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GOOD SONS
 
Worry, be happy!
Good Sons
Michael Weston King bezeichnet sich selbst als traurigen Troubadour. Seine Songs sind demzufolge traurige Balladen. Punkt. Michael weiß nicht, was wahre Glückseligkeit ist. Sagt er. Deswegen heißt das neue Album "Happiness". Das ist seine Art, mittels der erwähnten Songs den Begriff "Glück" aufzuarbeiten. Das gilt sowohl für den Solo-Künstler Michael Weston King, wie auch den Bandleader der Good Sons. Die Unterschiede sind minimal: Bei den Good Sons sorgt der eine oder andere (traurige) Rocksong für Abwechslung und natürlich sind die Good Sons lauter als Michael Weston King solo.
Das neue Album "Happiness" klingt lockerer und runder als die letzten Elaborate. Das liegt daran, daß man sich für drei Wochen nach Bryn Derwen in Wales zurückzog und das Album so quasi zusammen erlebte. Das führt nun dazu, daß die Songs gar nicht sooo melancholisch und depressiv sind, wie Michael sie immer so darstellt. Insofern kommen auch Michaels Aussagen zu den Arbeiten nicht überraschend: "Ich bin immer glücklich, wenn ich denke, daß ich was Gutes geschrieben habe. Ich war glücklich während der Aufnahmen wegen der wunderschönen Umgebung und der totalen Aufmerksamkeit, die wir dem Werk schenkten und dem Umstand, daß meine Freundin, Lou Dagleish, dabei war." Hören wir da den Begriff "Glücklich"? Scheint ja ziemlich kompliziert zu sein. Aber Michael ist ein Künstler, da darf man widersprüchlich sein. Sonst kann man ja nix zuwege bringen. Und Michael ist niemand, der sich den einfachsten Weg sucht. Sonst wäre er ja schließlich nicht in England geboren worden, wo er mit seiner amerikanisch orientierten Musik nicht so sonderlich hip ist. Nicht, daß ihn das stört oder hindert, beeindruckende Songs zu schreiben. Einer davon, "Riding The Range" wurde von seinem inzwischen verstorbenen Freund Townes Van Zandt zu Ruhm und Ehren gebracht.

Nicht alles, was Michael in seinen Songs verarbeitet, ist autobiographisch, aber vieles. So schrieb er zum Beispiel den Song "I Can't Reach Him", der davon handelt, daß er nicht mit seinem Vater kommunizieren kann. Sowas braucht schon Chuzpe. An anderer Stelle resümiert einer seiner Charaktere darüber, daß er dem Rock'n'Roll die besten Jahre seines Lebens gegeben haben und darüber, von der Religion verraten worden zu sein. Auch so ein Weston King Thema. Kaum eine Scheibe, auf der er nicht die Religion diskutiert. Das hat seinen Grund: "Ich wuchs in einem ziemlich christlichen Elternhaus auf. Ich ging zur Kirche, war im Chor, ein Meßdiener und erwog zwischen 14 und 17 sogar, Priester zu werden. Dann änderte sich aber was in mir und ich sah viel Heuchelei in der Kirche und entschied, daß das nicht mein Ding war. Ich glaube aber nach wie vor an Gott. Ein Zustand, der über die Zeit schwankte. Zur Zeit bin ich wohl soweit von ihm entfernt wie nie. Aber ich wäre nicht überrascht, wenn ich mich ihm eines Tages wieder zuwenden würde." Bis dahin schreibt er Gospels wie "Dear Lord, Why Did You Desert Me?", den sein Agent (erfolglos) an Johnny Cash sendete.

Good Sons
Musikalisch hat Michael sich dafür entschieden, auf "Happiness" den Weg weiter zu verfolgen, den er auf seinem Solo Album "God Shaped Hole" eingeschlagen hatte. Das heißt: Mehr Gesang von Lou Dagleish und Piano, Cello und Steel Guitar (weil das die "am traurigsten klingenden Instrumente der Welt" sind). Das führte dazu, daß "Happiness" abwechslungsreicher und weniger vorhersehbar als die letzten Good Sons Scheiben klingen. Auf einem Song spielt sein Sohn Josh Saxophon. "Ich hatte ihm auf dem Handy angerufen, um mit ihm zu reden", meint Michael (Josh lebt bei seiner Ex-Frau Annie), "und er spielte mir 'Amazing Grace' und 'Edelweiss' auf dem Saxophon vor. Das hatte er gerade in der Schule gelernt. So ließ ich ihn denn auf der Scheibe spielen. Das ist für einen 11jährigen doch eine coole Sache, nicht?" In der Tat. Und es erklärt auch eine weitere Textzeile aus einem von Michaels Songs. Die Good Sons sind des weiteren eine eifrige Cover-Band. Michael schickte eine Liste mit über 30 Songs, die die Good Sons covern. Was ist das Kriterium, in diese Liste aufgenommen zu werden? "Meist sind das Songs, die ich liebe und von denen ich mir wünschte, sie selbst geschrieben zu haben. Wir suchen uns oft Songs aus, die die Leute nicht von einer Band wie uns erwarten." Der Opener von "Happiness" ist ein gutes Beispiel davon, denn er stammt von der Country-Rock-Band Lone Justice. "Ich war immer schon ein Fan von Lone Justice. Um ehrlich zu sein, war ich auch mal heimlich in Maria McKee verliebt, bis ich sie dann mal traf und feststellte, daß sie total verrückt ist." (Das würde Maria natürlich anders sehen. Sie selbst meint, sie sei lediglich hyperkativ). "Das Stück ist aber von David Williams und dem total unterschätzten Songwriter Marvin Etzioni (dem Bassisten von Lone Justice). Ich wurde zuerst auf den Song aufmerksam, als ich eine Version davon auf Victoria Williams Album 'Swing The Statue' hörte."

Was beweist, daß Michael definitiv auch immer auch ein Musikfan geblieben ist. Eine gute Sache für einen Songwriter, denn irgendwoher muß man ja seine Inspiration nehmen. "Es gibt da keine bestimmte Kraft, die mich treibt", meint er hierzu, "es ist einfach eine Sache, die sich schon so lange mache, daß ich mir nicht mehr vorstellen kann, jemals damit aufzuhören. Das geht sogar so weit, daß ich auch dann Songs schreibe, wenn ich keine Möglichkeit habe, sie zu veröffentlichen." Nun ja, das ist momentan nicht das Problem: Das aktuelle Album steht ab sofort im Plattenladen Ihres Vertrauens und im Sommer gibt es dann auch eine Good Sons Tournee.

Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Good Sons
Aktueller Tonträger:
Happiness
(Edel Contraire)


Good Sons

 
 

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