"

Der Produzent drückte "The Weight Of Your Love" hörbar seinen Stempel auf. "Natürlich ist er auch gut darin, Sounds zu finden, aber im Fokus steht für ihn, dass er die Performance der Band gut einfängt, damit der Song bestmöglich präsentiert wird", weiß Tom. Nach dem eher technischen Vorgängeralbum klingen Editors deshalb dieses Mal betont organisch und unverfälscht. "Hätte Flood nach der letzten auch unsere neue Platte produziert, hätten wir vermutlich auch mehr Akustikgitarren verwendet, aber er hätte sie durch so viele Prozessoren gejagt, dass sie am Ende nicht mehr so geklungen hätten", lacht Russell.

Von Nashville waren Editors ziemlich begeistert, ganz besonders von dem Studio, in dem Jacquire "The Weight Of Love" produzierte. "Das war eine völlig neue Welt für uns", erzählt Tom. "An vielen Studios in London, in denen wir zuvor gearbeitet hatten, nagt der Zahn der Zeit. Alles ist ein bisschen heruntergekommen und oft funktioniert das Equipment auch nicht so richtig. Das Studio in Nashville war da ganz anders. Es war nicht flashy oder hi-tech, eher sogar ziemlich oldschoolig, aber alles funktionierte perfekt. Die Rezession hatte offenbar einen großen Bogen um dieses Studio gemacht. Alles dort rief: Countrymusik hat dieses Studio auf gesunde Füße gestellt!"

Weitere Infos:
www.editorsofficial.com
www.facebook.com/editorsmusic
twitter.com/editorsofficial
www.youtube.com/editorsofficial
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Matt Spalding-
Editors
Aktueller Tonträger:
The Weight Of Your Love
(Pias/Rough Trade)




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