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THALIA ZEDEK
 
Düstere Romantik
Thalia Zedek
"Been Here And Gone" heißt das Solo-Debut von Thalia Zedek (bekannt als kreative Hälfte der nicht unbedeutenden Band Come aus Boston). Das ist nicht besonders konkret. Es bedeutet auch so recht nichts - und doch wieder alles. Das alles paßt zur Person Thalia Zedek an diesem Tage: So richtig aus sich rausgehen tut sie nicht und so richtig weltbewegende Dinge zu ihrer Musik hat sie auch nicht zu berichten. Wenn überhaupt zeigt das aber, daß Musiker - neben Künstlern - eben auch Menschen sind. Und Musik auch manchmal recht banale Ursachen haben kann.
Ein Beispiel gefällig? Auf dem Album gibt es eine Coverversion von Leonard Cohen - "Dance Me To The End Of Love". Wie schön, denkt man sich, Thalia Zedek, die zusammen mit Chris Brokaw und Come den alternativen Blues doch zumindest miterfunden hat und mit ihrer schwermütigen, rauhen Stimme auch auf dem vorliegenden Werk eher introspektive Töne anschlägt, ist von einem der großen Melancholiker unserer Zeit beeinflußt, das erklärt ja einiges. Doch es kommt ganz anders. "Ich war auf dieser Geburtstagsfeier und wurde gefragt, ob ich nicht einen Song von Leonard Cohen spielen könnte. Der betreffende war 60 Jahre alt, und insofern war 'Dance Me' sicherlich die richtige Wahl". Moment mal: Da bröckelt ja die ganze Theorie - das war eine Auftragsarbeit? Und was ist mit der Tatsache, daß das Album mit der Zeile "Everybody Knows" beginnt - wie man weiß, ein anderer Cohen Klassiker. "Nun ja, ich finde Leonard Cohen schon sehr gut", schränkt Thalia ein, "und ich liebe den Song 'Everybody Knows' - wenn du so willst, ist das ein Rip-Off - obwohl mein Stück ja ganz anders weitergeht. Und der Cohen Song wurde dann ja auch zum Ankerpunkt meiner Scheibe." Nun gut, das tröstet aber den Psychologen im Rezensenten nicht - es zeigt lediglich, daß man sich mit Interpretationen nicht allzuweit aus dem Fenster lehnen darf: Allzuoft stimmen die aus den bloßen Fakten gezogenen Theorien bezüglich Ursache und Wirkung einfach nicht. Das gilt auch für die anderen Coverversionen. Da gibt es z.B. "1926" von der obskuren Kultband V - ein Stück mit rätselhaftem Text - aber: "Ich habe das Stück ausgesucht, weil ich die Leute mag. Nach dem Text habe ich nicht gefragt", enthüllt Thalia. Zu "Manha de Carnaval". Letzteres ist ein ziemlich bekanntes, semi-klassisches Stück, daß viele sofort erkennen, erklärt sie lapidar: "Weißt Du, ich kannte das Stück gar nicht. Meine Keyboarderin machte den Vorschlag, es zu bringen und wir erarbeiteten es gemeinsam. Ich erfuhr erst nachher, daß das Stück so bekannt ist." Das hatte aber auch sein Gutes, denn so ging Thalia vollkommen unbelastet an die Sache heran und lieferte so eine beeindruckende Interpretation des nicht ganz einfachen Stückes, die zudem aus dem sonstigen Songmaterial deutlich herausragt.
Thalia Zedek
Irgendwie hat Thalia's Vorgehensweise auf diese Art etwas von naiver Kunst - und das ist nicht als Kritik gemeint. Musikalisch sind die Unterschiede auf diesem Album zu der doch eher wuchtigen Come-Variante bedeutend. "Das Album hat sich so entwickelt", meint Thalia hierzu, "ausgegangen bin ich von meinen Solo-Live-Shows. Ich wollte eine luftigere Variante, einen weniger gitarrenbetonten Sound. Deswegen habe ich meinen Mitspielern auch gesagt, daß ich keine verzerrten Gitarren, kein Feedback wollte." Natürlich ist die Gitarre nach wie vor prägnant. Neben Thalia's komplexer Rhytmusgitarre finden sich natürlich auch wieder einige Slide-Gitarren-Parts von Chris Brokaw. Das Zentrum bildet jedoch Thalia's klagender Gesant - umgeben von eher lyrischen Keyboard-Sounds und einer sehr schön dazuimprovisierten Geige von David Curry von der Willard Grant Conspiracy. Einer der besonderen Vorzüge war ja das organische Zusammen- oder aber Gegeneinander-Spiel von Thalia und Chris bei Come. Wird es so etwas nicht wieder geben? Noch Ende letzten Jahres war Chris Brokaw zuversichtlich, daß es bald wieder eine neue Come-Scheibe geben würde. "Man soll nie 'nie' sagen", sagt Thalia, "aber ich denke eher nicht. Der Grund, warum diese Scheibe entstand, ist unter anderem, daß Chris durch seine viele anderen Projekte (die Instrumental-Band Pullman oder als Gitarrist bei Steve Wynn) kaum verfügbar war. Ich mag die Konstellation so, wie sie jetzt ist. Ich möchte auch in dieser Besetzung auf Tour gehen. Und selbst wenn ich wieder mit Chris zusammenarbeite, wird das Projekt kaum wieder Come heißen. Dieser Abschnitt ist für mich abgeschlossen." Wenngleich man bereits davon gelesen hat, daß die neue Scheibe eine Art "Come-Light"-Version geworden ist - was nicht gaaaanz falsch ist. Was noch bliebe, ist noch die Frage, warum die neue Scheibe denn ganz so düster und lamentös geworden ist? "Mein roter Faden ist das Thema 'Romanzen'", meint Thalia nach kurzem Überlegen, "und ich denke, daß Romantik am besten zusammengeht mit Düsternis. Das ergibt dann eben den Stil, in dem ich vortrage."
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Thalia Zedek
Aktueller Tonträger:
Been Here And Gone
(Matador/Zomba)


Thalia Zedek

 
 

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