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LUPINE HOWL
 
Freiheit
Lupine Howl
Dem Debüt-Album "The Carnivorous Lunar Activities Of..." von Lupine Howl kann man förmlich anhören, daß hier Menschen am Start sind, die endlich frei sind und das machen konnten, was sie schon immer machen wollten. Die Rede ist von Sean Cook, Mike Mooney und Damon Reece, dem Kern von Lupine Howl. Die drei waren bis letztes Jahr noch bei Spiritualized angestellt, wurden dann aber wegen Meinungsverschiedenheiten herausgeschmissen. Das war dann die Chance, eine neue, eine eigene Band zu gründen, und Lupine Howl war geboren. Sicher klingt vieles nach ihrer alten Band, aber jetzt wird der Rhythmus großgeschrieben und vor allem die Lautstärke aufgedreht, wohingegen ja bei Spiritualized eher die zarten, schwebenden Sounds auf dem Programm standen. Jetzt können sich die Jungs kaum vor überaus positiven Reaktionen auf ihr Album retten - kein Wunder, denn "Activities" zählt zu den besten Veröffentlichungen des Jahres.
Mike: Wir dachten, wir wären viel zu kontrovers, aber es scheint so, als ob es genau das war, was die Leute wollten! Wir bekommen fast überall sehr positive Rückmeldungen, und sogar die englische Zeitung Music Week, eigentlich ein Blatt für die Geschäftsleute, hat unser Album als 'Platte des Monats' gekürt...

Da bleibt natürlich die Frage, ob die sich auch mal die Fotos im Booklet angesehen haben - dort sind doch einige Anspielungen vor allem sexueller Natur zu entdecken...

Mike: Sean und ich hassen Zensur, und in England wird alles und jedes zensiert, und die Sache mit dem Artwork war die Gelegenheit für uns, unsere Meinung darüber zu äußern und gleichzeitig mal ein etwas anderes Cover-Design an den Tag zu bringen. Der Song "The Jam That Ate Itself" handelt auch komplett von Zensur, und das ganze Zensur-Thema wurde nach und nach zu einer Art Konzept. Während unserer Zeit mit Spiritualized wurden wir sehr oft zensiert - wir durften nicht mit der Presse reden, wir mußten uns immer benehmen, und noch viel mehr. Wir sind es einfach satt, wenn Leute uns vorschreiben, was wir zu tun und zu lassen haben. Fuck them!

Seid ihr auch die obligatorischen Vergleiche mit Spiritualized satt?

Mike: Diese Vergleiche sind wir gewohnt, und es ist ja auch kein großes Wunder, daß es manchmal ähnlich klingt. Sean war sehr, sehr lange bei Spiritualized, er hat sehr viel zum Sound beigetragen und ihn weiterentwickelt, und der Hauptgrund, warum Jason [Pearce, Kopf von Spiritualized] uns rausgeworfen hat, war, daß wir ihn darauf angesprochen hatten, daß wir soviel am Sound entwickelt haben, aber er wollte es nicht wahrhaben und vor allem nicht in der Öffentlichkeit zugeben. Jason scheint mit seiner neuen Platte nicht gut voranzukommen - kein Wunder, er steht ja jetzt ohne Band da. Jetzt kommt unser Album heraus, und wenn die Leute sagen, daß dort Spiritualized-Elemente vorhanden sind, dann haben wir diese nicht geklaut, sondern es ist einfach unser Sound, den wir entwickelt haben. Wir haben deswegen auch kein Problem damit, wenn Leute uns auf Spiritualized ansprechen - wenn wir dadurch mehr Presse bekommen, fein! Auf unserer Platte haben wir auch z.B. Damon, John und den anderen ausdrücklich für bestimmte Songschreibe-Dienste gedankt (was Sean und mir immer verwehrt wurde), und wir wollen einfach die Leute, die mit unserer Band zu tun, fair behandeln.

Das klingt nach einer korrekten Einstellung. Wie sind denn jetzt, mit dieser Freiheit und der Erfahrung im Rücken, die Aufnahmen zur Platte verlaufen?

Mike: Wir haben alles selbst produziert. Es war schon hart, und wir haben sehr viel dabei gelernt. Wenn ich mir das Album jetzt anhöre, dann fallen mir schon ein paar Sachen auf, die man vielleicht hätte besser machen können, aber alles in allem bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Der ganze Prozess hat mir persönlich auch sehr gut getan, denn ich habe dadurch viel an Stärke dazugewonnen. Diesmal war wirklich niemand im Studio, der Dir in die Arbeit geredet hat, und Du warst wirklich auf Dich selbst gestellt. Diese Freiheit war im Endeffekt der Lohn für diese Arbeit.

Waren denn die Songs schon geschrieben, als ihr ins Studio gegangen seid?

Lupine Howl
Mike: Wir haben ein paar Sachen im Studio geschrieben, wie zum Beispiel "Planet X", "Sometimes", "125" und "The Jam That Ate Itself", wir haben ein paar Teile der anderen Songs im Studio geschrieben - wir hatten vorher ungefähr die Hälfte der Songs als Demos aufgenommen. Es war auch eigentlich kein richtiges Studio, denn wir haben in Bristol einen Raum gemietet, das ganze Equipment reingeschafft und soviel wie möglich jeden Tag und jede Nacht über einen Zeitraum von ca. 6 Monaten aufgenommen. Das war letztes Jahr im Sommer, und es war teilweise doch recht schwierig, da Sean und ich unseren Rausschmiß bei Spiritualized noch nicht ganz verkraftet hatten, und Sean's langjährige Beziehung auch noch zerbrach, und so gab es viele schwierige Tage. Das kann man auch in den Songs und vor allem den Texten hören - dort haben wir sehr viel davon verarbeitet. Uns geht es jetzt inzwischen auch viel besser.

Gab es einen Masterplan, wie das Album klingen sollte?

Mike: Nein, den hatten wir nicht - das ist meistens einfach die Art, wie Sean und ich die Songs schreiben, es ist alles sehr organisch. Ich hätte nie gedacht, daß ich das mal sagen würde, aber die Arbeit mit dem Computer hat sehr viel Spaß gemacht - als ich erstmal begriffen hatte, daß man nun auch direkt in das Teil hineinspielen kann und dann einfach die einzelnen Teile herumschieben, verändern, rückwärts abspielen und einfach damit herumspielen kann, hat es mich gepackt. Ohne die Hilfe des Computers hätten wir zum Beispiel den Track "Carnival" niemals so hinbekommen.

Tja, Computer können manchmal schon eine gute Hilfe sein. Helfen wollen Lupine Howl auch anderen Bands, denn mit Vinyl Hiss besitzen sie auch noch ein eigenes Label, auf dem in Zukunft einige interessante Bands ihre Platten veröffentichen können. Den Anfang haben Phonic gemacht, weitere werden folgen. Im September wollen Mike und Co. unbedingt in Europa und natürlich auch hier in Deutschland auf Tour gehen.


Wen möchte Mike Mooney auf seiner Gästeliste haben? Die Antwort gibts im RealAudio-Format! Reinhören


Weitere Infos:
www.lupinehowl.com
www.vinylhiss.com
Interview: -David Bluhm-
Fotos: -Pressefreigaben-
Lupine Howl
Aktueller Tonträger:
The Carnivorous Lunar Activities Of...
(Beggars Banquet/Connected)


Lupine Howl

 
 

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