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YO LA TENGO
 
Die tiefere Bedeutung der bedeutungslosen Tiefe.
Yo La Tengo
"And Then Nothing Turned Itself Inside Out" heißt das neue Album von Yo La Tengo. Und auch dieser Titel kann wieder alles und nichts bedeuten. Ira Kaplan und Georgia Hubley lieben eben Spielereien dieser Art. Versucht man o.a. Wortgetüm zu übersetzen, kommt in etwa so etwas dabei heraus wie: Und nichts offenbarte sich. Und genau das trifft den Kern der Sache. Wenn es denn im Falle YLT so einen gibt.
Denn, so Georgia, "Bei uns hat nichts eine tiefere Bedeutung." Das Fordern des Publikums und das Herumspielen mit Erwartungshaltungen gehört seit jeher zu den Stärken des Hobokener Trios. Das neue Album ist z.B. ungewöhnlich ruhig gelungen. Fast tranceartig schleichen die Tracks ins Unterbewußtsein. Zum ersten Mal ist man regelrecht froh, daß wenigstens ab und an ein wenig verstörendes Chaos auftaucht. "Wir haben das nicht so geplant", meint Georgia - und angesichts der allgemeinen Philospohie des Unverbindlichen paßt dieses in's Bild, "so gehen wir auch nicht an unsere Musik heran. Wir lassen die Dinge sich entwickeln."
Yo La Tengo
In einem anderen Interview verriet mir Ira einmal, daß er tierische Freude daran habe, sich selbst zu überraschen. Auch das paßt ins Bild, denn nur wer sich selbst überrascht, kann auch andere Verblüffen. Man muß sich dem Phänomen YLT einfach anders nähern: Offen für alles, mit einem Ohr für Details und einem Sinn für's Ganze. Und für Humor. "Wir können mit den besten der Welt um die Wette brüten", meinte Ira mal, "aber wir müssen auch mal einen Witz machen." Und dieser findet sich auf "Inside out" im Detail. Z.B. in den Songtiteln: "Cherry Chapstick" ist ein Song über einen Labello-Stift mit Kirschgeschmack, "Crying For Lot G", bezieht sich auf einen Parkplatz, in "The Last Days Of Disco" geht es um den gleichnamigen Film - nur: Den haben weder Georgia noch Ira gesehen (genausowenig wie sie Tony Orlando-Fans sind, obwohl ein Song über diesen auf der Scheibe ist), denn notabene: "Das hat alles keine tiefere Bedeutung". Auch nicht die Tatsache, daß man auf dem neuen Werk die Texte kaum verstehen kann, weil alles mehr oder minder geflüstert wird. "Ich kann die Texte ganz gut verstehen", meint Georgia, "und sag bloß nicht, daß Du mehr über die Texte auf den anderen Scheiben herausgefunden hast, bloß weil Du sie verstehen konntest."
Nun ja: Da muß man sich dann halt der speziellen Yo La Tengo-Logik hingeben und kapitulieren. Immerhin gibt es doch Aspekte, die eine Bedeutung haben und die wichtig erscheinen. "Für uns ist das Werk als Einheit wichtig", erklärt Georgia, "da muß alles zusammenpassen: Die Stücke, die Stimmung, die Texte, das Artwork, die Fotos dazu - und dafür sorgen wir selbst. Wir sind in alles involviert." Nun gut: Wenn also alles möglich ist, hat YLT dann vielleicht wenigstens noch konkete musikalische Träume? "Nun ja, wir werden sicherlich nicht mit einem Orchester spielen - das engt zu sehr ein. Aber für Kollaborationen sind wir immer offen. Wir haben jetzt z.B. zusammen mit 3 Jazz-Bläsern gespielt, die mit uns improvisiert haben. Das war sehr spannend und wir werden sicherlich auch zusammen mit denen touren." Das hat aber mit Sicherheit keinerlei tiefere Bedeutung...
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Yo La Tengo
Aktueller Tonträger:
And Then Nothing Turned Itself Inside Out
(Zomba)


Yo La Tengo

 
 

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