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WALKABOUTS
 
Memories are made of this
Walkabouts
Das neue Album der Walkabouts heißt "Ended Up A Stranger". Wie so oft ist jedoch nichts so wie es scheint. Chris Eckman - trotz diesbezüglicher Beiträge von Carla Torgerson und Keyboarder Glen Slater - nach wie vor der Haupt-Songwriter der Truppe erklärt das so: "Das Thema dieser Scheibe - wenn man denn von Thema sprechen kann - sind Erinnerungen. Nicht nur die Erinnerungen selbst, sondern auch die Art, in der sie entstehen. Jedermanns Erinnerung an dasselbe Ereignisse sind ja z.B. total unterschiedlich und die Erinnerungen kommen auch nicht strukturiert zustande, sondern setzen sich aus Momentaufnahmen zusammen." Stream-Of-Consciousness-mäßig? "Ja, das ist vielleicht die richtige Bezeichnung. Es spielt sich ja auch viel im Unterbewußtsein ab." Ist das der Grund, warum sich die Struktur der Texte weit vom traditionellen Songwriting entfernt - bis hin zum ambivalenten Nonsense? "Ja. Ich schreibe ja sowieso keine Story-Songs im traditionellen Sinne. Diesmal ging ich eben noch einen Schritt weiter."
Um sich das Walkabouts-Universum erschließen zu können, muß man noch eines bedenken: Auch wenn die Songs meist aus der Ich-Perspektive geschrieben sind, handelt es sich dennoch nicht um autobiographische Geständnis-Songs à la James Taylor. "Nein, ich gehe zwar von mir aus", gibt Chris zu, "aber ich schreibe nicht über mich. Z.B. der Titeltrack: Da sind zwar Erinnerungen verarbeitet, die Person, die den Song erzählt, bin aber definitiv nicht ich." Wenn man das mal bedenkt, sei doch die Frage erlaubt, warum die Musik der Walkabouts dann zunehmend desolater und düsterer wird. Könnte man dann als Songwriter nicht auch mal lebensfrohe Charaktere erfinden? "Das ist eine schwer zu beantwortende Frage", überlegt Chris, "so funktioniert das einfach nicht. Es hat auch mit persönlichen Vorlieben zu tun, mit einer bevorzugten Ästhethik, die bei uns nunmal so gelagert ist. Auch wenn wir uns bemühen, etwas neues zu machen, unsere muskalische Vergangenheit können wir dabei nicht abschütteln." Was ist denn das Schwierigste beim Songwriting? "Alles", antwortet Chris wie aus der Pistole geschossen, "es gab da diese Phase, in der es schien, es würde leichter, aber es wird immer schwieriger. Nicht, daß ich es hasse - sonst würde ich ja nicht so viele Songs schreiben - aber es ist ganz schön schwierig. Besonders, sich nicht zu wiederholen." Was meint denn die neue Songwriterin, Carla, zu diesem Thema? "Nun, ich habe ja erst ein paar Songs geschrieben", meint Carla bescheiden, "Chris hat mir da einiges voraus. Formulieren wir es mal so: Ich habe ihn beobachtet und studiert. Musik zu schreiben finde ich wesentlich einfacher, als die Texte. Ich weiß ja, wieviel Arbeit in gute Texte investiert werden muß. Deshalb bin ich im Grunde auch froh, daß er mir sofort einen Text zu 'More Heat Than Light' geschrieben hat - obwohl ich mich doch ein bißchen geärgert habe, daß er mir zuvorkam." Gibt es einen Unterschied im Vortrag von eigenen und "fremden". "Ja, einen", überlegt Carla, "wenn ich einen eigenen Song vortrage, kommt dieser quasi aus mir heraus. Ich brauche z.B. überhaupt nicht mehr über die Griffolgen nachzudenken." Ein Vorteil, der durch die neuen assoziativen Texte sicherlich wieder aufgewogen wird. "Oh ja", stimmt Carla zu, "diese sind viel schwieriger zu behalten." "Ja", pflichtet Chris bei, "das ist schon anders als bei 'Findlay's Motel', wo ich immer weiß, daß der Typ am Ende tot is. Andererseits: Wenn ich jetzt mal eine Strophe vertausche, macht es auch nix."
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Wie verstehen sich die denn eher assoziativen Inhalte mit den doch sehr direkten Referenzen in den Titeln der Stücke? "Das ist verschieden", beschreibt Chris den Vorgang, "ich benutze oft einen Titel als Ausganspunkt. Woher der kommt, ist ganz verschieden: 'Lazarus Heart' ist der Name einer Skulptur eines befreundeten Künstler, den ich einfach klaute. 'Winslow Place' ist ein Name, den ich mir mal notiert habe, 'Mary Edwards' ist eine Frau, die Glen kannte, 'Life: The Movie', ist ein Begriff, der mir einfach so im Kopf rumschwirrte, daraus entwickelte sich eine Reflektion über unsere merkwürdige Not, alles stets auf Film festhalten, dokumentieren zu müssen." Die Scheibe entstand in den Heim-Studios von Chris und Glen in Eigenregie. Warum dieses? "Nun, das hat Vorteile: Es gibt keine zeitlichen oder monetären Limits, sodaß wir mehr Möglichkeiten hatten, mit den Songs herumzuspielen. Zeitweise wußten wir selbst nicht, wohin die Reise ging, was sehr spannend war. Da wir Freunde der analogen Vorehensweise sind, haben wir uns - trotz Computereinsatz auch nicht verzettelt."
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Bleibt noch die Frage, wieso auf dieser Scheibe nun doch wieder Rock-Elemente auftauchen, obwohl doch Chris mal sagte, sein Interesse an Rockstücken verloren zu haben. "Nun, ein zweites 'Setting The Woods On Fire' ist es ja nicht gerade geworden", schränkt er ein, "wir sind auch keine Rockband. Aber auf der letzten Tour entwickelte sich eine gewisse Energie, die sich auf die neuen Stücke übertrug. Außerdem brauchen wir ein paar Zugaben." Diese kann man sich auf der nächsten Tour anhören. Diese wird Anfang des kommenden Jahres stattfinden. Bis dahin wird Chris zunächst mal ein bißchen ausspannen ("wenn man älter wird, verliert man auch irgendwie den Drang zu Touren"), während Carla an verschiedenen Side-Projects arbeitet, darunter eine Scheibe mit einer griechischen Band und einem Soundtrack.
Weitere Infos:
www.thewalkabouts.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
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Aktueller Tonträger:
Ended Up A Stranger
(Glitterhouse/Indigo)


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