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SUPERCHUNK
 
"Wir werden bleiben, ob ihr das nun mögt oder nicht!"
Superchunk
"I Hate Music" haben Superchunk zwar ihr aktuelles Album betitelt, doch das Gegenteil ist der Fall. Mit auch nach fast 25 Jahren ungebrochenem Elan wirft sich die wohl beste US-Indierock-Band der 90er-Jahre nicht nur in ihr ausgezeichnetes neuestes Werk, nein, der Spaß an der Musik ist bei dem aus Chapel Hill in North Carolina stammenden Quartett inzwischen sogar wieder so groß, dass im November und Dezember sogar eine Europa-Tournee der alten Haudegen ansteht. Dabei verabschiedete sich die Band, die in den 90ern mit brillanten Platten auf City Slang und aufrührerischen Live-Shows von sich reden gemacht hatte, Anfang des neuen Jahrtausends in eine unbestimmte Pause, die lange Jahre nur sporadisch mit Archiv-Veröffentlichungen oder vereinzelten (Benefiz-)Auftritten unterbrochen wurde. 2010 folgte dann das sensationelle Comeback, denn mit "Majesty Shredding" lieferten Gitarrist/Sänger Mac McCaughan, Bassistin Laura Ballance, Gitarrist Jim Wilbur und Drummer Jon Wurster die wohl beste Platte ihrer Karriere ab. Mit "I Hate Music" knüpften sie nun fast nahtlos daran an, wenngleich die Platte weniger überschäumend und ausgelassen ist als ihr Vorgänger. Entstanden unter dem Eindruck des Todes eines Bandfreundes, ist die Platte düsterer, in sich gekehrter, man könnte auch sagen erwachsener ausgefallen. Jim Wilbur stand Gasteliste.de Rede und Antwort.
GL.de: Jim, wundert es dich manchmal, wie lange es die Band nun schon gibt?

Jim: Ja! Als ich 1990 einstieg, habe ich den anderen gesagt, dass ich für maximal drei Monate aushelfen würde. Aber am Ende der drei Monate standen weitere Tourneen an, wir verdienten gutes Geld und ich sagte mir: Das hier ist toll, jetzt gibt es kein Zurück mehr! Schon bald haben wir uns dann selbst reguläre Gehälter gezahlt, Krankenversicherungen abgeschlossen und so weiter, und das Ganze schien zukunftsträchtig, weil wir unsere Karriere sehr klug gemanagt haben. Wir hatten nie überzogene Erwartungen und hatten alle Belange unseres Tuns immer vollständig unter eigener Kontrolle. Das hat die Band zusammengehalten. Wir werden bleiben, ob ihr das nun mögt oder nicht!

GL.de: War eure Rückkehr eigentlich von Anfang an beschlossene Sache, oder bestand durchaus die Gefahr, dass ihr euch für immer trennt?

Jim: 2002 war es so, dass zwei Leute in der Band alles hinwerfen wollten und zwei nicht. Der Kompromiss, auf den wir uns damals einigten, war eine Pause. Ich wollte nicht, dass die Band stirbt, obwohl auch ich eine Hassliebe zum Rock'n'Roll-Leben entwickelt hatte. Ich hasse die Tourneen, und bei jedem Aufenthalt auf einem Flughafen denke ich, dass ich viel lieber zu Hause wäre. Aber jedes Mal, wenn wir dann Konzerte spielen, habe ich das Gefühl, dass wir lohnende Arbeit abliefern, so hart es auch manchmal ist.

GL.de: Wie hat sich eure Herangehensweise nach der Pause verändert?

Jim: Früher, als wir alle ein, zwei Jahre eine Platte gemacht haben, war unsere Arbeitsweise viel kollaborativer als heute. Damals haben wir uns im Proberaum getroffen, uns angestarrt und Ideen in den Raum geworfen. Letztlich hat das dazu geführt, dass wir unglaublich viele Kompromisse machen mussten, um all unsere Vorschläge unter einen Hut zu bringen. Das hat dafür gesorgt, dass unsere Platten gegen Ende der 90er immer - wie soll ich sagen? - diffuser wurden. Heute hingegen schreibt Mac die Songs und wir anderen veredeln sie anschließend nur noch. Das hat zur Folge, dass unsere Platten jetzt viel fokussierter sind als vor unserer Pause und viel mehr Zusammenhang haben - und das gefällt mir sehr! Es macht es uns als Band viel leichter, und außerdem vermitteln wir so eine viel eindeutigere Vision.

GL.de: Woher nehmt ihr nach fast einem Vierteljahrhundert Superchunk die Motivation zum Weitermachen?

Jim: Wir motivieren uns einfach gegenseitig. Ich denke, wenn jeder auf sich allein gestellt wäre, würde keiner von uns musikalisch etwas auf die Reihe kriegen. Wir stärken uns gegenseitig und es herrscht eine tolle Kameradschaft, ja, es fühlt sich wie eine Familie an. Dazu kommt, dass wir nach mehr als 20 Jahren auch das Vermächtnis der Band spüren. Wenn du auf einem Konzert einen 15-Jährigen triffst, der dir erzählt, dass sich seine Eltern auf einem Superchunk-Konzert kennengelernt haben - dann weißt du, dass du die Band auf keinen Fall sterben lassen willst, egal, wie faul und lethargisch du manchmal bist!

GL.de: Trotzdem wird Laura auf der kommenden Tournee aussetzen...

Jim: Laura sagte schon zu Beginn der Aufnahmen zur neuen Platte, dass sie nicht auf Tournee gehen möchte, und warf gewissermaßen die Frage in den Raum, warum wir überhaupt eine weitere Platte machen, wenn wir anschließend nicht auftreten. Ich sagte damals, dass wir diese Brücke überqueren, wenn es so weit ist. Doch Laura forderte uns auf, einen Ersatz zu suchen. Sie sagte, dass sie hier und da mit uns auftreten würde, aber dass sie wegen ihrer Ohren-Probleme und ihrer achtjährigen Tochter lieber zu Hause bleiben wolle. Letztlich haben wir dann beschlossen, Jason Narducy einzuladen, der mit Jon in Bob Moulds Band spielt. Als wir Laura sagten, dass er zugesagt hatte, fiel ihr ein Stein vom Herzen. Sie ist und bleibt trotzdem die Bassistin der Band, sie spielt auf der Platte und wird bei ausgewählten Konzerten dabei sein, sie wird lediglich nicht ständig mit uns herumreisen.

GL.de: Ist es nicht seltsam, sich umzudrehen - und nach über 20 Jahren steht Laura da plötzlich nicht mehr auf der Bühne?

Jim: Nicht wirklich, denn Jason ist einfach unglaublich... gut! Wir haben bislang zweimal geprobt und ein Konzert gespielt, aber er kennt die Songs schon jetzt besser als wir. Mit ihm haben wir zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder "Slack Motherfucker" geübt. Das machen wir sonst nie, weil wir einfach davon ausgehen, dass wir wissen, wie man's spielt! Als wir es jetzt mit ihm probten, hörte es sich irgendwie seltsam an. Jason hat uns aber versichert, dass er es so spielt wie Laura, und hat uns zum Beweis sogar eine Aufnahme vorgespielt. Vielleicht auch, weil wir den Song immer am Ende spielen, wenn wir schon ein paar Bierchen intus haben, ist uns in all den Jahren nie aufgefallen, dass es vollkommen falsch klingt, was sie da spielt!

GL.de: Das klingt so, als hättest du vollstes Vertrauen in den neuen Mann?

Jim: Ja! Bei dem einen Konzert, das wir bislang gespielt haben, fühlte ich mich sehr sicher. Jason war der Fels in der Brandung, der uns vor allem Ungemach beschützen würde. Er war der Inbegriff eines Profis, und das hat dem Rest von uns geholfen, ein bisschen lässiger zu sein, weil wir wussten: Er wird alles zusammenhalten!

Weitere Infos:
www.superchunk.com
www.facebook.com/pages/Superchunk/104096819626010
twitter.com/superchunk
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Jason Arthurs-
Superchunk
Aktueller Tonträger:
I Hate Music
(Merge Records/Cargo)




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