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DESIREE KLAEUKENS
 
Alte Wohnung und frische Farbe
Desiree Klaeukens
Eine gefühlte Ewigkeit ist vergangen, seit die Wahl-Berlinerin Desiree Klaeukens im Vorprogramm von Seelenverwandten wie Niels Frevert, Tom Liwa oder Gisbert zu Knyphausen erstmals auf sich aufmerksam machte und Gaesteliste.de vor vier Jahren ihr erstes Interview überhaupt gab. Unlängst erschien nun endlich ihr Debütalbum, "Wenn die Nacht den Tag verdeckt". Dafür hat sie die liebenswerte Schluffigkeit ihrer frühen Soloauftritte gegen mehr performerische Selbstsicherheit und einen wunderbar unaufgeregten Folk-Pop-Bandsound eingetauscht, der mit dezenter 70s-Patina von einer Liebe zu Joni Mitchell oder James Taylor zeugt. Geblieben sind dagegen die unverblümten Texte: kleine Tagebucheinträge, ungeschönt und doch voller Poesie. Sie sind das, was viele andere Singer/Songwriter oft anstreben und selten erreichen: authentisch, direkt und ehrlich. Bevor sie im Mai erstmals als Headliner auf Tour geht, beantwortete sie uns ein paar Fragen.
GL.de: Wo bist du gerade?

Desiree: Ich sitze in meinem Zimmer am Schreibtisch, höre eine Platte von Jim Hall, die mir ein alter Freund gestern beim Kaffee gegeben hat, und wache langsam auf. Die Stimmung ist entspannt, draußen ist es noch frisch, aber die Sonne hat heute ein sehr schönes Licht auf Lager.

GL.de: Wie fühlt es sich an, im Frühjahr 2014 Desiree Klaeukens zu sein, verglichen mit, sagen wir mal, Frühling 2010, als wir unser erstes Interview geführt haben?

Desiree: Inzwischen sind vier Jahre vergangen. In diesen vier Jahren ist sehr viel passiert. Ich bin älter geworden und deswegen etwas weniger grün hinter den Ohren. In manchen Bereichen scheint alles etwas sortierter und aufgeräumter geworden zu sein, in anderen hat sich nichts verändert - aber ich glaube, das ist normal! Immer eins nach dem anderen...

GL.de: Du bist ja vor einigen Jahren nach Berlin gegangen. Inwieweit hatte das auf deine Musik einen Einfluss? Fühlst du dich dort besser verstanden als im Ruhrgebiet?

Desiree: Bisher hab ich mich musikalisch noch nicht unverstanden gefühlt. Deswegen gibt es eigentlich keinen direkten Vergleich. In Berlin ist es leichter, gleichgesinnte Künstler und Musiker zu finden, und gleichzeitig schwerer, das Publikum zu überzeugen. Durch das große musikalische und kulturelle Angebot sind die Menschen oft überfüttert, und meine weniger laute Musik kann deswegen auch schnell mal überhört werden. Berlin ist schön, aber es gibt natürlich auch sehr viele andere inspirierende Orte.

GL.de: "Endlich" ist eins der Wörter, das uns zuerst eingefallen ist, als dein Album bei uns eintraf. Überwiegt bei dir die Freude über die Fertigstellung und Veröffentlichung, oder gab es nach dem doch relativ langen Anlauf auch ein wenig Angst vor dem "Loslassen"?

Desiree: Endlich. Ja, genau. Das dachte und denke ich auch. Dieses "Endlich" bedeutet für mich sehr viel, da es etwas abschließt und neu beginnen lässt. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!

GL.de: Du hast ja immer wieder unterstrichen, dass du die Songs in erster Linie für dich geschrieben hast, sie also eine Art Tagebuch darstellen. Da ja eine Reihe Stücke inzwischen einige Jahre auf dem Buckel haben: Wie hat sich deine "Beziehung" gerade zu den älteren Songs über die Jahre verändert?

Desiree: Das ist sehr unterschiedlich für mich. Allerdings habe ich nicht das Gefühl, dass sie alt sind. Sie entwickeln sich heute noch - vor allem beim Livespielen. Es fühlt sich eher so an, als hätten die Albumaufnahmen alles noch mal neu aufleben lassen. Ein frischer Anstrich, aber immer noch dieselbe Wohnung, sozusagen. Es gibt natürlich Dinge, die ich heute wahrscheinlich anders machen oder beschreiben würde, aber dafür kann man ja dann an ein zweites Album denken!

GL.de: Das Sezieren einzelner Textzeilen überlassen wir lieber anderen. Manche Kollegen machen so etwas ja sehr gerne. Wie fühlst du dich dabei, wenn jemand so dein "Tagebuch" durchstöbert?

Desiree: Ich denke, wenn man sich dazu entschließt, ein Album aufzunehmen und es zu veröffentlichen, sollte man sich nicht wundern, wenn darüber geschrieben und geredet wird - das gehört dazu. Ich finde es gut, wenn sich Menschen mit meinen Bildern und Worten auseinandersetzen. Es gibt viele Mittel und Wege, Gefühle auszudrücken. Meine Absicht ist es, Erfahrungen zu teilen und zu beschreiben. Es freut mich, wenn die Menschen sich mit den Songs identifizieren können und sich angesprochen fühlen.
Es gibt natürlich immer Bewertungen, mit denen man sich nicht wohlfühlt - und damit meine ich nicht unbedingt nur die negativen. Beides übt Druck aus und ich denke, dass man mit der Zeit lernen muss, damit einen gesunden Umgang zu finden und sich nicht zu sehr damit zu beschäftigen. Ich denke, wenn man zu labil ist und sich alles zu sehr zu Herzen nimmt, kann das auch sehr destruktive Auswirkungen haben.

GL.de: Angefangen hast du solo, auf der letztjährigen EP gibt es einige der Album-Songs in feinen Duo-Versionen mit Florian Glässing. War es ein großer Schritt für dich, aus diesen ja oft recht intimen Momentaufnahmen Band-Songs zu machen?

Desiree: Als wir die EP aufnahmen, waren wir bereits im Band-Kontext. Da die Songs auch ohne Band gut funktionieren und wir das Album ohnehin auf das Gerüst unserer zwei Gitarren aufgebaut haben, mussten wir uns bei den EP-Aufnahmen einfach alles andere nur wieder wegdenken - und das hat gut funktioniert! Wir wollten Aufnahmen, die klingen wie an einem Probe-Sonntag in der Küche. Ehrlich, unaufgeregt und ohne Hollywood.

GL.de: Worin besteht aus deiner Sicht der größte Unterschied zwischen den Solo/Duo-Versionen und den Fassungen, die wir nun auf dem Album hören?

Desiree: Die Solo-Aufnahmen sind einfach sehr reduziert, machen klanglich vielleicht etwas weniger Druck, haben dadurch aber eine zerbrechliche Intimität, die ich auch gerne mag. Aber ich freue mich auch sehr auf die Band-Shows, um das Album zu präsentieren. Das ist eben wie auf dem Spielplatz - da hat man ja auch lieber mit Freunden gespielt als alleine. Meistens jedenfalls!

GL.de: Was war für dich die größte Herausforderung bei den Aufnahmen zum Album?

Desiree: Auf Klick zu spielen. Klick bedeutet, dass man ein Metronom auf den Kopfhörern hat, das das Tempo gnadenlos durchhält. Und da ich gerne mal an Geschwindigkeit verliere, musste ich da manchmal wirklich ein bisschen kämpfen. Mittlerweile ist das allerdings auch schon wieder weniger schwer geworden...

GL.de: Niels Frevert hat uns schon vor vier Jahren erzählt, dass er sofort einspringen würde, falls deine geplante Produktion mit Tom Liwa nicht zum Erfolg führen würde. Wie und wann ist es dann eigentlich dazu gekommen, dass Niels und seine Band dir unter die Arme gegriffen haben?

Desiree: Als ich mit Tom Liwa mit den Aufnahmen angefangen habe, wurde mir irgendwann bewusst, dass ich mich noch nicht bereit fühlte und mit mir selbst nicht zufrieden war. Deswegen habe ich die Produktion wieder abgebrochen. Ich wollte nichts veröffentlichen, das mir selbst nicht gefällt. Deswegen lagen die Songs dann wieder auf Eis und ich habe das Thema für eine ganze Weile ausgeklammert. Irgendwann rief mich dann Niels an und fragte, was denn jetzt damit sei und ob ich das nicht endlich mal angehen wollte. So kam dann eins zum anderen.

GL.de: Du hast in letzter Zeit Konzerte nicht nur in den üblichen Live-Musik-Clubs, sondern auch in Wohnzimmern gespielt. Wenn du die Chance hättest, einen Konzertraum zu entwerfen: Wie sähe der perfekte Ort für ein Desiree Klaeukens-Konzert aus?

Desiree: Das wäre ein sehr stiller Ort, ein Raum ohne Tapeten, mit viel Platz zum Schweigen-Können. Er müsste definitiv warm sein, denn ich friere sehr schnell, und ich würde mir alte Lampen wünschen, Holzfußboden, einen Teppich auf der Bühne und meine Band hinter mir.

GL.de: Das Unausweichliche am Ende: Ab Mai bist du mit Band auf Tour - was können wir darüber hinaus von dir erwarten?

Desiree: Wir werden in den nächsten Monaten so viele Konzerte geben wie möglich und ganz viele Erfahrungen sammeln. Ich wünsche mir, dass aus diesem Prozess das zweite Album entsteht und dass ich die Zeit haben werde, daran in Ruhe arbeiten zu können. Ich denke, die Erwartung muss dann die Füße erst mal wieder ein bisschen still halten. Aber sie ist herzlich eingeladen wiederzukommen. Ich werde versuchen, mir mit neuen Neuigkeiten nicht zu viel Zeit zu lassen!

Weitere Infos:
www.klaeukens.de
www.tapeterecords.de/artists/desiree-klaeukens
www.facebook.com/pages/Desiree-Klaeukens/360490444965
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-
Desiree Klaeukens
Aktueller Tonträger:
Wenn die Nacht den Tag verdeckt
(Tapete Records/Indigo)




Desiree Klaeukens

 
 

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