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HIS NAME IS ALIVE
 
Alles Blues, oder was?
His Name Is Alive
Die Geschichte hat etwas von einem Mystery-Thriller: Anläßlich der Aufnahmen zum 96er Album "Stars On ESP" meint HNIA-Mastermind Warn Defever zum Spaß, daß es doch mal ganz lustig wäre, mit einem Gospelchor aufzunehmen. Irgendjemand nimmt das ernst und ein paar Tage später steht besagter Chor vor dem Studio - was eigentlich keines ist, sondern seine Wohnung. Egal: Gesagt getan. Das Ergebnis war die Gospel-Version des schönen Tracks "This World Is Not My Home". Wie es sich dann herausstellte, war dieser besagte Chor unter der Fuchtel eines diktatorischen Eiferers. In diesem Chor sang auch eine gewisse Lovetta Pippen mit. Diese rettete Warn aus den Klauen besagten Eiferers und bewegte sie dazu, der vorliegenden CD ihre Stimme zu verleihen - denn: Die damalige Sängering von HNIA war Karin Oliver, die mit den anderen damaligen Bandmitgliedern (sofern man hier überhaupt von Bandgefüge sprechen kann) irgendwo im Dunkel der Geschichte verschwand. Ihr ist das Stück "Karin's Blues" auf der neuen CD gewidmet.
Dieses Stück trägt aber auch nicht zur Erhellung weiterer Details bei, denn es ist - so Lovetta - eine "Freifließende musikalische Emotion." Ach ja: Es geht auf der neuen HNIA-CD um den Blues - Warn's Blues - der irgendeinmal die Welt bedecken wird. Eine wahrhaft globale Tragödie - nicht wahr? Nicht schlecht jedenfalls für jemanden, der - so Warn selbst - unter einer ständig kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspanne leidet und deswegen keine Bücher liest, sondern lieber Short-Stories - oder aber Popsongs schreibt. So wie auf "Blues". Ähnlich wie damals im Falle der Beach Boys Anspielungen bei "Stars On ESP" hat man dieses Mal den Eindruck, daß Warn bluesmäßig zuweilen ein wenig die Zunge in der Backe hat - zumal er auf seinen Scheiben immer schon mal thematisch den Blues heranzog. Diesmal kommt es aber ganz dicke: Auf "Karin's Blues" wird das authentische Rumpeln originärer Aufnahmetechniken bemüht. Auf der Cover-Version von Duke Ellington's "Solitude" hört sich's gar grammophonmäßig an. Ist das also Ironie? "Du meinst, wir machen uns über die Songs lustig?" fragt Lovetta verunsichert obwohl davon gar nicht die Rede war, "nein, ganz und gar nicht. Ich betrachte mich als so etwas wie eine alte Seele ('Old Soul') und ich nehme die Musik sehr ernst. Warum und wie Warn etwas macht - z.B. diese Soundgeschichten - das weiß ich nicht. Warn arbeitet eben manchmal so. Es ist sehr schwierig sich in Warn's Kopf hineinzuversetzen." Kann man nachvollziehen - hat er auch in etwa selbst mal so beschrieben. Wie entstand denn nun die Idee mit dem Blues als omniglobales Thema? "Das weiß ich auch nicht so genau", meint Lovetta, "geplant war es jedenfalls nicht. Warn hat jedenfalls keinen Masterplan." O.K. wie ENTSTAND denn die CD? Irgend etwas muß ja passiert sein. "Es war eine Zusammenarbeit. Wir haben die Basis-Tracks zusammen live im Studio aufgenommen. So konnte jeder seine Ideen einbringen. Für mich war es das erste Mal, daß ich solo singe. Bislang sang ich immer nur im Chor. Das war sehr interessant und sehr viel verantwortungsvoller. Man hat auch mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Ich denke, es klappte deswegen so gut, weil Warn mich mag - meine Art zu singen mag. Dadurch entstand ein Vertrauensverhältnis, der ein sehr entspanntes Arbeiten ermöglichte."
His Name Is Alive
Die Stücke - musikalisch nicht nur beim Blues, sondern auch bei Jazz, Soul und R'n'B angesiedelt - natürlich immer mit Warn's Sinn für's poppige - stammen bis auf das Ellington-Stück allesamt vom Meister selber - mit ein paar Texten von Lovetta. So wie er das damals schilderte, ist Warn der Prototyp des Tüftlers. Diesmal war es jedoch ein wenig anders: "Die meisten Sachen haben wir live zusammen eingespielt", erläutert Lovetta, "jeder hat so seinen Part dazugetan. Der Titeltrack zum Beispiel ist ein erster Take. Wir haben es danach noch mal aufgenommen, aber Warn meinte, das klänge nicht richtig, woraufhin wir die erste Version nahmen. Ein anderes Beispiel ist 'Write My Name In My Groove'. Davon werden wir einen Remix als Single veröffentlichen. Ich habe den ganzen Track neu gesungen, doch Warn hat ein paar Parts aus der Originalversion verwendet. Das ist es, was ich mit Zusammenarbeit meine." Worum geht es denn in den Stücken? Denn, wie bei "Happy Blues" hat man den Eindruck, daß die Tracks nicht so traurig sind, wie man das beim Blues eigentlich so erwartet. "'Happy Blues' ist ein Stück darüber, daß man sich nicht unterkriegen lassen sollte, daß man sich nicht irritieren lassen sollte, daß man über den Dingen stehen sollte, sodaß man quasi unantastbar wird. Das glaube ich jedenfalls." Weil das Stück auch Warn geschrieben hat, in dessen Kopf man sich ja nicht so einfach hineinversetzen kann.
Da die ganze Geschichte zwar transparent und luftig, aber aufwendig arrangiert ist - mit Streichern, Akustik-Piano etc. - fragt es sich noch, wie man das live präsentieren will. "Das darfst Du mich nicht fragen", meint Lovetta und führt dann doch dankenswerterweise aus, "es ist nicht recht zu beschreiben, was live passiert. Wir haben jetzt Showcases in Trio-Besetzung gespielt: Warn, ich und ein Bassist. Live ist eine so vollkommen andere Sache. Das ist meine Welt. Studio ist okay, aber der Live-Gesang ist das, weswegen ich das mache. Am besten, ihr kommt selbst und seht, was passiert." Im Herbst ist Gelegenheit dazu.
Weitere Infos:
www.timestereo.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
His Name Is Alive
Aktueller Tonträger:
Someday My Blues Will Cover The Earth
(4AD/Pias)


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