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3 DAYZ WHIZKEY
 
"Der Blues hat uns gefunden"
3 Dayz Whizkey
Mit ihrem vor Kurzem erschienenen dritten Album, "Steam", beweisen die Regensburger 3 Dayz Whizkey, dass authentischer, international konkurrenzfähiger Bluesrock durchaus auch mal aus der bayerischen Provinz stammen darf. Nachdem das Quintett bereits letztes Jahr mit dem Album "Black Water" aufhorchen ließ, verfolgen die Musiker den einmal eingeschlagenen Weg auf ihrer neuen Platte konsequent weiter und erinnern gleich beim Opener an die großartigen Black Crowes. Live im Studio wurde die Platte eingespielt, live auf der Bühne präsentieren sich 3 Dayz Whizkey ab sofort deutschlandweit. Wir sprachen mit dem Herz der Band, Gitarrist Tilo George Copperfield.
GL.de: In der Vergangenheit habt ihr gesagt, dass es für Bluesrock eine gewisse Reife braucht und dass ein paar selbst erlebte Tiefschläge dabei helfen. Heißt das, dass man sich nicht für den Blues entscheidet, sondern der Blues einen findet?

Tilo: Der Blues, der Grundlage ist für unsere Musik, hat uns schon von Anfang an begleitet. Wir sind mit Bands wie den Rolling Stones, CCR, AC/DC und Konsorten groß geworden. Ohne dass wir damals schon wussten, dass wir da eigentlich Bluesrock hören, haben wir uns immer schon instinktiv zu diesem Sound hingezogen gefühlt. Mit der Zeit beschäftigt man sich immer intensiver damit und entdeckt die vielen Nuancen dieser großartigen Musik, ein breites Feld, auf dem wir uns als 3 Dayz Whizkey bewegen, was mir persönlich sehr gut gefällt. Schau dir eine Band wie ZZ Top an: Die haben sich immer wieder neu erfunden und sind so gesehen große Vorbilder für uns. Der Blues hat uns also gefunden und wir brauchten nicht lange zu suchen. Ich würde aber schon sagen, dass eine gewisse "Reife" nicht schadet, um die Musik authentisch spielen zu können und vor allem nicht einseitig zu wirken. Je mehr man erlebt hat, umso mehr Stoff hat man als Songwriter zur Verfügung. In unserer Band haben sich vom Hausbau über Ärger mit der Staatsgewalt bis hin zur Scheidung schon alle möglichen Dramen abgespielt. Da gibt's genügend Storys für fünf weitere Alben (lacht).

GL.de: In einer Rezension zu eurem letzten Album, "Black Water", wurde lobend erwähnt, dass ihr "die Geschichte des Blues und seiner unterschiedlichen Genres geradezu enzyklopädisch vereint". Da denkt man natürlich sofort an Musiker, die meterweise Platten zu Hause stehen haben...

Tilo: Oh Mann, ich bin ein absoluter Record-Junkie. Da ich allerdings schon im Compact-Disc-Zeitalter aufgewachsen bin, habe ich nie wirklich über einen passablen Plattenspieler verfügt, sondern über die Jahre über 2.000 CDs angehäuft. Ich höre also sehr viel Musik und auch mein MP3 Player ist voll von allen möglichen Sachen. Es hat eine Zeit gegeben, da habe ich mich eigentlich nur für alte Sachen interessiert und bin historisch jeden Bluesmusiker durchgegangen, der irgendwann mal eine Platte aufgenommen hat. Daher kommt dann wohl mein breites Verständnis für diese Musik. Dazu kommt noch, dass ich wahnsinnig viel über Musik lese, Biografien, Storys und so weiter. Es fasziniert mich einfach, und da bin ich schon ein bisschen verrückt, was das Thema betrifft. Seit ein paar Tagen rotiert allerdings bei mir größtenteils unser neues Album "Steam" im Player. Es ist sozusagen die Essenz aus allen meinen musikalischen Vorlieben.

GL.de: Auch auf der neuen Platte deckt ihr wieder ein sehr breites Spektrum ab (man denke nur an "Modern Haircut") - gibt es dennoch eine musikalische Grenze, die ihr nicht übertreten würdet, oder ist erst einmal alles erlaubt, solange ihr es euch klanglich zu eigen machen könnt?

Tilo: Yeah! "Modern Haircut" ist eine echt außergewöhnliche Nummer. Aber gerade das finde ich fantastisch. Wir haben uns auch bewusst dazu entschieden, "Haircut" als erste Single auszukoppeln. Jede andere Band hätte sich wohl für eine sichere Bank entschieden, aber wir sind nun mal nicht berechenbar. Auf unseren Live-Gigs sorgt das natürlich für Kurzweil und Abwechslung. Wir möchten unsere Fans immer auf eine kleine Reise mitnehmen. Verschiedene Ausprägungen des klassischen Rocksounds gehören da einfach dazu. Mich persönlich langweilen Gigs, auf denen man beim Heimgehen das Gefühl hat, man hat zwei Stunden lang denselben Song gehört. Das passiert bei uns definitiv nicht. Ich mache mir vor jeder Show sehr intensiv Gedanken über die Setlist. Für uns ist es allerdings wichtig, dass wir die Songs, welche wir im Studio einspielen, mühelos live reproduzieren können. Du hörst auf "Steam" keine Orgel oder Keyboards. Warum? Weil wir auch live keinen Keyboarder dabeihaben. Alles, was du auf dieser Platte hörst, wirst du auch auf unseren Gigs genauso präsentiert bekommen. Das ist dann auch die Grenze, die wir uns zumindest bei diesem Album gesetzt haben. Wir versprechen unseren Fans nichts, was wir dann live nicht halten können. Bei vielen Bands hat sich ja mittlerweile eingebürgert, dass sie sich im Studio diesen unglaublich fetten, übertriebenen Monster-Rocksound zulegen mit zig Gitarrenspuren und getriggertem Schlagzeug plus Backgroundsängerinnen und, und, und. Dann gehst du auf ein Konzert und alles hört sich auf einmal furchtbar "dünn" an. Das ist doch doof, oder?

GL.de: War früher denn alles besser? Wenn ihr eine Zeitmaschine hättet, würdet ihr sofort in die frühen 70er zurückreisen, oder seid ihr trotzdem froh, im Hier und Jetzt zu leben und bei aller Liebe zum Vintage-Equipment auf der anderen Seite auch Handy, eMail und Plasmafernseher zur Verfügung zu haben?

Tilo: Ich liebe das musikalische Vermächtnis der 70er, schätze aber auch sehr die Möglichkeiten der Gegenwart. Über das Internet hat man Möglichkeiten, jegliche Musik zu hören, das war sicherlich früher nicht so einfach. Außerdem ist es nun für Bands wie uns einfacher, Platten zu veröffentlichen. Damals regierten die großen Labels, und der Prozess, Alben zu produzieren und zu vertreiben, war äußerst kostspielig, und man musste über ein spezifisches Netzwerk verfügen. Heute haben sich die Verhältnisse umgekehrt und die Masse muss nicht nur mehr die Musik hören, die ihnen die Major Labels vorsetzen. Das ist genial. Vor allem deshalb, weil sich dort die wenigsten Leute überhaupt für die Musik interessieren, die sie als Produkt auf den Markt werfen. In den 70ern musste man sich Sachen erkämpfen, die für uns heute selbstverständlich sind. Damals hat man diese langhaarigen Hippies mit ihren Stromgitarren kaum ernst genommen. Heute sind wir gesellschaftlich schon um einiges offener geworden, sogar in Bayern (lacht).

GL.de: Ihr legt ein für die heutige Zeit geradezu ungewöhnlich hohes Tempo in puncto Veröffentlichungen vor. Auch das ein Anknüpfen an die alten Zeiten, in denen bisweilen zwei Alben pro Jahr keine Seltenheiten waren? Oder habt ihr einfach mehr Ideen und Energie als die meisten anderen und ist also Album Nummer 4 für 2015 schon eingeplant?

Tilo: Wir wollen 2015 auch wieder etwas veröffentlichen. Aber was das genau wird, überlegen wir uns noch. Wir sind nicht an Veröffentlichungsstrategien einer großen Plattenfirma gebunden, also tun wir das, was wir für richtig halten. Wir hatten einfach das Gefühl, diese Songs müssen so bald wie möglich raus. Außerdem kann ich es mir nicht vorstellen, drei Jahre lang mit denselben Songs unterwegs zu sein. Neue Sachen halten die Band frisch, sowohl für uns als Musiker als auch für das Publikum. Wir haben zwar 17 Songs auf "Steam" untergebracht, allerdings gibt es noch viele Ideen, zu denen wir zeitlich einfach nicht mehr gekommen sind. Das heißt, wir werden uns jetzt nicht auf die faule Haut legen.

GL.de: Was war bei den Aufnahmen der wichtigste Einfluss, der "Steam" in euren Augen von den beiden Vorgängern am stärksten unterscheidet?

Tilo: Für mich als Songwriter war sicherlich Country und Southern Rock einer der wichtigsten Einflüsse. Das hört man stark raus. Den größten Impact auf die Scheibe hatte allerdings die Methode, mit der wir aufgenommen haben. Wir hatten von Anfang an einen Sound, der so klassisch, warm und authentisch war, dass er "Steam" automatisch beeinflusst hat. Jeder in der Band hat sich da zu 100 Prozent einbringen können, und wir haben uns auch die Zeit genommen, die wir brauchten. Wir haben also von Album zu Album immer mehr das Studio als Ort gesehen, in der "magic" passiert. Den Ausdruck "We'll fix that in the mix" haben wir abgeschafft.

GL.de: Anders gefragt: Wonach genau sucht ihr beim Songwriting? Gibt es ein spezielles Ziel?

Tilo: Das Ziel sind zeitlose Melodien, die ins Herz treffen. Wenn ein Song live nicht funktioniert und zündet, dann verwerfen wir die Idee wieder. Alle Songs klingen auch gut, wenn man sie nur mit einer Akustikgitarre und Gesang wiedergibt. Daran erkennst du einen guten Song. Die Riffs und Arrangements arbeiten wir erst dann komplett aus, wenn die Grundstruktur, die Tonart und der Groove stehen. Das ist unsere altmodische Methode, die Geduld und Können voraussetzt. Außerdem bedarf es eines gehörigen Maßes an Selbstkritik und Frustrationstoleranz. Du musst auch mal akzeptieren, dass eine Idee nicht funktioniert. Die Texte sind oft sehr metaphorisch gehalten. Das gibt viel Raum für Interpretationen und jeder kann sich seinen eigenen Reim darauf machen. Auch das macht für mich zeitloses Songwriting aus.

GL.de: Viele deutsche Bands tun sich ja mit der internationalen Konkurrenzfähigkeit schwer. Irgendwie können sie das "Germanische" nicht so richtig abschütteln. Ihr habt damit hörbar überhaupt keine Probleme. Gibt's da ein Erfolgsgeheimnis?

Tilo: Darüber haben wir uns eigentlich noch nie so wirklich Gedanken gemacht. Da wir ja selbst fast ausschließlich nur American Music hören, wissen wir schon, wie sich das anhören muss. Sprachlich ist das sowieso kein Thema bei uns, da wir sehr viel mit englisch sprechenden Leuten umgeben sind. Wir sind damit aufgewachsen und tun das, was sich richtig anfühlt. Außerdem fühlen wir uns als Bayern oft wie die Südstaatler Deutschlands. Das macht für uns auch einen Teil der Attitude aus.

GL.de: Letzte Frage: Was macht euch als Musiker derzeit am glücklichsten?

Tilo: Der schönste Moment ist der, wenn du in einem Konzert merkst, dass die neuen Songs so positiv aufgenommen werden. Wir leben für unsere Musik, und für uns gibt es nicht Größeres, als unsere Fans damit glücklich zu machen. Im letzten Jahr hatten wir überdies die Möglichkeit, mit vielen Helden unserer Jugend wie Pat Travers, Saxon, Michael Schenker oder Udo Dirkschneider die Bühne zu teilen. So was ist natürlich toll, und da läufst du dann wochenlang mit einem breiten Grinsen im Gesicht herum. Ich liebe auch immer noch das Feeling, im Auto zu fahren, und plötzlich kommt unser Song im Radio - was immer öfter vorkommt. Das ist kaum zu toppen - vor allem für uns als absolute Underdogs.

Weitere Infos:
www.3dayz.de
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Pressefreigabe-
3 Dayz Whizkey
Aktueller Tonträger:
Steam
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