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STEPHEN MALKMUS
 
Jick out the jams, motherfuckers!
Stephen Malkmus
Das selbstbetitelte Album, das dieser Tage auf Domino erscheint, ist vielleicht das erste Solo-Werk von Stephen Malkmus, aber natürlich ist er nicht völlig alleine unterwegs. Obwohl die vieldiskutierte Trennung seiner letzten, vielgeliebten Band Pavement erst wenige Monate zurückliegt, hat er sogar schon wieder eine richtige Band namens Jicks auf die Beine gestellt. Mit dabei sind der Trommler John Moen (alias Johnny Jick) und Bassistin JoJo Jick, ihrer Mutter bekannt als Joanna Bolme. Das Album ist ohne Zweifel das beste, was Malkmus seit Jahren fabriziert hat, und zeigt deutlich, dass Pavement am besten wohl schon vor ihrem ziemlich enttäuschenden letzten Album und der folgenden gähnend langweiligen Tour die Gitarren an den Nagel gehängt hätten. Jetzt ist Stephen aber wieder voll da und verabschiedet sich mit seinem neuen Album ein Stück weit vom Indiecore Pavements und zeigt Interesse für einen leicht 70er-orientierten Rocksound, der trotzdem noch Stephens Markenzeichen, seinen immer leicht quengelnden Gesang und sein exzellentes Gitarrenspiel, in den Vordergrund stellt. Ab Februar gehen Jicks auf große Tournee und werden dabei neben dem neuen Album auch einige brandneue Songs, Coverversionen und vielleicht auch zum Schluss noch was von Pavement spielen, "damit wir aus der Stadt rauskommen, ohne verprügelt zu werden", wie Stephen scherzhaft meint. Davor jedoch stand Stephen der Gästeliste noch für ein Interview in Köln zur Verfügung. Da wir ihn davor zuletzt beim Elliott Smith Konzert in seiner neuen Heimatstadt Portland, Oregon, getroffen hatten, lautete die erste Frage:
Gästeliste: Warum ausgerechnet Portland?

Stephen: Ich habe davor in New York City gelebt und hatte dort Gründe zu gehen. Ich hatte es ganz einfach satt, in dieser verrückten Stadt zu leben, und außerdem war gerade meine Beziehung in die Brüche gegangen. Ich wollte einfach wieder frei sein. Ich habe Portland immer schon gemocht, vor allem wegen des Klimas und weil die Stadt nicht so groß ist, auch wenn sie derzeit rasant wächst und das nicht gerade von Vorteil ist. Trotzdem ist das Leben dort noch recht billig und ziemlich mellow. Mit diesem Album manifestiert sich dieser Schritt nun. Die Platte handelt zwar nicht direkt von Portland, aber der Einfluss kommt durch die Leute, die daran mitgearbeitet haben, zustande. Die Leute, die du in Portland kennenlernst, sind alle irgendwie im Musik-Business, denn das sind die einzigen über 30, die überhaupt noch zu Konzerten gehen (lacht). Dort gibt es noch ein echtes Underground-Feeling und es gibt ein wirkliches Gemeinschaftsgefühl. Dort ist es nicht so wettbewerbsorientiert wie vielleicht in L.A. oder auch Chicago, wo jeder über jeden hinter dem Rücken schlecht redet, man aber nett zueinander ist, wenn man sich gegenübersteht.

Gästeliste: Ist Jicks jetzt deine neue feste Band, oder ist das mehr eine Ein-Album-und-vielleicht-noch-eine-Tour-Konstellation?

Stephen: Ich sehe die Besetzung schon als permanente Lösung an, obwohl das schwer zu sagen ist zum jetzigen Zeitpunkt. Für die Platte haben wir uns für Stephen Malkmus und nicht Jicks entschieden, weil ich vermeiden wollte, dass alles in festgefahrene Bahnen kommt und jeder nur eine bestimmte Rolle zu spielen hat. Ich möchte vermeiden, dass John sauer ist, wenn mal bei einem Song kein Schlagzeug dabei ist. Er kann dann vielleicht Gitarre spielen oder nur an den Shakern beteiligt sein. Ich wollte sicherstellen, dass es so funktioniert, und das ist bei einer normalen Band meistens nicht der Fall. Pavement waren ein gutes Beispiel dafür. Solange wir flexibel bleiben, bin ich loyal. Ich plane auf jeden Fall, auch die nächste Platte mit John und Joanna zu machen.

Gästeliste: Du hast dir für dein neues Projekt ziemlich kultige Gestalten ausgesucht. Besonders Joanna ist als Schreiberin bei "Tape Op", als Musikerin von Calamity Jane und The Spinanes und als Tontechnikerin der frühen Elliott Smith Alben nicht gerade eine Unbekannte.

Stephen: Stimmt. Sie ist auch Elliotts Ex-Freundin, die Elliott-Fans dürften sie also kennen. Ich rede allerdings nie über Elliott mit ihr, denn ich glaube, sie versteht sich nicht mehr besonders gut mit ihm, seitdem sie sich getrennt haben. Sie spielt auch noch in der Indieband The Minders aus Portland. Sie hat eine Tour mit ihnen abgesagt, um in meiner Band spielen zu können, das war nicht so toll und deswegen hab ich ein schlechtes Gewissen. Sie hat jetzt Krach mit denen (lacht).

Gästeliste: Hast du John auch in Probleme gestürzt, damit er in deiner Band spielen kann?

Stephen: Eigentlich nicht. Naja, vielleicht mit seiner Freundin, schließlich wird er ewig auf Tour sein. Er spielt auch noch in einer anderen Band, The Maroons, wo er der Sänger ist. Außerdem war er in den Dharma Bums, einer Gruppe, die ein bisschen in Richtung Walkabouts/REM ging und in den 80er Jahren aktiv war. Er ist also schon sehr lang dabei, obwohl er kaum 30 ist. Er freut sich, glaube ich, wirklich auf das kommende Jahr und wir sind alle ziemlich aufgeregt. Demnächst werden die beiden auch auf Photos auftauchen und bei Interviews dabeisein, aber jetzt erschien es einfach zweckmäßiger, dass ich das alleine durchziehe, alleine aus Kostengründen.

Gästeliste: Grandaddy haben kürzlich "Here" von Pavement gecovert und das in einer sehr schönen Version. Sind Coverversionen eine Art Bestätigung, dass man doch irgendeinen Einfluss gehabt hat auf die Musikszene?

Stephen: Covers sind immer eine gute Sache. Ich habe die Version von Grandaddy noch nicht gehört, aber es gibt da auch diese junge Band aus Japan, die mich gefragt hat, ob sie Coverversionen von uns rausbringen könnten, ohne sich um die Rechte zu kümmern. Ich sagte: "Na, klar", schließlich wollten sie nur 500 Stück davon pressen. Das war eine ziemlich witzige Sache, denn sie haben die seltsamsten Stücke ausgewählt. Zum Beispiel die B-Seite der "Cut Your Hair"-Single. Stücke, die ich noch nie vorher gehört hatte (lacht)!

Stephen Malkmus
Gästeliste: Auf dem LP-Cover ist ein Foto von dir auf Hawaii. Es gab aber auch andere Ideen, richtig?

Stephen: Ja! Zuerst wollten wir ein Photo benutzen, auf dem ich lange Haare habe und aussehe wie eines der Mädels von ABBA. Auf einem anderen habe ich so ein "Saturday Night Fever"-Outfit an. Das sollte nach altem Jazzmusiker auf einsamer Insel aussehen. Deshalb wollten wir die Platte zunächst auch "Swedish Reggae" nennen, aber letztendlich war uns das doch zu blöd. Wir haben uns die Platte nochmal angehört und entschieden, dass wir die Platte zu ernst nehmen, um solche Albernheiten auf dem Cover zu veranstalten.

Gästeliste: Die Platte wird auch als Vinyl-Version erscheinen...

Stephen: Genau! Dazu gibt es auch noch eine lustige Geschichte: Wir hatten eine Großaufnahme von meinem Gesicht aus der Session auf Hawaii für's Cover ausgesucht und im CD-Format sah es auch wirklich ausgezeichnet aus. Irgendwann rief dann jemand vom Label an und sagte: "Du, Stephen, es gibt da ein Problem mit dem LP-Cover. Im Großformat sieht man deine Poren ziemlich stark und wir wissen nicht, ob wir das so nehmen sollen. Hättest du was dagegen, wenn wir das Bild am Computer ein bisschen nachbearbeiten?" Ich fand das ziemlich witzig, vor allem, weil sie nachher gesagt haben, es hätte nur am schlechten Scan des Fotos gelegen.

Gästeliste: Vielleicht haben sie das ja nur gesagt, damit du dich besser fühlst?

Stephen: Hahaha, ja genau, das wird's sein!

Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Moses Berkson-
Stephen Malkmus
Aktueller Tonträger:
Stephen Malkmus
(Domino Records/Virgin)


Stephen Malkmus

 
 

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