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LITTLE MAY
 
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Little May
Das australische Damentrio Little May gehört zu jener Spezies Musiker(innen), die sich der Segnungen der sozialen Medien und des Internet erfreuen können. So überschritten die Streamzahlen auf Spotify für ihre Debütsingle "Boardwalks" - das zugleich auch der erste Song war, den die Mädels gemeinsam schrieben - soeben die 10 Millionen-Marke. So etwas öffnet natürlich einerseits Türen - z.B. zu den wichtigen Bühnen dieser Welt in der Heimat, in London, New York oder auf europäischen Festivals - aber es verpflichtet auch. Und so beschlossen die drei Musikerinnen nicht nur ihrerseits alles zu geben, als es an die Produktion des Debütalbums "For The Company" ging, sondern sich auch der Mithilfe von Aaron Dessner von The National als Produzenten zu versichern. Heraus kam dabei ein klassisches Dreampop-Album, wie es gelassener, friedfertiger und warmherziger kaum sein könnte.
Was war Hannah Field, Liz Durrett und Annie Hamilton denn selbst am Wichtigsten, als es nach New York ins Studio ging? "Ich denke unser Ziel war es, ein Album zu machen, das eine Geschichte zu erzählen hat", meint Liz Durrett, "also nicht einfach eine Sammlung von Singles. Es sollte die künstlerische Seite von Little May zeigen und dass wir alle zusammen arbeiteten, wozu zum Beispiel auch gehört, dass Annie unser Artwork macht. Und was den Sound betrifft, wollten wir einfach das machen, was am besten für uns ist und gleichzeitig auch zeigt, wer wir eigentlich sind." Das Artwork, das Liz anspricht, zeigt eine Art Paneel, auf dem ziemlich viel Gewusel zu sehen ist. Worum geht es denn da? "Also das ist natürlich im Original sehr viel größer und es zeigt allerlei Szenen aus meinen Träumen und auch meinen Albträumen", erklärt Annie Hamilton, "ich habe das gemalt, als wir in Hudson im Studio waren - an jedem Abend ein bisschen - es gehört also direkt zu den Songs." Gehört das Albtraum-Motiv denn auch zu den Songs selbst? Es ist nämlich so, dass die Texte, die Little May in ihren Songs verwenden, nicht eben besonders eindeutig und konkret ausfallen. "Nicht direkt", schränkt Hannah Field ein, "aber das Album an sich hat schon eine gewisse traumähnliche Qualität, was die Stimmung betrifft und unser letztes Video zu 'Seven Hours' basiert nun tatsächlich auf einem Traum." - "Aber ich möchte noch einwenden, dass persönliche Erfahrungen, wie wir sie in unseren Songs verarbeiten, ja durchaus ziemlich albtraumhaft sein können", gibt Liz Drummond zu Protokoll, "diese Erfahrungen verarbeitet man dann und da ist natürlich nicht alles eitel Sonnenschein."
Worüber singen Little May denn überhaupt? Klassisches Storytelling ist das jedenfalls nicht. "Wir singen mehr über Bilder und Gefühle", erläutert Hannah. "Und ich schreibe über Dinge, die ich verloren habe, oder über Dinge, die ich suche", ergänzt Liz. "Für mich ist das Songwriting eine Art Therapie", wirft Hannah ein, "ich schreibe über etwas, das ich erlebt habe und verarbeite es dann auf diese Weise. Das ist für fast notwendig, würde ich sagen." Das heißt also, dass Little May von ihren persönlichen Erfahrungen ausgehend, ein größeres Ganzes anstreben? "Ja, zumindest auf diesem Album ist das so", meint Hannah, "was die kommenden Alben betrifft, bin ich mir da noch nicht sicher, denn das ist doch alles ziemlich introvertiert, und wir wollen ja schon verschiedene Arten uns auszudrücken, auszuprobieren. Und ich denke ja auch, das wir an einem anderen Punkt unseres Lebens angekommen sein werden, wenn wir neue Songs schreiben - und das sollte sich dann auch in der Art der Texte niederschlagen." - "Momentan sind unsere Songs ziemlich universell", fügt Liz hinzu, "man kann die als Zuhörer eigentlich interpretieren, wie man möchte." Man braucht also gar nicht zu wissen, worüber die Damen singen? "Genau", bestätigt Annie, "es ist alles zur Interpretation freigegeben. Es ist ja sogar so, dass wir drei die Sachen unterschiedlich interpretieren."

Aus welcher Richtung kommen Little May musikalisch? "Hannah und ich kennen uns aus der Schule", erzählt Liz, "ich habe ein wenig Gitarre gespielt und Hannah hat gesungen. Wir waren anfangs auch gar nicht gut - haben uns aber im Laufe der Zeit dann doch weiterentwickelt. Als sich Annie uns dann anschloss, hat die Sache eine ganz andere Dynamik bekommen und wir wurden dann auch schnell zu einer Band. Dazu gehören auch Mark Harding, der Keys und Bass spielt, sonwie Catriona Hunter, unsere Drummerin. Es war nämlich so, dass die Songs, die wir zusammen schrieben, sehr schnell einen größeren Klang brauchten." - "Für uns hat die Sache ziemlich folky begonnen", erinnert sich Annie, "einfach weil nur wir drei auf unseren Akustik-Gitarren anfingen. Wenn wir heute die Songs spielen, dann klingen sie natürlich nicht mehr folky, weil wir ja elektrische Gitarren und Effekte verwenden." - "Unsere musikalischen Einflüsse sind sehr verschieden", erläutert Liz,"ich komme eher aus der klassischen Rock-Ecke - Led Zeppelin und so - die ich über meinen Vater kennenlernte." - "Ich fühlte mich zum Song-Schreiben durch Bruce Springsteen inspiriert", fügt Hannah hinzu,"denn er hat eine so tolle Art, Geschichten zu erzählen. Das geht so weit, dass du erkennen kannst, wenn ich einen Song geschrieben habe, weil ich versuche, das auch zu erreichen." - "Und ich hörte mir früher immer klassisches Zeug an - die Beatles, Rolling Stones oder Bob Dylan", ergänzt Annie, "und heute kommen noch Arcade Fire, Animal Collective oder Sufjan Stevens hinzu. Ich liebe gute Melodien und versuche das dann auch in unserer Musik zum Ausdruck zu bringen."

Das interessante an den Songs von Little May ist der Umstand, dass sich hier strukturell die Grenzen zwischen Strophen und Refrainen aufzulösen scheinen. Ist das ein bewusst so angelegt? "Es war definitiv nicht unser Ziel, das zu tun", räumt Liz ein, "wie Annie aber schon sagte, sind uns Melodien und die Phrasierung wichtig. Und unsere Art zu schreiben ist die, kleine, verschiedene Stücke zusammenzufügen und dann mal zu sehen, was passiert. Manchmal geht das, und manchmal nicht - aber am Ende entsteht dabei eben unser Stil. Es sollte dabei jeder Bestandteil auch Bestand für sich haben. Ich weiß nicht, ob es am Ende immer deutlich wird - aber das ist unser Ziel." Liz spricht die Phrasierungen an: Gilt das auch für die Wortwahl und den Klang der Worte? "Nicht direkt", meint Hannah, "Liz ist ganz gut darin, solche Zusammenhänge herzustellen - aber ich denke über so etwas nicht nach. Ich denke, es kommt auf die Mischung an." - "Worüber wir aber nachdenken, ist, ob eine bestimmte Partie mehr oder weniger Worte benötigt", erläutert Annie, "und darauf achten wir dann, wenn wir die Texte schreiben." Wie entstand denn überhaupt das typische Little May-Sound-Design? Selbst bevor die Mädels mit Aaron Dessner zusammen arbeiteten, hatten sie ja schon einen gewissen musikalischen Stil? "Also mit Aaron war das so", erzählt Annie, "wir hatten eine Traumliste für Produzenten des Albums und Aaron war ganz oben auf dieser Liste, da wir alle National-Fans sind. Unser Manager kontaktierte also seinen Manager und er hat darauf tatsächlich geantwortet und gemeint, dass er Interesse hätte." Angesichts dessen ist es Little May gar nicht hoch genug anzurechnen, dass sie ihr Album nicht in der Art eines National-Werkes angegangen sind, sondern einen ganz eigenen musikalischen Stil entwickelten. "Das ist sehr nett, dass du das sagst", meint Hannah, "aber haben das alles gar nicht so genau geplant. Wir sind einfach ins Studio gegangen und hatten ein ganzes Album dabei im Kopf. Wir hatten eine Handvoll düsterer rockiger Songs, die wir aber verworfen haben, weil Aaron vorgeschlagen hatte, die ganze Sache ein wenig leichter anzugehen. Das stellte sich als ganz guter Kompromiss heraus, denn wir hätten ohne Weiteres in die rockige Richtung gehen können. So wurde der Sound aber am Ende ein wenig verträumter - was eine gute Sache ist. Wir wollten ja Aarons Input - es sollte aber nicht wie ein Album von The National klingen. Ich denke aber, man kann seinen Einfluss dennoch heraus hören." Dabei hatten Little May ja bereits vorher eine eigene Note. "Eigentlich haben wir gar nicht versucht, etwas Besonderes zu machen", schränkt Liz ein, "unser Stil kommt einfach daher, wie wir zusammen arbeiten. Wir haben aber immer unsere Demos und Home-Recordings selbst produziert." - "Ja, wir haben uns immer schon überlegt, welche Rolle die Drums spielen sollten, wie der Bass zu klingen habe, welche Synthies wir verwenden", ergänzt Annie, "der Sound ist schon immer wichtig für uns gewesen."

Was macht am Ende einen guten Song aus? "Das ist für uns alle unterschiedlich", erklärt Liz, "ich muss eine bestimmte emotionale Bindung zu den Texten haben. Deswegen achte ich besonders auf die Texte." - "Ich suche nach starken Melodien und höre mir an, wie alles zusammenpasst", sagt Hannah, "Akkordfolgen sind dabei nicht so wichtig. Worauf es mir ankommt, ist die Basis, die Struktur und die Melodien." - "Ich brauche auch einen emotionalen Bezug zu den Songs", fügt Annie hinzu, "aber nicht notwendigerweise zu den Texten. Ich höre weniger auf die Texte, als die Sounds oder Stimmungen. Wenn die Musik funktioniert bin ich glücklich." Wie geht es weiter mit Little May? "Es gibt eine Menge Herausforderungen", überlegt Hannah, "und die größte ist Momentan die Frage, was wir als nächstes Machen sollen. Ich glaube allerdings, dass wir da nicht zu viel drüber nachdenken sollten, weil das zu viel Druck aufbaut und man die besten Sachen schreibt, wenn man ohne Druck arbeitet. Zusammen zu arbeiten ist schwierig genug - es ist aber doch eine der Sachen, die am Ende am befriedigendsten ist." Nun ja: Zunächst mal müssen Little May ja auch erst mal ihre aktuelle CD "abarbeiten". Dass sie eine freilich eine vielversprechende Laufbahn vor sich haben, dürfte außer Frage stehen.
Weitere Infos:
www.littlemaymusic.com
www.facebook.com/littlemaymusic
Interview: -Ullrich Maurer-
Foto: -McLean Stephenson-
Little May
Aktueller Tonträger:
For The Company
(Universal)




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