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COSMIC ROUGH RIDERS
 
Zum Blinddate im Schottenrock
Cosmic Rough Riders
Bei ihrem bisher letzten Besuch in Deutschland waren die Cosmic Rough Riders nur ein Act unter vielen auf Alan McGees Label Poptones. Wenige Monate später haben sich die Dinge gewandelt: Die Single "Revolution (In The Summertime?)" stürmte die britischen Top 40, das dazugehörige Video erfreut sich regelmäßigen Einsatzes bei VIVA2, und die Schotten wurden von U2 höchstpersönlich ausgesucht, zwei Clubkonzerte der irischen Superstars in Glasgow zu eröffnen, für die die Fans stundenlang angestanden hatten. "Vor der Vorverkaufsstelle wollte ein Radiotyp die ersten glücklichen Kartenbesitzer interviewen", erzählt Daniel Wylie der Gästeliste beim Interview in Köln schmunzelnd. "Er fragte: 'Wie fühlt man sich, wenn man Karten für U2 ergattert hat?' Ein Gefragter antwortete nur: 'Wie, U2? Ich hab die Tickets nur wegen der Cosmics gekauft!'"
Sie mögen vielleicht bisher "nur" die vergleichsweise bescheidene Zahl von knapp 60 000 Platten verkauft haben, aber dennoch sind sie damit die bisher erfolgreichste Poptones-Band. Vielleicht auch, weil sie zwar aus Schottland kommen, aber wie nicht zuletzt Teenage Fanclub vor ihnen Glasgow kurzerhand nach Los Angeles verlegen, rein musikalisch natürlich. Zumindest scheinen uns das die Byrds- und Beach-Boys-Anklänge ihres Debütalbums "Enjoy The Melodic Sunshine" weismachen zu wollen, die das klare Übergewicht gegenüber den ebenfalls sehr gelungenen, schon fast keltisch-traditionell angehauchten Songs auf der Platten haben.

Dem aktuellen Singletitel zum Trotz also nichts Revolutionäres, aber stets äußerst charmant und in jedem Fall anregend genug, um die Gästeliste das musikalische Grundwissen der drei Schotten - Daniel Wylie, Stephen Fleming und Gary Cuthbert - auf Herz und Nieren testen zu lassen.
* The Times "Heaven Sent Me An Angel"
("Beat Torture", Creation, 1988)

Der legendäre Ed Ball mit seinen berühmt-berüchtigten Times - der Brit-Pop der 80er. Neben seiner obskur-genialen Musikerkarriere war Ball auch ständiger Wegbegleiter von Alan McGee, zunächst bei Creation, nun auch beim Label der Cosmics, Poptones.

Stephen: "The Go-Betweens vielleicht?"

Daniel: "Felt?"

Gästeliste: Das waren The Times.

Daniel: "Ich hab den Namen schon oft gehört, aber noch nie ihre Musik."

Gästeliste: Aber Ed Ball kennt ihr schon, ja?

Daniel: "Ja klar, er arbeitet ja bei Poptones. Sehr cooler Typ. Ich weiß nicht viel über seine Musik, aber er ist einer der nettesten Menschen, die man treffen kann. Das war also Ed? Klasse, wir müssen ihm sofort erzählen, daß wir was von ihm gehört haben!"

* The Zombies "Leave Me Be"
("Singles Collection", Chiswick, 2000)

Oft vergessene 60s-Band der "British Invasion Ära", deren Musik für die Zeit wohl zu "sophisticated" war, um groß herauszukommen. Dieser Song wurde später u.v.a. auch von Cher gecovert.

Daniel: "Der Song klingt, als könnte er auch von The Times stammen. Aber ich habe keine Ahnung, wer das sein könnte!"

Stephen: "Das sind die Zombies!"

Daniel: "Ah, richtig! Rod Argent hat später solo einen Song namens 'Hold Your Head Up' veröffentlicht, den ich mir schon lange mal zulegen wollte, weil er immer noch oft in den englischen Oldieshows im Radio gespielt wird! Aber dieser Song hier war auch gut. Ein Freund hat mir mal das zweite Zombies-Album 'Odessey & Oracle' gegeben. Sind einige gute Songs drauf, aber nicht allzu viele, hahaha."

* Richard Thompson "Beeswing"
("Mirror Blue", EMI Capitol, 1994)

Britischer Vorzeige-Folkie seit mehr als 30 Jahren, zuerst mit Fairport Convention, dann mit Frau Linda, später solo.

Daniel: "Das ist irgendeine englische Folkband... nee, ich weiß, wer das ist.... Richard Thompson? Er ist ein außergewöhnlich guter Songwriter. R.E.M. haben einen seiner Songs gecovert, 'Wall Of Death' - absolut phantastisch!"

Gästeliste: Gehen die folkigen Anklänge auf der ersten Seite eures Albums auf Musiker wie Thompson zurück?

Daniel: "Der Folk-Einfluß kommt von schottischen Folk-Sängern wie Hamish Imlach oder Alex Campbell, die unsere Eltern viel gehört haben. Die wichtigsten Einflüsse für mich in dieser Richtung sind aber trotzdem eher die Akustiksongs auf Led Zeppelin 'III' und 'IV'."

* The Strokes "The Modern Age"
("Is This It?", RCA, 2001)

Die meistgehypte Band in England seit zehn Jahren. Aus New York, tragen coole 70er Jahre Anzüge aus Patti Smiths Kleiderschrank und klingen 1:1 wie The Velvet Underground. Aber wenns scheen macht?!

Gary (nach 3 Sekunden): "The Strokes!"

Daniel: "Wir haben mit ihnen auf drei Festivals letzte Woche gespielt. Sie sind erst 18, 19, aber unglaublich nette Typen. Fünf Songs auf der Platte - genau die fünf, die sie schon als A- und B-Seiten ihrer beiden Singles hatten - sind toll, aber die anderen sechs sind nur Durchschnitt. Die konnten aber nichts dafür, denn sie haben nur genau diese elf Songs. Sie wollen jetzt in Kürze neue schreiben. Alles in allem hat die Platte aber einen guten Vibe, obwohl sie so retro ist. Ich hab die Platte von den Jungs selbst für lau bekommen, aber ich hätte sie mir sonst auch gekauft!"

Gary: "Ich wollte sie eigentlich zuerst gar nicht mögen, wegen des ganzen Hypes, aber als ich sie dann gehört habe, mußte ich sie einfach gut finden."

Daniel: "Nach der Show in Glasgow sind die Strokes zu uns gekommen und haben uns erzählt, daß sie uns total toll gefunden haben und uns gerne auf unserer nächsten Englandtour supporten würden. Wir konnten nur sagen: 'Ihr habt inzwischen doch selbst genug Fans, ihr braucht uns wirklich nicht mehr!' Die Jungs sind so nett! Eine Band muß ja immer gehypt werden, und wir können von Glück sagen, daß es mit den Strokes eine gute getroffen hat!"

* Shed Seven "Thinking Again"
("Truth Be Told", Artful, 2001)

1994 schwer gehypt, dann vom Label kalt gestellt, nun auf dem Label, das schon The Fall, The Chameleons und Clint Boon (Inspiral Carpets) zu neuem Leben erweckte, mit Neustart: Klingt manchmal verdächtig nach Noel Gallagher für Arme, ist aber nicht schecht.

Daniel (nach Ende des Songs): "Keine Ahnung, du mußt uns einen Hinweis geben!"

Gästeliste: Die Band war 1994 schwer angesagt, hatte dann Probleme mit ihrem Majorlabel und kommt jetzt mit einer Platte auf Artful zurück.

Daniel: "Primal Scream???"

Stephen: "Nee, Shed Seven!"

Daniel: "Steve! Du bist gut!"

Stephen: "Ich hab sie an der Stimme des Sängers erkannt. Sie waren so lange weg vom Fenster! Ihre Alben haben mich nie interessiert, aber sie hatten ein paar sehr gute Singles wie 'Going For Gold'. Sie sind auch eine tolle Liveband!"

Gary: "Sie verkaufen nicht viele Platten, aber sie haben sehr loyale Fans, deshalb spielen sie immer noch ziemlich große Konzerte in England."

* Travis "Baby One More Time"
("Turn" B-Seite, Independiente, 1999)

Die Band dürfte bekannt sein, der Song ebenfalls. Die meisten halten diese Akustikversion allerdings für besser als das Silicon-Original.

Gary (nach wenigen Takten): "Travis, mit dem Britney-Spears-Song! Das ist großartig! Selbst die Britney-Spears-Version ist schon klasse!

Gästeliste: Welche Songs würdet ihr covern?

Gary: "Derzeit spielen wir einen Song von Neil Young live, 'Country Home' von 'Ragged Glory'. Wir haben ihn zuvor immer im Tourbus gesungen, und unser Tourmanager hat uns überredet, ihn auf der Bühne zu spielen."

Daniel: "Wir haben so viele eigene Songs, über 40, daß wir die schon nicht alle spielen können, deshalb sind wir mit Coverversionen etwas vorsichtig. So etwas wie ein ganzes Album mit Covers [was ja derzeit schwer in Mode ist] würden wir nie machen. Nicht zuletzt, weil wir es uns finanziell nicht leisten könnten, Tantiemen an Leute zu verschenken, die eh schon Millionäre sind. Wir haben aber auch schon mal 'Mother And Child Reunion' von Paul Simon probiert. Oder 'Rain' und 'It's All Too Much' von den Beatles. Im Großen und Ganzen würden wir nur Songs spielen, von denen wir glauben, daß wir sie besser spielen könnten als im Original. 'Tree' von Sebadoh zum Beispiel. Großartiger Song, aber grottenschlecht aufgenommen. Ich würde auch gerne 'New Jersey' und 'Grace Cathedral Park' von den Red House Painters ausprobieren. Das sind unglaubliche Songs! Oder 'Above The Clouds' von ELO! Oder 'If I Were A Carpenter' [von Tim Hardin] - großartig! 'You Wear It Well' von Rod Stewart wäre auch ein Kandidat. Ich würde auch gerne ein paar Elliott-Smith-Songs probieren, aber wir könnten sie nie und nimmer so gut wie er hinkriegen."

* Ken Stringfellow "Reveal Love"
("Touched", Poptones, 2001)

Sein zweites Soloalbum zeigt den Posies-Frontmann Stringfellow ungewöhnlich sanft und introvertiert. Trotzdem sollten ihn die Cosmics eigentlich erkennen. Weil er a) auf demselben Label veröffentlicht wie sie und b) weil sie erst am vorigen Wochenende mit den Posies zusammen gespielt haben...

Daniel: "Halt! Ich weiß, wer das ist... The Boo Radleys?! Die Platte ist auf Poptones? Hmmm... was, das war Ken? Das war klasse! Ken ist ein toller Typ, ein bißchen verrückt. Wir haben mit den Posies gespielt und sie mußten sich unser Equipment leihen. Ken kam von der Bühne und Stephens Gitarre war völlig blutverschmiert. Er hatte sie ganz wild...grrrr... gespielt und sich dabei überall Schnittwunden an der Hand zugezogen. Das ist Rock N Roll in Reinkultur! Großartige Show, großartige Band! Ken hat einen Song auf dem Album 'Dear 23' namens 'Any Other Way', der Song ist so gut, daß nichts jemals herankommen wird. Der Song ist durch und durch genial. Wenn du Noten von eins bis zehn für Songs verteilen würdest, 'Any Other Way' wäre eine glatte Elf!"

Weitere Infos:
www.cosmicroughriders.com
Interview: -DJ Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-
Cosmic Rough Riders
Aktueller Tonträger:
Enjoy The Melodic Sunshine
(Poptones/Zomba)


Cosmic Rough Riders

 
 

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