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SAVAGES
 
Bloß nicht zu viel nachdenken!
Savages
Vor zwei Jahren waren Savages mit ihrem famosen Debüt "Silence Yourself" der Hype der Saison, doch mit ihrem nun erscheinenden Zweitwerk unterstreichen die vier Musikerinnen aus London, dass sie gekommen sind, um zu bleiben. Mit "Adore Life" haben Jehnny Beth (Gesang), Gemma Thompson (Gitarre), Ayse Hassan (Bass)und Fay Milton (Schlagzeug) ein Album an der Schnittstelle von Art-Rock, Post-Punk und Psychedelic Rock aufgenommen, das nicht nur wegen Jehnnys stimmlicher Nähe zu Siouxsie Sioux bisweilen ein bisschen altmodisch, aber nie altbacken klingt. Mit beeindruckender Durchschlagskraft und dem Willen, ihr Publikum zu inspirieren, um aktiv zu werden, klingen die vier auf ihrem zweiten Album vertraut und doch neu, oder wie sie selbst über die Platte sagen: "It's about change and the power to change. It's about metamorphosis and evolution. It's about sticking to your guns and toughing it out. It's about now, not tomorrow. It's about recognizing your potential. It's about self-doubt and inaction. It's about you. It's about me. It's about you and me and the others. It's about the choices we make. It's about finding the poetry and avoiding the cliché." Anders gesagt: "Adore Life" ist ein Tritt in die Magengrube, der dennoch Glücksgefühle heraufbeschwört.
"Man muss einfach das finden, was für einen funktioniert, und dann so hart wie möglich daran arbeiten", erklärt Bassistin Ayse Hassan lachend das simple Erfolgsrezept ihrer Band, als wir sie Anfang Januar daheim in London erreichen. Tags darauf fliegt sie mit der Band nach Los Angeles für sogenannte "Production Rehearsals" und für Promotion. "Ab morgen bin ich also voll ausgelastet", sagt sie lachend. Keine Frage, Savages haben einen weiten Weg zurückgelegt für eine Band, die vor zwei, drei Jahren noch in Bars und kleinen Clubs spielte und nun in der Sonne Kaliforniens hinter verschlossenen Türen für die neue Bühnenshow probt. Trotzdem ist die Bassistin überzeugt, dass sich eigentlich nicht viel geändert hat, seit mit dem Debütalbum "Silence Yourself" im Frühjahr 2013 der ganz große Rummel losgegangen ist. "Von außen betrachtet sieht das sicher anders aus, aber für mich ist alles, was ich tue, so normal, dass ich keinen großen Unterschied sehe", gesteht sie. "Ich mache Musik, seit ich 16 bin, und Savages beschäftigen mich jetzt auch schon mehr als drei Jahre. Jeder Tag hat Höhen und Tiefen, und es gibt dabei so wenig Struktur, dass es fast unmöglich ist, Vergleiche anzustellen."

Das Besonders der Band ist seit ihren frühesten Tagen, dass sie einerseits sehr klare Visionen für ihre Musik und ihr Auftreten hat, andererseits aber auch immer wieder betont freigeistig agiert. Doch wie bringt das Quartett diese Gegensätze unter einen Hut? "Das schaffen wir, indem wir nicht zu viel darüber nachdenken!", erwidert Ayse. "Wir vier sind alle sehr verschieden und jede von uns geht die Dinge auf ganz eigene Weise an. So sorgen also allein unsere Persönlichkeiten für dieses Spannungsfeld, das du gerade beschrieben hast. Wir vertrauen stark auf unsere Instinkte und wollen das machen, was für uns selbst richtig ist. Das bezieht sich auf unsere Musik genauso wie auf die Leute, mit denen wir zusammenarbeiten, und wie wir uns selbst präsentieren."

Trotzdem haben Savages im Vorfeld der Aufnahmen für "Adore Life" nicht allein darauf vertraut, dass sich im Studio alles zum Guten wenden wird. An einigen entscheidenden Stellen wählten die vier Britinnen neue Herangehensweisen, um sich selbst herauszufordern. War der Erstling noch größtenteils live im Studio aufgenommen worden, spielten die Damen dieses Mal ihre Instrumente einzeln ein. "Das war eine bewusste Entscheidung aufgrund unserer Erfahrungen mit den Aufnahmen des ersten Albums", unterstreicht Ayse. "Unser Debüt war ein klanglicher Schnappschuss. Es ging uns damals vor allem darum, zu dokumentieren, an welchem Punkt sich Savages nach anderthalb Jahren des Live-Spielens befanden. Genau das wollten wir auf Platte bannen. Dieses Mal haben wir die Songs von Grund auf im Studio geschrieben. Dabei ist uns schnell klar geworden, dass wir mehr Freiraum für Experimente haben würden, wenn wir alle Instrumente separat aufnehmen. Dadurch konnten wir jedem einzelnen Instrument mehr Zeit widmen, mit verschiedenem Equipment experimentieren und uns so dem Sound nähern, der uns wirklich vorschwebte." Zwar ist "Adore Life" keine fröhliche Platte geworden - dazu sind Savages vermutlich einfach viel zu künstlerisch veranlagt -, trotzdem merkt man ihrer Bassistin selbst im Interview noch den Spaß an, den das Quartett bei seiner Entdeckungsreise im Studio gehabt hat. Ayse lacht viel, wenn sie über den Arbeitsprozess redet, und ist hörbar zufrieden mit den Ergebnissen.

Auf dem Weg zum zweiten Album haben sich Savages auch gleich mehreren Kollaborationen gewidmet. In Zusammenarbeit mit Bo Ningen aus Japan entstand das Album "Words To The Blind", und eine gemeinsame Performance mit A Dead Forest Index aus Neuseeland im Londoner Barbican Centre erschien Ende letzten Jahres als limitiertes Live-Album. "Die Kollaborationen kamen zustande, weil wir alle der Meinung sind, dass es wichtig ist, zu experimentieren, sich in ungewohnte Situationen zu begeben und etwas Neues auszuprobieren", erklärt Ayse. "Sich in einer neuen Umgebung wiederzufinden, in der man sich anfangs vielleicht noch nicht so recht wohlfühlt, kann zu sehr interessanten Ergebnissen führen. Unser Projekt mit Bo Ningen war zum Beispiel sehr spannend, weil wir wissen wollten, wie wir mit einer anderen Band zusammenarbeiten könnten, vor allem einer, die so freigeistig ist. Für gewöhnlich kommen sie nämlich einfach auf die Bühne und jammen. Das hat uns alle etwas eingeschüchtert, aber trotzdem war es gut, dass wir uns dem gestellt haben, weil wir dadurch gezwungen waren, auf eine ganz andere Art Songs zu schreiben."

Doch auch wenn die Lieder für "Adore Life" erst im Studio Gestalt annahmen - ganz wollten Savages dann doch nicht auf den Test vor Publikum verzichten. Während der Entstehungsphase der neuen Platte buchten sie deshalb gleich neun Konzerte in New York City, bei denen sie ihr "work in progress" erstmals der Öffentlichkeit präsentierten. "Wir hatten das Gefühl, dass wir uns als Band nur selbst gerecht werden konnten, wenn wir die Stücke vor dem Ende der Aufnahmen auf die Bühne bringen", sagt Ayse. "Schließlich werden wir die Stücke für die absehbare Zukunft jeden Abend spielen. Bei den Konzerten in New York ging es allerdings nicht darum, ein Feedback des Publikums einzuholen. Wir hatten eher im Sinn, die Besucher der Shows am Prozess teilhaben zu lassen, indem wir sie dabei zuschauen lassen, wie wir auf der Bühne Risiken eingehen, weil wir die Songs letztlich erst während der Konzerte fertiggestellt haben. Deshalb klangen die Lieder ja auch jeden Abend ein bisschen anders, und diejenigen, die mehrere Auftritte besucht haben, konnten mitverfolgen, was sich vom ersten bis zum letzten Abend verändert hat."

Die Erfahrungen der Konzerte in New York haben auf "Adore Life" ebenso Spuren hinterlassen wie die bereits erwähnten Kollaborationen und die drei Jahre des unablässigen Live-Spielens, die den Aufnahmen des neuen Albums vorausgingen. "All das hat dazu geführt, dass wir uns menschlich ziemlich verändert haben und als Band viel, viel stärker geworden sind - und das müssen wir auch sein!", sagt Ayse lachend. Dass sich die Chemie innerhalb der Band verändert hat und die Rollen inzwischen klarer verteilt sind, glaubt die Bassistin allerdings nicht: "Es dreht sich eher darum, wie wir damit umgehen, wenn man mit einer größeren Gruppe Menschen auf Tour ist - schließlich gibt es neben der Band auch noch die Crew -, und wie wir dafür sorgen, dass wir gesund genug leben, um jeden Abend auf der Bühne unser Bestes geben zu können. Die lange Zeit auf Tour hat uns gelehrt, was wir tun müssen, um das zu erreichen. Einige von uns haben deshalb das Trinken und das Rauchen aufgegeben und insgesamt ihr Leben etwas umgestellt, denn auf Tour zu sein ist schon heftig."

Verändert sind auch die Texte der neuen Platte. "Most of all it's about love, every kind of love. Love is the answer”, schreibt die Band im Waschzettel des Labels. Angst davor, dass sich einige Fans ob dieser neuen Perspektive von Savages abwenden, hat Ayse allerdings nicht, wie sie abschließend verrät: "Die Leute können aus den Texten ziehen, was immer sie wollen, und sie für sich selbst interpretieren. Das finde ich sehr wichtig. Es gibt viele Platten, die ich in bestimmten heftigen Momenten meines Lebens gehört habe und aus deren Texten ich Dinge gezogen haben, die bestimmt überhaupt nichts mit dem zu tun hatten, was die Künstler dazu im Kopf hatten. Das ist aber auch egal, solange mich der Song oder die Platte durch eine schwere Zeit gebracht hat. Wenn jemand in einem Text etwas findet, das für ihn richtig ist, ist das doch großartig!"

Weitere Infos:
www.savagesband.com
www.facebook.com/savagestheband
twitter.com/Savagesband
www.instagram.com/savagesband
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Pressefreigabe-
Savages
Aktueller Tonträger:
Adore Life
(Matador/Beggars Group/Indigo)




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