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ROBERT CRAY
 
Auszeit vom Blues?
Robert Cray
Er ist einer der größten Blues-Musiker der Gegenwart, nennt eine Handvoll Grammys sein Eigen, wurde außerdem insgesamt 15 Mal für den begehrtesten Musikpreis nominiert. Vor allem ist der inzwischen 61-jährige Amerikaner aber ein unglaublich netter Mensch, der stets auf dem Teppich geblieben ist. Allüren kennt er vermutlich nur vom Hörensagen. Bei unserem transatlantischen Telefoninterview ruft er gleich selbst an. Kein Plattenfirmenmensch, der zum Assistenten des Künstlers durchstellt, der dann den Hörer an den Star weiterreicht, sondern einfach nur Robert. Mit leiser, sanfter Stimme beantwortet er alle Fragen mit viel Geduld und tut auch sonst alles dafür, die Interviewsituation so angenehm wie möglich zu machen. Im Mai präsentiert er gemeinsam mit seinen Mitstreitern Richard Cousins (Bass), Les Falconer (Drums) und Dover Weinberg (Tasten) das aktuelle Album "In My Soul" auch live auf deutschen Bühnen.
GL.de: Wie fühlt man sich als Robert Cray im Frühjahr 2014?

Robert Cray: Es fühlt sich ziemlich gut an. Die Robert Cray Band ist gerade 40 geworden, wir haben im Januar 1974 angefangen. Wir haben die Band damals gegründet, um die Musik zu spielen, die wir lieben - Blues und Rhythm'n'Blues - und ich bin heute noch immer in der Lage, das zu tun. Robert Cray fühlt sich deshalb ziemlich gut (lacht).

GL.de: Du hast gerade das 40. Dienstjubiläum der Robert Cray Band erwähnt. Erinnerst du dich an besondere Wendepunkte?

Robert Cray: Wendepunkte gab es keine. Es gab nur einen Anfang, den Tag, an dem ich meine erste Gitarre bekam. Seitdem ging es einfach unentwegt weiter. Natürlich gab es eine Entwicklung. Wir schafften den Sprung von sehr wenigen Auftritten zu drei, vier Nächten in Clubs, trafen auf Albert Collins und spielten eine Weile mit ihm. Das führt zu einem Festivalauftritt, den ein Labelvertreter sah und uns unter Vertrag nahm. Seitdem haben die Räder nicht mehr aufgehört zu rollen. Dann kam irgendwann das Album "Strong Persuader" heraus und schlug voll ein, aber zu dem Zeitpunkt waren wir schon des Öfteren in Europa unterwegs gewesen und dachten, dass wir nicht mehr härter arbeiten könnten. Es stellte sich heraus, dass das doch möglich war! Die Popularität des Albums verflog nach einer Weile, aber da hatten wir uns schon ein größeres Publikum erspielt - und diese Fangemeinde haben wir bis heute.

GL.de: Gemeinhin wirst du unter Blues einsortiert, euer neues Album "In My Soul" fällt dagegen auch abseits des Titels mit einer ausgeprägten Soul-Note auf.

Robert Cray: Ja, die soulige Note ist dieses Mal deutlicher spürbar, allerdings ist das nicht auf eine andere Herangehensweise zurückzuführen, wir haben nämlich nach gar keiner bestimmten Herangensweise gesucht! Das Einzige, was es gab, waren einige Vorschläge unseres Produzenten Steve Jordan - und das waren Coverversionen. Zum einen "Nobody's Fault But Mine" von Otis Redding, und dann fragte Steve mich noch, ob ich den Song "Your Good Thing Is About To End" mag. Das tat ich, also sagte ich: 'Lass es uns versuchen, dann sehen wir, was dabei herauskommt.' Danach haben sich die Jungs meiner Band und ich daran gemacht, Songs zu schreiben. Richard brachte "Hip Tight Onions" ein und die langsame 70s-Ballade "Hold On". Ich steuerte dann "You're Everything" und "You Move Me" bei und Les schleppte "Guess I'll Never Know" an. Plötzlich hatten wir also all diese R'n'B-Nummern zur Verfügung, und das hat dem Album seine Form gegeben.

GL.de: Du hast gerade deine Bandkollegen erwähnt. Seit dem letzten Album gab es zwei Änderungen. Les Falconer sitzt jetzt am Schlagzeug und an den Keyboards sitzt nun Dover Weinberg. Zuvor hatte Jim Pugh diesen Posten mehr als ein Vierteljahrhundert inne. War es schwierig, ihn zu ersetzen?

Robert Cray: Veränderungen sind etwas Gutes. Mit Dover, der Jim nun ersetzt, kehrt ja ein alter Freund zu uns zurück, der schon in den 70ern in der Band und sogar unser allererster Keyboarder war. Bei Les, der ja zuvor lange mit Keb Mo gespielt hat, war es so, dass er mir schon vor Jahren gesagt hatte: "Falls du jemals einen Schlagzeuger brauchst, stehe ich bereit." Natürlich gibt es viele gute Musiker da draußen, aber welche zu finden, die wirklich zu dem passen, was mir machen wollen, ist schon recht schwierig.

GL.de: Wonach suchst du denn genau?

Robert Cray: Zunächst einmal sollte der Musiker natürlich einen ähnlichen Musikgeschmack haben. Was hilft es dir, die weltbesten Musiker zu haben, wenn sie nicht deinen Style haben? Außerdem ist wichtig, dass sie sich problemlos einfügen und dich nicht von dem Pfad abbringen, auf dem du dich gerade befindest. Dover kenne ich schon seit Jahrzehnten und Les hatte ich zuvor schon auf der Bühne bei unseren vielen gemeinsamen Konzerten mit Keb Mo erlebt, deshalb wusste ich praktisch schon, dass sie die Richtigen sind, bevor ich den Telefonhörer in die Hand nahm.

GL.de: Mit Produzent Steve Jordan gibt es gewissermaßen noch einen Rückkehrer. Vor 15 Jahren habt ihr schon zusammen Grammys gewonnen. Spielte auch da das Element der Vertrautheit eine Rolle?

Robert Cray: Ja, durchaus. Wenn wir mit Steve aufnehmen, ist er gewissermaßen das fünfte Bandmitglied. Er ist sehr praktisch veranlagt, und das gefällt mir sehr. Bei den Aufnahmen ist er immer mit uns im Raum, spielt Congas und gibt uns Anweisungen. Kevin Shirley, der unser letztes Album produziert hat, war da ganz anders, viel zurückhaltender.

GL.de: Im Mai seid ihr auf Tour in Deutschland, rund 125 Konzerte spielt ihr weltweit jedes Jahr. Das ist weit von den Rekordmarken eines B.B. King entfernt, aber dennoch eine Menge. Wie findet ihr das richtige Maß?

Robert Cray: Bei B.B. King ist das etwas anderes. Er ist unterwegs zu Hause. Wir versuchen, das Jahr in zwei Hälften zu teilen. Wir spielen, wie du sagtest, ungefähr 125 Shows im Jahr, und das ist wirklich prima, denn es bedeutet, dass wir alle zwischendurch nach Hause fahren können und Zeit mit unseren Familien verbringen können. Einige von uns haben schulpflichtige Kinder, und es ist einfach wichtig, für sie da sein zu können. Ich weiß das genau, weil mein Vater in der Armee und oft lange Zeit weg war.

GL.de: Du sprichst in deinen Songs auch immer wieder politische Themen an, auf "In My Soul" mit der Nummer "What Would You Say". Auch das Thema Waffengewalt in den USA bewegt dich...

Robert Cray: Ja, die Waffen-Thematik ist etwas, das hier in den USA ein echtes Problem ist, allerdings möchte das niemand so recht ansprechen. Der erste Schritt dabei ist erst einmal, die Menschen zusammenzubringen, denn jeder ist zunächst einmal ein Individuum. Gleichzeitig gibt es aber auch ein Gruppendenken, und schlimmstenfalls liegt die Gruppe bei den Fakten daneben und denkt trotzdem als Gemeinschaft, dass sie auf dem richtigen Weg ist. In puncto Waffengewalt berufen sich die Menschen dann auf den zweiten Verfassungszusatz, auf ihr Recht, eine Waffe zu tragen - ganz egal, wie viele Gewaltverbrechen ringsum geschehen. Dagegen muss dringend etwas getan werden.

Weitere Infos:
www.robertcray.com
de.wikipedia.org/wiki/Robert_Cray
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Jeff Katz-
Robert Cray
Aktueller Tonträger:
In My Soul
(Mascot/Rough Trade)




Robert Cray

 
 

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