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MOGWAI
 
Zum Glück nicht gut in Mathe
Mogwai
Alles neu bei Mogwai? Wie schon auf der wunderbaren "Earth Division"-EP von 2011 verzichten die Schotten auch auf "Rave Tapes", ihrem achten regulären Album, größtenteils auf niederschmetternde Post-Rock-Wucht und erkunden dafür mit viel analogem-Synth-Einsatz und unter Hinzunahme dezenter Elektronik Regionen ihres Klangspektrums, die bislang immer zu kurz kamen. Aber keine Angst, das besondere Gefühl, die unvergleichliche Stimmung, die das Quintett aus Glasgow von jeher mit seinen Instrumentals heraufbeschworen hat, ist auch auf "Rave Tapes" spürbar. Allerdings ist der einstige Wall of Sound einem vielschichtigen und breiter als je zuvor gefächerten Sound gewichen, der mehr mit typischen Soundtrack-Qualitäten als mit herkömmlichem Rock-Riffing besticht. Sicherlich werden einige langjährige Fans das ein oder andere Markenzeichen Mogwais auf diesem Album vermissen, dennoch steht fest: Der nach dem Back-to-the-roots-Sound von "Hardcore Will Never Die, But You Will" (2009) praktisch unumgängliche Kurswechsel gelingt der Band aus Glasgow mit "Rave Tapes" ganz hervorragend. Ende März gehen Mogwai auf Deutschland-Tournee und zuvor stand uns Keyboarder Barry Burns Rede und Antwort.
GL.de: Nach fast 20 Jahren Mogwai kann man guten Gewissens sagen, dass ihr gekommen seid, um zu bleiben. Gab es einen bestimmten Moment, in dem dir bewusst wurde, dass aus der Band eine Lebensaufgabe werden könnte?

Barry: Nicht wirklich. Für mich fühlt sich das Ganze immer noch irgendwie temporär an. Ich denke allerdings, dass das etwas Gutes (wenngleich auch etwas Furchterregendes) ist. Es ist immer schön, wenn wir gefragt werden, mal etwas anderes - zum Beispiel einen Soundtrack - zu machen. Das gibt uns ein bisschen mehr das Gefühl, dazuzugehören, etwas Größeres zu sein.

GL.de: In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich eine Menge getan in der Musikindustrie. Was davon findest du positiv, was hat dir in der "guten alten Zeit" besser gefallen?

Barry: Mir gefällt der schnelle Zugang zu Musik. Du hörst etwas in einer Bar, dank Shazam weißt du sofort, was es ist, und kannst es innerhalb von Sekunden auf iTunes kaufen, wenn du möchtest. Die gute alte Zeit? Damals konnte man tatsächlich noch vernünftig Geld durch Plattenverkäufe erzielen, doch leider wurden wir erst etwas später bekannt und haben diese Phase verpasst. Es ist schon etwas seltsam, zu sehen, wie sich alles entwickelt hat.

GL.de: Die meisten Bands, die so lange dabei sind wie ihr, gehen entweder musikalisch auf Nummer sicher oder neigen dazu, das Kind mit dem Bade auszuschütten und etwas völlig Abwegiges zu machen. Ihr dagegen habt nie den Draht zu eurer Vergangenheit verloren und trotzdem immer wieder neue Wege gefunden, wie "Rave Tapes" eindrucksvoll beweist. Seid ihr einfach talentierter als andere, oder woran liegt das?

Barry: Ich würde sagen, dass wir in mancher Hinsicht härter arbeiten als andere, in anderer Hinsicht aber auch wieder nicht. Ich glaube, wir hatten einfach Glück, die richtige Chemie zu finden. Ich weiß auch nicht, was es ist, aber es funktioniert ziemlich gut! Um ehrlich zu sein, versuchen wir jedes Mal, eine völlig neue Richtung einzuschlagen, aber das gelingt uns nie wirklich, und deshalb klingen wir immer noch wie wir. Ich bin mir nicht sicher, ob das etwas Gutes ist oder nicht!

GL.de: Wenn es darum geht, dieser Tage musikalisch neue Wege zu beschreiten: Wisst ihr inzwischen, wie ihr schneller zu Ergebnissen kommt, oder seid ihr von den Resultaten immer noch genauso überrascht wie zu Beginn eurer Karriere?

Barry: Du lernst eine Menge, vergisst aber auch eine Menge des Gelernten schnell wieder, zudem ist Glück auch immer ein großer Faktor (genauso allerdings auch Durchhaltevermögen). Wir riechen für gewöhnlich den Braten, wenn etwas nicht stimmt, und unter dem Strich haben wir mehr gute als schlechte Entscheidungen gefällt, aber es waren auch furchtbare Fuck-ups dabei.

GL.de: Was war deiner Meinung nach der wichtigste Faktor bei der Entstehung von "Rave Tapes"?

Barry: Das Wichtigste sind neues Equipment und musikalische Spielzeuge. Das führt dazu, dass wir Songs anders schreiben und spielen, und stellt außerdem sicher, dass uns nicht langweilig wird.

GL.de: Auf "Rave Tapes" widmet ihr euch ausgiebig sanfteren Tönen und langsameren Tempi. Wenn man bedenkt, dass ihr vor zwei Jahren die ähnlich angelegte "Earth Division"-EP veröffentlicht habt und letztes Jahr eurer "Zidane"-Soundtrack ein Bühnencomeback erlebte, könnte man fast ein Konzept vermuten?

Barry: Nein. Es war (und ist) höchst selten eine bewusste Entscheidung, sanfter oder langsamer zu spielen. Wir versuchen nie, die Musik zweier Veröffentlichungen in einen Kontext zu stellen oder zu verbinden. Wir sind einfach, wer wir sind. Diese Art Beobachtungen fallen vermutlich einem Außenseiter leichter.

GL.de: Auffällig ist auch die stärkere Einbindung elektronischer Elemente in euren Sound. War das eine bewusste Entscheidung oder hat euch das langsam, aber sicher einfach eingeholt?

Barry: Sowohl digital als auch analoge Synthesizer haben es an sich, dass sie das Klangspektrum, das dir zur Verfügung steht, auf einzigartige Weise erweitern. Wenn man lediglich Gitarren verwendet, klappt das einfach nicht genauso gut. Damit will ich nicht sagen, dass es mit Gitarren unmöglich ist, aber mit Synths und elektronischen Drums ist es leichter.

GL.de: Mit dem Gesagten im Hinterkopf: Habt ihr schon einen fertigen Plan, bevor ihr die Arbeit an einem Album (und "Rave Tapes" im Besonderen) beginnt? Die neue Platte hat einen ganz ausgezeichneten Flow, und da fragt man sich natürlich, inwieweit das Absicht oder ein glücklicher Zufall war!

Barry: Soweit es mich angeht, sind des zumeist glückliche Zufälle. Ich hatte nie eine besonders verkopfte Herangehensweise an Musik. Ich habe mich immer vom Instinkt leiten lassen und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das bald ändern wird. Sich mit bestimmten Instrumenten nicht richtig auszukennen, ist auch ein ganz ausgezeichneter Weg, Musik zu machen. Deshalb mag ich modulare Synthesizer. Sie sind unglaublich verwirrend - es sei denn, man ist gut in Mathe.

Weitere Infos:
www.mogwai.co.uk
www.facebook.com/mogwai
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-
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Aktueller Tonträger:
Rave Tapes
(Rock Action/Pias/Rough Trade)




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