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THE 4 OF US
 
The No Boygroups
The 4 Of Us
"Wir sind doch keine Pop-Band", meint Brendan Murphy, Sänger der irischen Pop-Band The 4 Of Us entrüstet, als es um den Versuch geht, die Musik, die die vier aus Belfast machen, in Worte zu kleiden bzw. in Schubladen zu stecken. "Pop-Bands, das sind Boygroups", stellt Brendan kategorisch fest. Über einen langwierigen Diskurs, der so ziemlich alles von U2 über Neil Young und Oasis bis hin zu Bob Dylan einschließt, gelangen wir dann schließlich überein, daß es sich bei der Musik der vier Herren um gitarrenorientierte Popmusik handelt - in Abgrenzung zu Rock, Punk und/oder Alternative unter besonderer Berücksichtigung der Vernachlässigung von vorfabrizierter Tanzmucke und der besonderen Erwähnung, daß 4 Of Us ein eigenes Label haben. Alles klar?
Dabei ist die Sache doch relativ einfach. Zumindest mit dem aktuellen Album - dem ersten, mit dem die in Irland durchaus als Superstars gehandelte Band hier Fuß fassen will - "Classified Personals" - liegen die Jungs stilmäßig relativ gut im Rennen. Es gibt downgestrippte, akustisch angelegte Songs mit akzentuierten organischen Keyboards und so gut wie keinen Drums. Das war nicht immer so. "Du hättest unsere letzten Aufnahmen hören sollen [das kann man übrigens auch tun: Auf www.the4ofus.com gibts ein paar Downloads]", meint Brendan, "wir haben drei Jahre damit verbracht, ein Album aufzunehmen, daß bezeichnenderweise 'Amplifier' hieß und was letztlich keinem von uns gefiel. Das bestand nur aus lauten Gitarren und Feedback. Das haben wir total eingestampft und dann von vorne angefangen." So peu a peu schält sich auch der Grund dafür heraus. Auf die Frage, warum sich die Texte auf der Scheibe fast alle mit irgendwelchen Zuständen befassen, in denen sich der Erzähler befindet - ohne das großartig was passiert, meint Brendan, der auch die Texte schreibt: "Ich bin eher auch ein passiver Typ", und überlegt dann, "und bei 'Classified' gehts überwiegend ums Zweifeln. Wir haben die Scheibe eingespielt, als die Friedensverhandlungen in Nord-Irland gerade begannen - das spielte also schon mal eine Rolle. Des weiteren scheint es so zu sein, daß man in unserem Alter - so um die dreißig - mehr Fragen hat, als Antworten. Und dann ging es um den Zweifel in Bezug auf 'Amplifier' - all das spielt da rein." Und warum entschloß man sich dann, einen Schritt zurück in Richtung "Akustik" zu gehen? "Weil wir unser ganzes Geld für 'Amplifier' verpulvert haben", erwidert Bruder und Gitarrist Declan Murphy grinsend, "was wir wollten, war, die akustische Gitarre in den Mittelpunkt zu stellen. Was gar nicht so einfach ist, da diese im Mix häufig verlorengeht. Insofern überlegten wir uns also, diese durch altmodische Keyboards zu ergänzen, die schön organisch klangen und auch keine Drums zu verwenden." "Was auch nicht gegangen wäre", ergänzt Brendan, "da wir die Scheibe in einem Schlafzimmer aufgenommen haben, in das die ganze Band beim besten Willen nicht gepaßt hätte." "Das nächste Mal wollen wir das alles in einem richtigen Studio live vervollkommnen", schiebt Declan hinterher.
The 4 Of Us
Hat dieser Drang der Abgrenzung zu Pop einerseits und dann Rock andererseits vielleicht auch was mit dem Alter zu tun? "Ja", gibt Brendan zu, "ich mag immer noch Rock-Musik. Aber dann ist es mir lieber, daß macht ein 18jähriger als ich. Da weiß ich wenigstens, warum das geschieht. Und eine verzerrte Gitarre verwenden kann schließlich jeder." Ein weiterer Grund für das akustische Tun sind schließlich die irischen Wurzeln. "Wir wollten uns unserer Wurzeln wieder bewußt werden und hörten viel irische Folk-Musik", erinnert sich Brendan, "wir mußten uns wieder bewußt werden, wie akustische Instrumente klingen. Man kann so tolle Sachen damit machen - nimm z.B. mal Kate Bush." Und dann gibt es da noch dieses Stück "Love Keeps You Waiting", das sich ziemlich soulig anhört. "Das basiert auf dieser Baßlinie, die ich irgendwo aufgeschnappt habe", beschreibt Declan, "die hörte sich eh schon soulig an. Dann fanden wir dieses alte Keyboard, daß nur einen guten Sound hatte: Diese Bläser, die du auf dem Song hörst." "Das war fast wie bei Miles Davis", meint Brendan, "nur das spielen, was notwendig ist. Und auch was den Soul betrifft, gibt es eine irische Tradition. Denke nur mal an Van Morrison's 'Astral Weeks'. Nicht daß wir uns vergleichen möchten, aber in dieser Tradition steht dieser Song." Nun gut, halten wir also man fest: Die 4 Of Us machen keinen Pop, keinen Rock, sind alternativ - aber nur was das Label betrifft, mögen akustische Instrumente, schreiben gerne inhaltlich gehaltvolle Songs und lieben alle möglichen Musikrichtungen. Das sind doch eigentlich keine schlechten Voraussetzungen, um auch hierzulande Erfolg zu haben, oder?
Weitere Infos:
www.the4ofus.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
The 4 Of Us
Aktueller Tonträger:
Classified Personals
(Edel Contraire)


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