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LOW
 
Die Schönheit der Stille
Low
Auf der Liste der Bands, die man wohl nie im Fernsehen zu hören bekommt, standen Low eigentlich ganz weit oben. Gerade weil ihr 1999er Album "Secret Name" ein emotionales Glanzlicht ohnegleichen war, eine Platte, die in der Tradition von Souled American oder Codeine auf fast wundersame Weise melancholische Klänge und streckenweise geradezu depressive Texte in etwas Strahlendes, Positives verwandelte. Mit anderen Worten: Ein geniales Album für einen kleinen, dafür aber um so glücklicheren Konsumentenkreis.
Low
Da war es schon fast eine kleine Sensation, dass ausgerechnet der hippe Klamottenhersteller GAP Lows Fassung von "Little Drummer Boy" als Musik für seine weihnachtliche TV-Werbekampagne aussuchte. "Das war schon eine ziemliche Überraschung", erzählt Low-Schlagzeugerin und Sängerin Mimi Parker uns beim Gästeliste-Interview. "Wir waren auf Tour und erhielten plötzlich einen Anruf von ihnen. Zuerst waren wir nicht sicher, wie wir uns verhalten sollten, aber wir konnten nichts an dem Spot entdecken, was gegen unser Credo verstoßen hätte. Außerdem muss ich gestehen: Der Gedanke, dass Millionen von Menschen, auch wenn sie nicht wissen, wer wir sind, unsere Musik hören, war einfach zu verlockend."
Low
Verlockend, und zwar verlockend anders, klingt das neue Low-Album mit dem poetisch-schönen Titel "Things We Lost In The Fire", das dieser Tage erscheint. Das Album hat noch mehr Tiefgang ("Closer"), noch interessantere Arrangements (die Trompete auf "Dinosaur Act"), noch mehr Variation (mit den Lagerfeuersongs "Don't Carry It All" und "Kind Of Girl") und vor allem den alles in den Schatten stellenden Song "Sunflower", das wohl beste Low-Stück bisher und definitiv der Song, der die wunderschönen Stimmen von Alan und Mimi besser als je zuvor in Szene setzt. "Wir klingen eher nach Smog als nach Slayer", hatte mir Gitarrist und Sänger Alan Sparhawk, der mit Bassist Zak Sally die Band komplettiert, grinsend erwidert, als ich ihn bei unserem ersten Zusammentreffen in New York vor knapp zwei Jahren gefragt hatte, wie er denn selbst die Musik seiner Band beschreiben würde. Damals hätte man es kaum treffender ausdrücken können, Low machten wirklich Musik, an der nicht nur Smog-Vordenker Bill Callahan seine helle Freude hatte. Zwei Jahre später erscheint Alans Aussage jetzt in einem völlig anderen Licht. Denn "Things We Lost In The Fire" zeigt, dass Low durchaus rocken können. Na gut, in die Sphären von Slayer kommen sie nicht gerade, aber während man bei "Secret Name" nur vermuten konnte, warum die Band aus Duluth, Minnesota, unbedingt mit Krach-Großmeister Steve Albini als Produzenten zusammenarbeiten wollte, wird das bei einigen der neuen Stücke wie zum Beispiel "Dinosaur Act" wesentlich deutlicher. "Findest du wirklich?" fragt Mimi etwas verwundert. "Ich halte beide Platten für ein ziemlich gutes Abbild von Steves Stil. Er ist eben vor allem dafür bekannt, laute Punkbands zu produzieren, aber in erster Linie ist er schlicht und ergreifend ein guter Tontechniker. Er weiß ganz einfach, wie man es anstellen muss, um eine Band gut aufzunehmen. Anders klingt unser neues Album meiner Meinung nach nur, weil einige Songs poppiger und lauter sind."

Insider haben natürlich schon länger gewusst, dass in Low auch eine punkige Seite steckt. Immerhin hatte die Band am Halloweenabend des Jahres 1998 ihre berühmt-berüchtigte "Misfits-Show" in Los Angeles gespielt, in der sie ihre eigenen Slow-Core-Songs in 1,2,3,4-Punkrockversionen à la Glen Danzig zum Besten gegeben haben. "Oh, ja, das war eine einmalige Sache", erinnert sich Mimi lachend. "Dass unsere Songs live oft härter klingen als auf Platte liegt vor allem daran, dass wir meistens nicht die Chance haben, die Songs vor den Aufnahmen live zu spielen. Im Studio versuchen wir dann, das Beste daraus zu machen, aber die Songs bekommen dann sehr schnell einen etwas anderen Charakter, wenn wir sie live vor Publikum spielen. Auf der Bühne ist uns die Dynamik der Stücke sehr wichtig und deshalb ist es zwangsläufig, dass sich die Songs verändern und wir sie härter spielen."

Low
Nachzuhören wird das hierzulande in der zweiten Märzwoche sein, wenn Low für fünf Shows in Deutschland zu Gast sein werden, nachdem die Band nach der Geburt von Mimis und Alans erster Tochter Hollis letztes Jahr eine kurze Auszeit genommen hatte. "Jetzt sind wir ja wieder auf Tour und man kann nicht sagen, dass Hollis unser ganzes Leben auf den Kopf gestellt hat. Sie ist mit uns unterwegs und das macht die Tourneen zu einer Herausforderung. Ich kann nicht abstreiten, dass mein Hauptaugenmerk jetzt meinem Baby gilt", gibt Mimi zu. Was sie nicht davon abgehalten hat, vier Monate nach der Geburt ihrer Tochter bereits für die Aufnahmen von "Things We Lost In The Fire" im Aufnahmestudio zu stehen. Apropos Aufnahmen: Nachdem das Trio vor einigen Jahren sehr erfolgreich "I Started A Joke" von den Bee Gees gecovert hatte, ließ Alan auf der ausgezeichneten offiziellen Website der Band verlauten, Low würden darüber nachdenken, das komplette erste Album der Bee Gees neu aufzunehmen, das bekanntlich einige der besten Songs (und Arrangements) ever enthält. Wie sieht es denn nun damit genau aus? "Das ist eine Aktion, die sich Zak und Alan ausgedacht haben", antwortet Mimi lachend. "Wir haben mal darüber geredet, aber es eigentlich nie ernsthaft in Betracht gezogen. Das wäre auch irgendwie einfach zu seltsam!"
Weitere Infos:
www.chairkickers.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Stefan Claudius-
Low
Aktueller Tonträger:
Things We Lost In The Fire
(Tugboat/EFA)


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