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MILES
 
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Miles
Miles - das sind Tobias (Gesang, Gitarre), Rene (Bass), Gilbert (Gitarre, Keyboards) und Andreas (Drums), und sie kommen aus Würzburg. Nun gut, das ist ja alles nicht so weltbewegend, dafür ist es ihre Musik umso mehr. Derjenige, der sich auch mal für nicht so bekannte Bands interessiert, wird die Miles sicherlich schonmal irgendwann, irgendwo ab 1992 gesehen haben und sich gedacht haben: "Wahnsinn! Warum kennt die eigentlich keiner, und warum gibt denen eigentlich keiner einen Plattenvertrag?!?". Jetzt haben sie einen - was aber auch relativ lange gedauert hat, denn 1994 haben sie erstmal ihr erstes Album "Baboon" selbstproduziert und -finanziert. "Baboon" war noch recht rockig, wohingegen ihr Debut auf V2 Records "The Day I Vanished" weiter in die Pop-Ecke geht und vor allem absolut selbstbewußt klingt. Zu recht, wie ich finde, aber lassen wir doch mal Tobias und Rene ein paar Worte dazu verlieren...
Tobias: Aufgenommen haben wir das Album in den Weilheimer Uphon-Studios mit Mario Thaler und O.L.A.F. Opal, die auch schon Sachen für The Notwist und Naked Lunch gemacht haben. Wir hatten schon im Proberaum eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie die Songs klingen sollen, und O.L.A.F. war da auch schon dabei. Es war also nicht so, daß die beiden versucht haben, uns in unsere Songs reinzureden, sondern es war mehr eine sehr produktive Zusammenarbeit. O.L.A.F. hatte sicherlich den roten Faden, damit das Album in sich schlüssig ist, aber es war auf keinen Fall diese klassische Produzentenarbeit.

Was sich sehr positiv auf das Album ausgewirkt hat, denn diese Mischung aus den kurzen Pop-Knallern und den eigentlichen Wurzeln der Band, nämlich auch mal einen guten Rock-Song zu spielen, funktioniert einfach perfekt. Wenn man die beiden Platten vergleicht, bekommt man den Eindruck, daß die Miles inzwischen sehr selbstbewußt geworden sind, denn auf "The Day I Vanished" ist z.B. die Stimme sehr weit vorne...

Tobias: Zwischen den beiden Platten liegen immerhin vier Jahre, und in dieser Zeit haben wir sehr viel an unserem Stil gearbeitet, und vor allem auch daran, die Song-Strukturen zu verfeinern, Dinge auszuprobieren. Dadurch haben wir sehr viel dazugelernt, und sind insgesamt auch besser eingespielt und wissen, was wir können. Mit den Songs, die wir nach "Baboon" aufgenommen haben, waren wir irgendwie nie so richtig zufrieden. Sie waren zwar okay, aber so richtig überzeugt davon, daß es das jetzt ist, waren wir nie.

Rene: Wir hatten auch keine Vorstellung davon, wie wir das auf der Platte umsetzen sollten. Wichtig für uns ist auch, daß die Songs live funktionieren - wenn ein Song live nicht so gut kommt, arbeiten wir weiter daran oder lassen ihn erstmal fallen.

Tobias: Auf der neuen Platte haben wir unsere Vorstellung aber jetzt zum ersten mal so umsetzen können, wie wir das geplant hatten.

Ist durch diese lange Wartezeit auch das Song-Writing leichter geworden?

Tobias: Nein, eher im Gegenteil, es wird immer schwieriger! Man will ja immer weiter kommen, neue Sachen ausprobieren, und wenn man Gitarre spielt, ist man natürlich immer auf der Suche nach neuen Griffen, um die Stimmung weiter auszubauen.

Rene: Das Song-Writing innerhalb der Band ist aber insgesamt einfacher geworden, eben dadurch, daß wir jetzt schon seit sechs Jahren zusammen spielen. Meistens kommt Tobias mit einer ersten Idee, und dann arbeiten wir alle daran weiter, und vieles ergibt sich dann durch das Zusammenspiel. Inzwischen wissen wir ziemlich genau, was wir wollen und wie die Songs klingen sollen.

Weiterhin in Würzburg zu bleiben wollen sie anscheinend auch - Gilbert und Tobias hatten eine Zeit lang in Köln studiert, sind dann aber wieder zurück nach Würzburg gegangen. Ist das nicht ein Unterschied wie Tag und Nacht?!?

Tobias: Was Konzerte betrifft ist es sicherlich ein großer Unterschied, aber wir haben festgestellt, daß es in Würzburg auch schön ist, denn man hat dort seine alten Freunde und man kennt eigentlich alles, und da ich nicht so der Typ bin, dem es leicht fällt, rauszugehen um neue Leute kennenzulernen, ist das einfach angenehmer dort. Es ist alles sehr familiär und das genießen wir auch.

Wie kommt denn nun eine Band aus Würzburg an einen Platten-Vertrag mit V2 Records aus Berlin? Über den klassischen Weg des Demo-Band-Verschickens und Absagen-Ertragens?

Tobias: Das haben wir natürlich auch alles gemacht, aber mit V2 war das ein wenig anders. Patrick Orth, der jetzige Geschäftsführer von V2, kannte uns schon seit 1993, als wir unsere erste E.P. "Manana" herausgebracht hatten, und er war der einzige, der darauf reagierte (er war damals bei Virgin beschäftigt), aber damals noch nichts machen konnte. Jetzt hat er uns mal wieder irgendwo live gesehen, und war sehr erstaunt und erfreut darüber, daß es die Miles noch gibt, und dadurch sind wir dann zum Vertrag gekommen.

Was sich für V2 auf jeden Fall lohnen sollte, denn die gerade erschienende CD "The Day I Vanished" ist einfach das geworden, was die Miles sind: Großartige, gitarrenorientierte Pop-Musik. Hier folgen Pop-Perlen auf Pop-Perlen, die auch demnächst live zu bewundern sind. Ein Video zu "Pretty Day" soll es auch noch geben, und wenn noch jemand ein paar Platten zu verkaufen hat, Tobias sucht alle Beach Boys Original-Platten auf Vinyl ("Und nicht diese Drecks-Compilations" - Tobias) und Rene sucht alles, was von Elvis jemals erschienen ist - auch die Hawaii-Songs!

[Erstveröffentlichung in Gästeliste #2, Oktober 1998]

Weitere Infos:
www.miles-music.net
Interview: -David Bluhm-
Foto: -Pressefreigabe-

Aktueller Tonträger:
The Day I Vanished
(V2)


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