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KRISTIN HERSH
 
Blumenkind
Kristin Hersh
"Sunny Border Blue ist eine Blumensorte, die ich in einem Schaufenster gesehen habe", erläutert Kristin Hersh den Titel ihrer neuen CD. Mehr sagt sie dazu nicht: Weder warum sie diese so nannte, noch, was die Blume zu bedeuten hat, oder wie sie aussieht (es ist nicht diejenige, die auf dem CD-Label aufgedruckt ist). Kristin Hersh redet weniger gerne über ihre Musik, als man annehmen möchte. Das ist diesmal aber auch weniger nötig, denn die Songs auf "SBB" handeln - ohne großartige Umschweife oder verblümelnde Metaphern - von konkreten Personen.
"Ja, ich weiß", stimmt Kristin zu, "früher sah ich das anders, aber jetzt besteht keine Notwendigkeit mehr, die Dinge zu verbrämen. Jetzt wird Tacheles geredet. Die betroffenen Personen wissen, worum es geht." Das hat alles so seine Vor- und Nachteile, bedeutet aber unterm Strich, daß dies Kristin's geschlossenstes, in sich ruhendes Werk geworden ist. Was auffällt, ist die Tatsache, daß es sich trotz vieler akustischer Gitarren, und trotz der Tatsache, daß Kristin alles selbst einspielte, um eine Rock-Scheibe handelt. Kristin bezeichnete sich selbst einmal als "Rock Brat" - ist das der Grund? "Das und die Tatsache, daß ich mir einfach keine Band mehr leisten kann - weder auf Tour, noch im Studio", meint sie halb wehmütig und halb erbost, "und mit Studio-Musikern zu arbeiten, denen ich sagen muß, wie sie was zu spielen haben, ist nicht mein Ding. Außerdem muß ich die Stücke später auf Tour solo und akustisch vortragen. So war ich ein wenig hin und her gerissen." Was hat in diesem Kontext denn ausgerechnet eine Cat Stevens Cover-Version auf diesem Album zu suchen? "Ganz einfach: Ich war mit meiner Familie in 'Harold und Maude', weil meine Söhne den noch nicht gesehen hatten", erklärt Kristin, "als dann 'Trouble' gespielt wurde, meinte Billy, mein Mann, daß dies wie ein Song von mir klänge und ich den doch mal aufnehmen müßte. Ich meinte nur: Niemals, das wird nicht passieren." Und nun? "Es ist doch passiert - wie meistens, wenn er was vorschlägt."

Auf "SBB" findet sich ein Song namens "Listerine" - was soll denn das? "Bei euch gibt's wohl kein Listerin, was", fragt sie lachend, "der letzte Interviewer wußte auch nicht, worum es ging." Aber Frau Hersh! Listerine sollte doch seit Henry Maske auch hierzulande in aller Munde sein (Für die Unwissenden: Listerine ist ein Mundwaschwasser wie Odol). Es geht doch nur darum, WARUM man einen Song über Mundwaschwasser schreiben möchte. "Ganz einfach: Auch mit Listerine kannst Du keine Probleme lösen, weil es den Geruch nicht wegbekommt, sondern nur verdeckt." Das ist doch mal wieder eine schöne Metapher. Was ist eigentlich aus Kristin's Plänen geworden, eine Instrumentalscheibe aufzunehmen? "Ich würde zu gerne mal ins Studio gehen und etwas machen, ohne mich um die Konsequenzen sorgen zu müssen", träumt sie vor sich hin, "auf unserer MP3-Seite haben wir 'Stücke des Monats' zum runterladen angeboten." Und wie sieht's mit Napster aus? Ist das kein Problem? "Ich liebe Napster", erklärt sie - nicht vollkommen überraschend, "es geht mir nicht um's Geschäft, sondern die Musik. Sobald sie veröffentlicht ist, sollte sie für jeden zugänglich sein." Ein hehres Schlußwort, was sicherlich nicht hoch genug angerechnet werden kann, aber wohl auch zum Teil Kristin's Finanznot erklärt. Wollen wir mal hoffen, daß es ihr auch weiterhin möglich sein wird, Platten wie "SBB" aufzunehmen. Vielleicht hilft Michael Stipe ja irgendwann nochmal aus?

Weitere Infos:
www.throwingmusic.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Foto: -Pressefreigabe-
Kristin Hersh
Aktueller Tonträger:
Sunny Border Blue
(4AD/Connected)


Kristin Hersh

 
 

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