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ANOUK
 
Anouk und die städtische Einsamkeit
Anouk
Anouk entspricht jedwedem Klischee, daß es braucht, um einen Act marketingtechnisch greifen zu können: Sie überschreitet mit ihrem laufenden Meter 60 nur unwesentlich die Standardgröße erfolgreicher weiblicher Rock-Acts, sieht angenehm aus (auch in Videos), macht gefällige Rockmusik mit Pop-Appeal, hat eine Killer-Stimme und lehnt sich musikalisch nicht unnötig aus dem Fenster. Kein Wunder also, daß es in der Bio von Vergleichen mit Sheryl Crow und Alanis Morissette nicht mangelt.
"Schon wieder?", fragt Anouk genervt, "ich fand das beim letzten mal schon nicht witzig. Aber ich schreibe diese Bios nicht." Dafür schreibt sie ihre Songs. Selbst. In Portugal. Wieso das denn? "Ehrlich gesagt, weil die Plattenfirma uns das bezahlt hat. Und da konnten wir uns eine angenehme Umgebung aussuchen." "Wir" ist Anouk und ihr langjähriger musikalischer Partner Bart van Veen. Aber im Prinzip ist Anouk tatsächlich zunächst mal Anouk. Alles andere ist nur Beiwerk. Z.B. die Band, die auf dem neuen Werk, "Urban Solitude" eine vollkommen andere ist als auf der letzten Platte. "Ich schreibe die Stücke, ich denke mir die Arrangements aus, ich produzierte das Album selbst", fegt Anouk alle Vermutungen auf Kollaborationen aus dem Weg. Nun ja, eine gab's doch: Eine Nummer stammt aus der Feder von Ricardo Pronk, dem Sänger einer von Anouk geschätzten holländischen Band. Daraus machte sie ein Duett. "Weil es das beste für den Song war", erklärt sie dies. Überhaupt weiß Anouk immer sehr genau, was sie will. Obwohl die Gründe dafür zuweilen recht banal sind. "Das neue Album heißt "Urban Solitude", weil das so schön klingt", sagt sie z.B. "es ist das Gefühl daß ich immer habe, wenn ich in New York ankomme und über die Brooklyn-Bridge hereinfahre. Dann kommt man sich immer einsam und klein vor. Das hat aber jetzt weiter keine tiefe Bedeutung." Eine Tatsache, die damit zusammenhängen mag, daß Anouk ihre Songtexte zunächst mal auf holländisch aufschreibt und dann mehr oder minder übersetzt. Philosophische Substanz muß da zwangsläufig etwas kurz kommen. So hat Anouk dann Mühe, einige Ihrer Ideen herüberzubringen. Der Titel "Body Brain" erklärt sich z.B. aus dem Ansatz heraus, daß sie empfiehlt, Körper und Geist gleichermaßen zu bemühen. Normalerweise kommen ihre Tracks aber ohne doppelten Boden daher: "In The Sand" ist ein Song darüber, daß alles, was man in den Sand legt, verschwindet, "Michel" einer über ihre erste große Liebe. Andererseits fördert dieser Ansatz auch sympathische Kleinode wie den Song "Tom Waits" zutage.
Anouk
"Tom Waits ist soooo cool", gerät Anouk ins Schwärmen, "wenn ich Live spiele, dann spiele ich immer so vor mich hin. Er kann aber das Publikum mit seinen Stories vollkommen in seinen Bann ziehen. Ich liebe Tom Waits. Der Song ist eine Phantasie darüber, daß ich mir vorstelle mit Tom Waits auf seinem Downtown Train in den Sonnenuntergang zu fahren. Ich wüßte zu gern, was Tom dazu sagen würde. Ich wäre jedenfalls sehr geehrt, wenn jemand einen Song über mich schriebe. Wer weiß, vielleicht spielt Tom ja mal in einem Video von mir mit." Anouk ist selbstbewußt und erfolgreich genug um zu wissen, daß sowas nicht unmöglich ist. So träumt sie von Kollaborationen mit Bowie oder den Red Hot Chili Peppers. Dabei ist sich Anouk stets bewußt daß sie ohne musikalische Einflüsse selbst nicht bestehen könnte. "Ich bin ein totaler Musik-Fan", gibt sie zu, "ich kaufe mir ständig CDs. Alles was rauskommt, muß ich haben. Da gebe ich gerne zu, daß ich das eine oder andere davon aufschnappe und selber verwende. Ich denke aber, daß tun viele so." Stimmt schon. So erklärt es sich auch, daß "Urban Solitude" ein wahrer Gemischtwarenladen an Stilen ist. "Ich mag Platten nicht, wo alles gleich klingt", erläutert sie dies, "deswegen wollte ich den Zuhöher mit jedem Stück überraschen." Nun, das funktioniert nicht immer - besonders nicht bei den uniformen kontemporären Cross-Over-Rock-Pop-Bastarden. Jedoch gibt es einige schöne, simple Balladen, wie z.B. "Tom Waits" oder "It Wasn't Me", die durch zeitlose Simplizität gefallen und dann tatsächlich herausstechen. "Ich liebe akustische Sachen", freut sich Anouk, "manchmal tut es mir leid, daß ich die Stücke auffüllen muß. Irgendwann werde ich gewiß mal eine akustische Platte machen." Das wäre dann in der Tat mal interessant. Auch deshalb, weil die Bio dann Alanis Morrisette nicht mehr bemühen müßte...
Weitere Infos:
www.anouk.nl
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-

Aktueller Tonträger:
Urban Solitude



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