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DAWES
 
"Wer hätte das für möglich gehalten?"
Dawes
Gestartet sind Dawes als eine Indie-Folk-Band von vielen. Schnell allerdings erspielte sich das kalifornische Quartett um Frontmann Taylor Goldsmith nicht nur eine beachtliche Fangemeinde, sondern zog auch die Aufmerksamkeit von Größen wie Robbie Robertson (The Band), Jackson Browne, Conor Oberst (Bright Eyes) oder zuletzt auch John Fogerty (Creedence Clearwater Revival) auf sich. Alle drei engagierten das Quartett als Backingband, und plötzlich fanden sich Dawes nach gerade einmal zwei Alben im Musikerhimmel wieder. Auf ihrem nun auch in Deutschland erscheinenden dritten Album, "Stories Don't End", klingen die Amerikaner etwas zeitgemäßer als auf den deutlich vom 70er-Jahre-Folk-Rock geprägten Vorgängern und dürften damit auch hierzulande offene Türen einrennen. Schließlich hat die Band mit den literarisch wertvollen Texten und dem gefühlvollen Handmade-Sound einfach ein Händchen fürs Besondere. Gaesteliste.de hatte das Vergnügen, mit Taylor Goldsmith zu plaudern.
GL.de: Ihr habt in eurer noch vergleichsweise jungen Karriere schon mehr erreicht, als die meisten anderen Bands zu träumen wagen. Wundert ihr euch manchmal selbst, wie gut es für euch läuft?

Taylor: Absolut! Als wir gefragt wurden, ob wir Robbie Robertsons Band sein wollen, konnten wir das zunächst gar nicht glauben. Ausgerechnet mit dem am stärksten zurückgezogen lebenden Musiker von The Band zu spielen - wer hätte das für möglich gehalten? Kurz darauf kamen wir dann mit Jackson Browne zusammen, dann folgte Conor Oberst von Bright Eyes und zuletzt John Fogerty. Das alles ist fraglos eine Riesenüberraschung für uns - vor allem, dass es so häufig passiert ist. Einmal wäre schon cool gewesen, aber immer wieder - das ist unglaublich!

GL.de: Bob Dylan hat zwar eine eigene Band, lud euch aber trotzdem ein, im vergangenen Frühjahr in seinem Vorprogramm aufzutreten... Das war noch mal eine ganz andere Hausnummer, oder?

Taylor: Ja! Dadurch, dass Dylan sich auf so viele unterschiedliche Arten präsentiert hat und in so vielen verschiedenen Stilen geschrieben hat, hat jeder Hörer seine eigene persönliche Lieblingsphase in Dylans Schaffen. Dass er sich nie festgelegt hat, ist aber auch der Grund, warum er immer noch da ist. Dadurch, dass du nie weißt, was dich erwartet, willst du einfach alle seine Platten hören.

GL.de: Da Dylan ja bekanntermaßen unnahbar ist, habt ihr ihn die gesamte Tour über nicht getroffen, bis es am letzten Abend zu einer kurzen Zufallsbegegnung kam, richtig?

Taylor: Am letzten Tag der Tour stand ich wohl einfach im Weg, es er zu seinem Tourbus wollte. Er kam auf mich zu und sagte: "Es war schön, euch dabeigehabt zu haben, ihr seid großartig!" Ich bedankte mich, und dann fragte er: "Wie hieß der letzte Song, den ihr gespielt habt?" Ich antwortete: "A Little Bit Of Everything", und er sagte: "Der ist toll!" und ging. Es war einfach unfassbar!

GL.de: Woher hast du eigentlich die Motivation genommen, nach der Auflösung deiner ersten Band Simon Dawes sofort den Hebel umzulegen und mit Dawes etwas viel Größeres an den Start zu bringen?

Taylor: Ganz einfach: Den Gedanken, zurück zur Schule zu gehen und einen anderen Weg einzuschlagen, empfand ich als zu beängstigend! Ich hatte das Gefühl, dass mich das um Jahre zurückwerfen würde. Als sich auf unserer letzten Tournee als Simon Dawes abzeichnete, dass sich die Band auflösen würde, sobald wir wieder zu Hause wären, buchte ich mir eine Solo-Show für den Tag nach unserer Rückkehr, um sofort die nächste Phase einzuleiten.

GL.de: Trotzdem gibt es auf der neuen Platte gewissermaßen einen Rückgriff auf die alten Zeiten, da ihr "Hey Lover", eine Solonummer von deinem alten Simon-Dawes-Mitstreiter Blake Mills, covert...

Taylor: Blake war in Simon Dawes und wir sind immer noch eng befreundet. Deshalb dachten wir einfach, es wäre eine nette Sache, seinen Song aufzunehmen, und wir hatten auch wirklich eine gute Zeit dabei. Seine Version ist toll, und es ist gar nicht so einfach, ein Stück neu einzuspielen, das du schon im Original sehr gemocht hast. Wir haben einfach versucht, Blakes Version auszublenden, und deshalb ist unsere etwas schneller und etwas wilder.

GL.de: "Stories Don't End" bringt viele Neuerungen mit sich. Nicht nur euer Sound ist jetzt moderner, ihr habt auch ein neues Management, einen neuen Produzenten und habt erstmals nicht in eurer Heimatstadt Los Angeles aufgenommen.

Taylor: Ja, allerdings geschah das nicht mit Vorsatz. Wir waren eh auf der Suche nach einem neuen Management, unser bisheriger Produzent Jonathan Wilson begann selbst zu touren und war einfach nicht verfügbar, und der neue Produzent, den wir auswählten, Jacquire King, schlug vor, die Platte nicht in Los Angeles aufzunehmen, also gingen wir nach Asheville in North Carolina. Letztlich waren das alles schicksalhafte Ereignisse, die letztlich dafür gesorgt haben, dass diese dritte Platte - verglichen mit den ersten beiden - unter ganz anderen Vorzeichen entstand. Das hat fraglos dazu beigetragen, dass die neue Platte eine eigene Identität hat.
GL.de: Welche Rolle spielte die Tatsache, dass ihr fernab von zu Hause und damit abseits aller häuslichen Ablenkungen aufgenommen habt?

Taylor: Ich glaube nicht, dass sich der Sound dadurch verändert hat, denn ich denke nicht, dass wir deswegen anders gespielt haben, aber unser Fokus war definitiv ein anderer. Wir lieben es Musik zu machen, deshalb war es auch bei den Aufnahmen unserer ersten Platten in Los Angeles nicht so, dass wir mit allen Mitteln versucht hätten, früher als vorgesehen Schluss zu machen. Trotzdem habe ich es sehr genossen, an einem abgelegenen Ort aufzunehmen, an dem wir niemanden kannten. Das war eine sehr positive Erfahrung.

GL.de: Ihr veröffentlicht diese Woche nicht nur euer neues Album, sondern spielt auch gleich noch Konzerte in Hamburg und Berlin. Ist das nach all den Konzerten in den USA überhaupt noch etwas Besonderes für euch?

Taylor: In Europa zu touren ist etwas anderes, als in den USA unterwegs zu sein. Wir haben bei euch ja noch nicht viel gespielt und haben deshalb noch nicht so viele Fans. In gewisser Weise machen wir also ein paar Schritte zurück und erledigen die Arbeit, die getan werden muss, um uns eine Anhängerschaft aufzubauen. Das ist ein wenig furchteinflößend, aber auch ziemlich aufregend. Wir haben dieses Jahr schon in einer Menge toller Venues gespielt, zum Beispiel dem berühmten Ryman Auditorium in Nashville - das war vermutlich unsere größte Show bislang -, und danach jetzt nach Europa zu kommen und vor vielleicht 200 Leuten zu spielen, zeigt dir deine Grenzen auf. Das ist eine Erinnerung daran, dass man nie faul werden und sich auf seinen bisher verdienten Lorbeeren ausruhen darf!

Weitere Infos:
www.dawestheband.com
www.facebook.com/Dawestheband
twitter.com/Dawestheband
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Pressegreigabe-
Dawes
Aktueller Tonträger:
Stories Don't End
(Mercury/Universal)




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