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BARDO POND
 
Lost in Music
Bardo Pond
Die Liner Notes der Vorab-CD der vierten Bardo Pond CD auf Matador, "Dilate" besagen, daß sich das Quintett mit diesem Werk zweifelsohne in die erste Liga der wichtigsten Rock-Bands dieses Planeten spielen werden. Rock-Band? Sicherlich, Bardo Pond spielen Musik mit dem Instrumentarium einer Rock-Band, aber ansonsten stehen die Bardos doch irgendwie für epische Soundwände, ausschweifende Improvisationen und Mantra-artige Instrumental-Strukturen. "Wieso findest Du denn nicht, daß das Rock Musik ist?" fragt Isobelle Sonnenberger, die Stimme der Band, halbwegs erstaunt, "für mich ist das schon Rock Musik - schon alleine deshalb, weil es Gitarrenmusik ist." Nun gut, letztlich ist ja alles eine Frage der Interpretation. So gesehen hat sie ja schon recht. Nur konventionelle Songstrukturen, wie man sie AUCH mit Rock-Musik assoziiert, findet man bei Bardo Pond ja nun wirklich nicht.
Bardo Pond
Ist es nicht wagemutig, die Geduld der Zuhörer mit 10 Minuten Songs herauszufordern - in einem Zeitalter, wo MTV uns lehrt, daß die Aufmerksamkeits-Spanne von Konsumenten deutlich unterhalb von drei Minuten liegt? "Wir wollen ja nicht in die Charts", bestätigt David Gibbons, einer der beiden Gibbons-Brüder und Gitarristen in der Band, "wir sind eher an Soundbildern, Strukturen, Variationen und dem Prozeß des Musizierens interessiert." Und das wird auch auf "Dilate" wieder geboten. Stücke, die ganz von kunstvoll erzeugten Soundgebilden leben, in denen Rhythmus und besonders Melodie eine untergeordnete Rolle spielen. "Das scheint nur so", beharrt Isobelle, "wir hören das öfter. Aber vielleicht liegt es einfach daran, daß wir so viele Melodien gleichzeitig haben, daß sie sich gegeneinander aufzuheben scheinen." Wieder eine Sache der Interpretation, denn genau analysiert hat Isobelle auch hier wieder recht: Die Stimme, die Gitarren, der Baß und hin und wieder Zutaten wie Flöte und Geige (auch von Isobelle gespielt) erzeugen natürlich so gesehen schon Melodiebögen. Allerdings ergibt das im Endeffekt immer noch keinen Track zum Mitsingen. Das wäre allerdings auch nicht im Sinne der Band. "Das wichtigste für uns ist der kreative Prozeß", erläutert Isobelle, "wir haben ein eigenes Studio und dort entstehen die Songs praktisch live. Die Texte improvisiere ich zur Musik hinzu und die Worte sind bei uns auch eher Sound-Elemente als Bedeutungsträger. Das schönste ist, wenn ich mich in der Musik verlieren kann - ganz ohne Ego, quasi." Hm. Ist es denn nicht Sinn des Rockmusikanten, mittels des Musikvortrages das Ego aufzubauen? "Dafür gibt's doch den Live-Auftritt", meint Isobelle, "das ist genug für's Ego."
Bardo Pond
Was ist denn nun der Unterschied von der letzten Scheibe "Lapsed" zu der neuen? "Wir haben uns entschlossen, das Album 'Dilate' zu nennen", erläutert David, der auch für die - zueilen impulsive - Namensgebung der Tracks zuständig ist, "erstens mochten wir den Klang des Wortes, und zweitens paßte es auch gut zum Konzept der neuen Scheibe." ("Dilate" heißt "erweitern"). Was wohl auch der Grund ist, warum die Stücke diesmal so besonders lang geworden sind (z.B. der Schlußtrack, der sich 10 Minuten durch die Gegend schlängelt und deshalb "Ganges" heißt). "Einige sind sogar noch gekürzt", merkt David auf und macht da direkt neugierig auf die Live-Versionen. Zwei Dinge fallen auf: Es gibt mehr Akustik-Gitarren auf dem Album und es klingt - dafür, daß die Band im eigenen Studio arbeitet - ziemlich rauh. "Findest Du?" fragt Isobelle, "ich denke, gegenüber 'Lapsed' ist dieses Album ziemlich poliert geraten." Und wieder eine Frage der Perspektive: Wenn man "poliert" gleichsetzt mit "weniger Feedback", stimmt auch dies. Schließlich einigen wir uns darauf, daß "roh" das bessere Wort gewesen wäre, den Sound des neuen Albums zu beschreiben. Denn es gibt z.B. nur ein Stück mit Overdubs. Unter dem Strich kann man sagen, daß Bardo Pond - Rock hin oder her - sicherlich eine Band sind, die definitiv einen eigenen Sound gefunden hat und vor allen Dingen anders denkt als andere. Sowas ist wichtig. Insofern macht es auch Sinn, daß die Band jetzt mit den Geistesverwandten Mogwai zusammen tourt.
Weitere Infos:
threelobed.com/bardo
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Bardo Pond
Aktueller Tonträger:
Dilate
(Matador/Zomba)


Bardo Pond

 
 

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