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FINK
 
Cogito ergo Fink
Fink
Die Hamburger Vogelfreunde sind mittlerweile bereits bei ihrem vierten Album angelangt. Im Gegensatz zur letzten CD, "Mondscheiner", kommt die neue jedoch ohne Titel und modisches Artwork aus. "Fink" präsentiert sich in gediegenem Rot, auf dem die Band winzig klein auf einem Bötchen herumschippert. Das hat alles fundierte Gründe, wie Sänger Niels Koppruch beredt ausführt. "Wir haben uns natürlich Gedanken über den Titel gemacht", meint er, geradeso, als habe man ihm vorgeworfen, das nicht zu tun, "aber die Sache ist die: Bei unserer letzten Scheibe hatten wir ja gerade einen neuen Gitarristen bekommen. Während der Tour wuchsen wir dann richtig als Band zusammen. Und dann war der Gedanke, daß wir uns jetzt auch als Einheit, als Band - 'Fink' eben - präsentieren wollen." Und das Bötchen? "Das zeigt uns inmitten eines Ozeans", philosophiert Niels, "wenn Du es Dir mal genau überlegst, nehmen wir ja auch so eine Art Inselstellung ein. Obwohl wir aus Hamburg kommen, gehören wir nicht zur Hamburger Szene, wir haben auch keine typische Gefolgschaft etc. Deshalb zeigt uns das Bild in dieser Art."
In der Info zur CD steht, daß es sich hierbei um ein Konzeptalbum handelt - von einem Protagonisten, der über die physikalische und virtuelle Bewegung philosophiert und irgendwie zu sich selbst findet. Stimmt das? "Nein, das haben wir auch gelesen", meint Baßmann Andreas (gekleidet in eine schicke Fink-Jacke, die es leider NICHT in einschlägigen Boutiquen zu erstehen gibt), "es ehrt uns, daß sich jemand solche Geschichten zu unseren CDs ausdenkt, aber auf dieser Scheibe gibt es weniger Protagonisten, denn je. Es geht hier mehr um Situationen oder Stimmungen." Und reflektiert wird auch eine ganze Menge, nicht wahr? "Es wird gar nicht so viel reflektiert", widerspricht Jens, "aber ich wollte diesmal nicht so konkrete Geschichten erzählen, wie z.B. die mit dem billigen Jakob auf der 'Mondscheiner'-CD. Es geht weniger um die Erlebnisse der Typen selber, als um die Situationen."
Nun gut, dann einigen wir uns darauf, daß weniger erzählt, als beobachtet wird. Obwohl - hier schlägt die Fink'sche Basistheorie phantasievoll-virtuose Purzelbäume: "Ich habe mir auch einen Spaß daraus gemacht, mit Erwartungshaltungen zu spielen", erläutert Niels, "da gibt es z.B. das Bild von diesem Typen, der den Fluß beobachtet und wie die Wolken vorbeiziehen. Wenn man so was hört, weiß man ja gleich, daß es eigentlich um mehr geht, daß das Metaphern für irgendwas anderes sind. Ich habe mir nun gedacht: Was wäre, wenn es nun doch einfach um's Beobachten ginge?" Ja, was wäre? Der Hörer muß sich da schon selbst was bei denken. Eine Gebrauchsanleitung gibt's nicht. Immerhin: Der neue Ansatz zeitigt auch eine gewisse Geradlinigkeit und Einfachheit in der Musik. "Wir haben uns diesmal einfach mehr Zeit genommen", erzählt Andreas, "und wir warem im Studio lockerer." Was wohl auch durch das viele Live-spielen unterstützt wird. So kommt es, daß einige der Tracks - obwohl musikalisch ausgereift und schlüssig - musikalisch fast wie Folk-Songs klingen. "Ja, es ist immer sehr reizvoll, auf möglichst einfachen Strukturen aufzusetzen und darauf aufzubauen." Auf "Fink" gibt's auch erstmals ein Instrumental. "Ja, das ist der Mittelpunkt der Scheibe", erklärt das Andreas, "wir hatten uns Gedanken über die Reihenfolge gemacht und irgendetwas fehlte noch. Und dann hatten wir diese Instrumental. Das ist das fehlende Glied zwischen dem ersten Teil der Scheibe und der zweiten."
Fink
In Fink's Musik muß der Zuhörer also gewissermaßen "investieren". Ein Ansatz, den die Jungs bei der Presse-Show zur CD perfekt umsetzten. "Ja, wir saßen neulich im Kino und überlegten uns, wie das wohl wäre, wenn man dort einfach nur Musik hören könnte", erinnert sich Niels, "zuerst war das nur so eine Idee und dann haben wir uns gedacht, warum eigentlich nicht?" "Ich habe in der Nacht vor der Veranstaltung noch geträumt, daß das schiefgeht", wirft Andreas ein, "dann wurde es aber doch ein großer Erfolg. Die Presse ließ sich tatsächlich darauf ein, die gesamte Scheibe im abgedunkelten Kino durchzuhören." Nun, in einem Kino muß man "Fink" nicht unbedingt hören, allerdings lohnt es sich schon, die CD etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Als Background-Gedudel eignet sich "Fink" genausowenig wie als modisches Wegwerf-Produkt. Fink haben sich mit ihrer selbsterspielten Nische eine einzigartige Position im heimischen Musikmarkt geschaffen. Wollen wir hoffen, daß sich das auch in Zuspruch und Mengendurchsatz umsetzen läßt - etwa wie bei den Freunden von Element Of Crime. Das ist schließlich die mittelständische deutsche Szene abseits von Westernhagen und Bap, nach der alle immer so schreien.
Weitere Infos:
www.finkmusik.de
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Fink
Aktueller Tonträger:
Fink
(L'Age D'Or/Zomba)


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