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NAP EYES
 
"Man sollte sich nie von seinen Lieblingsbands abwenden"
Nap Eyes
Sie finden das Perfekte im Unperfekten, sind sensibel und feingeistig und scheuen sich trotzdem nicht, ihre Songs herrlich unpoliert und naturbelassen klingen zu lassen: Das oft etwas eigenbrötlerisch daherkommende Quartett Nap Eyes aus Halifax in der kanadischen Provinz Nova Scotia ist die etwas andere Indierock-Band. Nach dem in Connaisseur-Kreisen viel geliebten Erstling "Whine Of The Mystic" erschien vor wenigen Wochen das Zweitwerk "Thought Rock Fish Scale", auf dem uns Mastermind Nigel Chapman und die Seinen intelligente, herrlich unaufgeregte Indierock-Songs für introvertierte Musikbesessene kredenzen. In der letzten Maiwoche werden Nap Eyes nun erstmals überhaupt für Konzerte nach Deutschland kommen und in Leipzig, Schorndorf, Düsseldorf und Hamburg auftreten.
Kein Zweifel, Nap Eyes sind die Art von Musikern, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als mit den Kopfhörern auf den Ohren jede nur erdenkliche Art von Musik zu hören und all ihre Einflüsse dann später im Proberaum in eigene Songs fließen zu lassen. Denn eines ist sicher: Nap Eyes haben keine Angst davor, zu ihren Einflüssen zu stehen. Ihre Platten sind das Ergebnis von fast schon fanatisch zu nennendem Fantum, und dabei offenbaren die Kanadier vor allem ein Herz für Bands, die man gemeinhin als Kritikerlieblinge bezeichnet, Bands, die kommerziell nie die Erfolge erzielt haben, die sie eigentlich verdient gehabt hätten. Hört man die Lieder von Nap Eyes, ist der raue, ungelenke Charme von The Velvet Underground und Pavement allgegenwärtig, man fühlt sich an den subtilen Jangle-Pop von The Clean oder den Go-Betweens erinnert, und in den bisweilen etwas verqueren, aber stets klugen, ja, bisweilen geradezu literarisch wertvollen Texten über Freundschaft, Glauben, Sterblichkeit und Selbstzweifel scheinen Jonathan Richman und seine Modern Lovers durch. Während andere Bands stets auf ihre (angebliche) Eigenständigkeit pochen, gehört das bunte Sammelsurium an hörbaren Einflüssen bei Nap Eyes zum Konzept. "Für uns ist das völlig natürlich", bestätigt Nigel, als wir ihn nach dem Auftritt seiner Band im Brüsseler Botanique zum Interview im Regen treffen. "Man sollte sich nie von seinen Lieblingsbands abwenden, denn man sollte sich immer daran erinnern, wo man herkommt, an seine Wurzeln. Man darf seine kulturelle Identität nicht vergessen!"

Diese Grundhaltung bestimmt auch das neue Album der Band, das die Band in nur vier Tagen komplett live und ohne Overdubs mit einer "temperamentvollen" alten Bandmaschine aufgenommen hat. Der Sound ist echt und natürlich, aber im Vergleich zum Debüt dieses Mal deutlich gedämpfter. Nap Eyes fangen ihre Hörer mit viel Understatement ein anstatt mit "Look at me"-Attitüde. Kein Wunder: Wurde "Whine Of The Mystic" noch zu nachtschlafender Zeit in Montreal eingespielt, entstand "Thought Rock Fish Scale" tagsüber in einem Wohnzimmer in einem sonnigen kleinen Ort an der Küste Nova Scotias. "Die Platte klingt, wie sie klingt, weil der ganze Aufnahmeprozess sehr relaxt war und es dort, wo wir das Album aufgenommen haben, sehr still war", bestätigt Nigel. Doch das war noch nicht alles. Die Angst vor dem "schwierigen" zweiten Album, die schon so manche Band in eine künstlerische Sackgasse getrieben hat, verspürten Nap Eyes nicht. "Unsere zweite Platte zu machen ist uns leichter gefallen, als oft angenommen wird, ganz einfach, weil praktisch niemand unser erstes Album gehört hat", erklärt der Sänger und Gitarrist. "Wir hatten keinerlei Druck, weil wir keine Erwartungen erfüllen mussten. Deshalb war es sehr leicht für uns, einfach das zu tun, wonach uns der Sinn stand. Das ist das Schöne daran, dass du keine Aufmerksamkeit bekommst! Gleichzeitig bist du natürlich auch ein bisschen frustriert, und fragst dich, warum niemand deine Musik hört, aber die Musikindustrie heute ist natürlich unberechenbar."

Für diese Unberechenbarkeit wird immer wieder gerne das Internet verantwortlich gemacht, dabei ist der technische Fortschritt für Nigel und seine Mitstreiter definitiv ein Segen gewesen. Schließlich liegt ihre Heimatstadt Halifax zwölf Stunden von der nächstgrößeren Stadt, Montreal, entfernt und Künstler jeglicher Couleur verirren sich deshalb nur selten in die Region. "Im Goldenen Zeitalter des Internets sind alle möglichen Formen von Kunst für jeden zugänglich, selbst wenn man in einer abgelegenen Gegend wohnt", erklärt der Frontmann. "Man kann sich heute deshalb eine ganze Menge über Kunst selbst beibringen."

Man kann, aber man muss auch, wie Nigel aus eigener Erfahrung weiß. "Wenn du in einer abgelegenen Stadt wohnst, in der es keine künstlerische Community gibt, fühlst du dich schnell einsam und isoliert und fragst dich, wie deine Sachen je ein Publikum erreichen sollen. Gerade wenn du von Selbstzweifeln geplagt wirst, ist es wichtig, dass du Gleichgesinnte hast, an denen du dich orientieren kannst", verrät er. "Wenn du die dann findest, ist das eine große Sache!" Bei Nap Eyes hat es funktioniert, und deshalb sind sie (nicht nur) für ihr Label Paradise Of Bachelors "die beste Band, die du nie gehört hast".

Weitere Infos:
napeyes.bandcamp.com
www.facebook.com/Nap-Eyes-201393809940182
www.paradiseofbachelors.com/category/artist/nap-eyes
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Carolyn Hirtle-
Nap Eyes
Aktueller Tonträger:
Thought Rock Fish Scale
(Paradise Of Bachelors/Cargo)




Nap Eyes

 
 

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