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ROGER HODGSON
 
Dankbar für alles
Roger Hodgson
Er war die Stimme von Supertramp - und der Autor praktisch jedes verdammten Hits, den die wohl erfolgreichste Band der späten 70er-Jahre je hatte. Doch der Erfolg und die damit verbundenen Verpflichtungen wurden dem Sänger und Songwriter schon bald zu viel. 1983 nahm er Abschied von seiner Band, um sich erst viele Jahre seiner Familie und in den letzten rund zehn Jahren auch wieder seiner Solokarriere zu widmen. Neue Platten macht der seit Langem in Kalifornien lebende Brite trotz 60 unveröffentlichter Songs in seinem Archiv zwar schon länger nicht mehr, ab 19. Juni 2015 geht er allerdings mit den alten Klassikern wieder auf Deutschland-Tournee und bestreitet diesen Sommer 14 Shows in unseren Breiten. Vorab stand er Gaesteliste.de für ein Interview zu seiner langen Karriere zur Verfügung.
Wer Roger Hogdson heute auf der Bühne erlebt, mag kaum glauben, dass der Brite inzwischen 65 Jahre alt ist. Der Enthusiasmus, die Leidenschaft, mit der er immer noch zu Werke geht, ist wirklich beeindruckend. Zum Teil ist das sicherlich der längeren Auszeit geschuldet, die er sich selbst in den 80ern verordnet hatte, doch er selbst sieht die Gründe eher im Älterwerden selbst. "Ich fühle mich jetzt viel wohler in meiner Haut, als das etwa 1975 der Fall war", erklärt er. "Ich bin davon überzeugt, dass wir mit dem Alter immer besser werden, sofern wir unsere Lektionen lernen, während wir durchs Leben gehen, und ich glaube, dass ich das getan habe. Ich bin jetzt viel zufriedener, mit dem, der ich bin und was meine Motivationen im Leben sind."

Geboren wurde Hodgson 1950 im englischen Portsmouth. Mit zwölf begann er, auf der Gitarre erste Songs zu schreiben, das Klavier kam später dazu, ebenso wie Schlagzeug, Bass und Cello. Erste Soloerfahrungen machte er noch als Teenager, damals begleitet von einem Session Pianisten, der später unter dem Namen Elton John selbst Karriere machen sollte. 1969 gründete er gemeinsam mit Bassist Rick Davies Supertramp, ein Jahr später folgte das erste Album. Schon für das zweite Album schrieben die beiden Köpfe der Band getrennt voneinander. Ein Muster, das für alle weiteren Platten beibehalten wurde, wenngleich als Autoren wie einst bei Lennon/McCartney stets Davies/Hodgson genannt wurden. 1974 wurde dann der Song "Dreamer" aus dem Album "Crime Of The Century" zum ersten Single-Hit - der Aufstieg Supertramps zu einer der erfolgreichsten Bands der 70er-Jahre, die inzwischen rund 60 Millionen Platten verkaufen konnte, hatte begonnen. Als 1979 "Breakfast In America" erschien und sich 20 Millionen Mal verkaufte, war aus Supertramp eine Stadion-Band geworden, der Fans und Medien zu Füßen lagen. "'Breakfast In America' war eine wundervolle Sammlung von Songs. Ich genoss damals mein Leben in Kalifornien als ausgewanderter Engländer in vollen Zügen und wollte eine sonnige Platte machen, die auch Tiefgang hatte", erinnert sich Hodgson. "Mir wurde klar, dass wir mit den Songs, die ich geschrieben hatte - 'The Logical Song', 'Breakfast In America', 'Take The Long Way Home', 'Lord Is It Mine' und 'Child Of Vision' -, und denen, die Rick verfasst hatte - 'Goodbye Stranger', 'Gone Hollywood', 'Oh Darling', 'Casual Conversations' und 'Just Another Nervous Wreck' - auf dem Weg zu einem sehr starken Album waren. Damals, in den Tagen, bevor die Computer alles verändert haben, haben wir alles von Hand abgemischt, und den Mix richtig hinzubekommen, war das Wichtigste. Ich habe damals sechs Wochen lang im Studio geschlafen, um sicher zu gehen, dass wir alles richtig machten."

Interessanterweise ist es dennoch die Frühphase der Band vor den ganz großen kommerziellen Erfolgen, an die sich Hodgson heute am liebsten erinnert, während seine ehemaligen Kollegen nicht müde werden, in Interviews die "Breakfast In America"-Ära als ihre schönste Zeit in der Band zu beschreiben. "Um ganz ehrlich zu sein: Die kompletten 14 Jahre mit Supertramp waren ein einziges Abenteuer und ein Lernprozess, und für mich waren die frühen Tage die einfachsten und echtesten", erklärt Hodgson. "Je erfolgreicher die Band wurde, desto komplizierter wurden die Dinge, und am Ende musste ich einfach eine Pause einlegen - nicht nur von der Band, sondern vom Business als solches. Erfolg ist ein zweischneidiges Schwert und die größte Herausforderung, der sich ein Künstler oder eine Band stellen kann.

Kein Zweifel, trotz des globalen Erfolgs seiner ehemaligen Band, die ihm Ruhm und Reichtum brachte, hat es auch eine ganze Reihe der eingangs angesprochenen Lektionen gegeben, aus denen Hodgson lernen konnte. "Ich werde oft gefragt, ob ich es bereue, Supertramp verlassen zu haben. Ich bedaure lediglich, dass ich in geschäftlicher Hinsicht damals nicht smarter war und nicht für meine Interessen eingetreten bin", verrät er. "Ich war naiv und wurde übervorteilt. Auch wenn viele mir sagen, dass sie den Geist und das Herz von Supertramp in meinen Soloshows erkennen - Tatsache ist, dass der Name Supertramp nun Rick und Sue Davies gehört. Das ist etwas, das ich nicht habe kommen sehen."

Deshalb kann sein alter Partner bis heute den Namen Supertramp kommerziell ausschlachten, während Hodgson als Solist "nur" die vielen, vielen Klassiker geblieben sind, die er damals für die Band geschrieben hat. "Es war ein ziemlich langer Weg, bis die Menschen die Verbindung zwischen meinem Namen und den Songs, die ich geschrieben habe begriffen haben", erzählt er. "Für die meisten sind es Supertramp-Songs, die Rick und ich zusammen geschrieben haben - und wer die Wahrheit nicht kennt, die gemeinschaftlichen Credits sieht und die DJs im Radio von Supertramps-Songs sprechen hört, glaubt das dann. Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass ich früher in geschäftlichen Dingen sehr unerfahren war und mein Manager mir nicht immer den besten Rat gegeben hat."

Roger Hodgson
Auf seiner kommenden Tournee wird Hodgson von seiner vierköpfigen Band begleitet, nachdem er in der Vergangenheit sowohl im Duo als auch mit kompletten Orchestern aufgetreten war. "Ich genieße alle Formate", gesteht er. "Die Duo-Shows mit Aaron Macdonald haben sich über die Jahre zu etwas unglaublich Besonderem entwickelt. Sie sind das Lieblingsformat vieler Leute, weil sie so intim sind und ich die Chance habe, mehr Geschichten zu den Songs und ihren Ursprüngen zu erzählen. Außerdem klingen die Songs dann mehr so, wie sie geklungen haben, als ich sie geschrieben habe. Am anderen Ende des Spektrums ist es immer sehr packend, mit einem Orchester zu spielen. 50 bis 100 Menschen auf der Bühne zu haben, die gemeinsam Musik machen, ist einfach fantastisch. Bestimmte Songs wie 'Fool's Overture', 'Only Because Of You', 'Lord It Is Mine' oder 'If Everyone Was Listening' sind schlichtweg wie gemacht für ein Orchester."

Noch wichtiger als die Besetzung sind natürlich die Lieder selbst. "Es ist wunderbar, eine Menge Songs zu haben, die die Zeit so gut überdauert haben", freut sich Hodgson. "Für mich sind sie wie alte Freunde. Sie sind Teile meines Herzens und meiner Lebenserfahrungen, die ich in den Stücken verarbeitet habe. Musik kann Erinnerungen festhalten wie sonst nichts. Wenn ich auf der Bühne stehe, kann ich an den lächelnden Gesichtern und den Freudentränen bei einigen Zuschauern ablesen, dass die Leute sehr starke Erinnerungen mit diesen Liedern verbinden."

Die 14 Konzerte, die Hodgson diesen Sommer in Deutschland absolviert, finden in den unterschiedlichsten Locations statt. Doch wie sieht eigentlich der perfekte Konzertsaal für ihn aus? "Zuerst einmal ist es ein Venue, das für Musik gebaut wurde - keine Hockeyarena oder ein Fußballstadion", sagt er bestimmt. "Für mich ist die intime Verbindung zum Publikum sehr wichtig. Ich möchte, dass die Zuschauer die Emotionen spüren können, die ich in das Singen dieser Songs investiere. In den meisten Theatern oder Performing Arts Centern trägt die Akustik dazu bei, wundervollen Sound und Atmosphäre zu schaffen. Deshalb sind das die Orte, an denen ich am liebsten spiele. Natürlich spiele ich auch sehr gerne in der Royal Albert Hall in London, die so viel Mystik und Klasse zum Konzertabend beiträgt."

Doch auch wenn seine aktuellen Konzerte und das begeisterte Feedback unterstreichen, dass Hodgson noch lange nicht am Ende seines Weges angekommen ist: Ganz zum Schluss hätten wir trotzdem gerne noch gewusst, wie er den Menschen gerne im Gedächtnis bleiben möchte. "Um ganz ehrlich zu sein, darüber mache ich mir keine Gedanken. Wenn dieses Leben vorbei ist, werde ich zu beschäftigt mit dem nächsten sein, um zurückzublicken", erwidert er. "Ich genieße den Moment und versuche jeden Tag so zu leben, als sei es mein letzter. Gleichzeitig versuche ich jeden Tag mein Bestes zu geben und integer zu bleiben und etwas Nützliches zu tun. Der vielleicht wichtigste Schlüssel im Leben ist allerdings, stets dankbar für alles zu sein, was das Leben mir anbietet."


Weitere Infos:
www.rogerhodgson.com
www.facebook.com/rogerhodgson
Interview: -Simon Mahler-
Fotos: -Rob Shanahan-
Roger Hodgson
Aktueller Tonträger:
Classics Live
(Roger Hogdson Music)




Roger Hodgson

 
 

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