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WATERBOYS
 
Blues, Übermut und Magie.
Waterboys
Nachdem man jahrelang geglaubt hätte, die Waterboys seien tot - nicht zuletzt deswegen, weil Mike Scott zwei Solo-Scheiben aufgenommen hatte - überraschte die Veröffentlichung des letzten Jahres "A Rock In A Weary Land" doch sehr. (Nicht zuletzt, da der Ur-Waterboy Anthony Thistlewaite auch wieder mit von der Partie war) Fast noch mehr überraschte indes, daß es jetzt - fast 15 Jahre nach dem Event - eine Scheibe mit Material von den Fisherman's Blues-Sessions namens "Too Close To Heaven" erschien. Mike Scott hat hierfür aber eine plausible Erklärung: "Ich hatte immer viel mit anderen Projekten zu tun - schreiben, aufnehmen, touren. Somit brauchte es lange Zeit, bis ich dazu kam, den unveröffentlichten 'Fisherman's Blues'-Aufnahmen die Aufmerksamkeit zu widmen, die ihnen gebührte. Außerdem brauchte es lange, bis es meinem Manager gelang, die Lizenzen von EMI zurückzubekommen." (Die Waterboys sind jetzt bei BMG)
Da der Katalog der Aufnahmen zu "Fisherman's Blues" sich über zig Songs und einen sehr langen Zeitraum erstreckt, legt das die Vermutung nahe, daß gar noch mehr Material zur Verfügung steht? "Es kann schon sein, daß es da noch mehr geben wird", meint Mike, "zum Beispiel für ein neues 'Secret Life'-Album (ein 'Bits & Pieces'-Album von '94 mit Material aus den Anfangstagen). Aber das würde dann gemischt werden mit Tracks von allen Waterboys-Äras. Ich denke nicht, daß es noch mal ein reines 'Fisherman's Blues Sessions'-Album geben wird." Mike Scott ist ein sehr ergiebiger Songwriter. Man schaue sich alleine mal die Waterboys Homepage an und staune über die Fülle des Materials. (Obacht: Nicht "Waterboys" eingeben - dann landet man auf obskuren Sex-Seiten. Es muß heißen www.mikescott.com oder www.mikescottwaterboys.com). Wie schreibt so jemand Stücke? Es gibt da den sehr schönen Song, "Edinburgh Castle", der das in etwa beschreibt. Es heißt da: "I could feel the bones of a song beating around in my head". "Manchmal fällt mit eine Zeile oder zwei ein", erläutert Mike dieses, "eine Strophe vielleicht, oder ein Refrain. Der schwirrt mir dann im Kopf herum. Das ist das 'bone-beating'. Wenn ich einen Song schreibe, dann wohne ich darin. Er wickelt sich um mich herum. Ich denke und lebe darin. Er macht meine Füße tippen. Er absorbiert meinen Geist. Jeder Song hat dabei seine eigene, süße Art." Kein Wunder, daß jemand, der so denkt, Songschreiber ist. Was hat er denn gefühlt, als er sich das alte Zeug anhörte - immerhin müssen das ja hunderte von Stunden an Material gewesen sein. "Es war ein sehr überwältigendes Gefühl, ins Studio zu gehen und mit den ganzen alten Bändern wiedervereinigt zu sein", schwelgt Mike, "und als ich mich dann hinsetzte und am Mischpult die Instrumente der Reihe nach durchging, war das einfach ein unvergeßlicher Moment. Es versetzte mich zurück zu dem Tag, an dem der jeweilige Song aufgenommen wurde und brachte alle möglichen Gefühle zur Oberfläche. Ich war richtig aufgeregt, die Möglichkeit zu haben, den Sound neu abzumischen, nachdem ich mir die alten Mixe angehört hatte. Ich arbeitete mit einem großartigen Engineer namens Tim Martin, der mir half den Sound genau richtig hinzubekommen."
Waterboys
Die neuen "Fisherman's-Tracks" klingen dann auch einen gutteil druckvoller und transparenter als die Original-Scheibe. "Und als es dann gar daran ging, dazu zu singen, war das sehr aufregend und irgendwie auch befriedigend. Besonderen Spaß hat mir 'Blues For You Baby' gemacht. Einige Songs habe ich über schlechte Erfahrungen geschrieben und es war sehr ergreifend, das wieder zu durchleben - mit dem Wissen und der Erfahrung, die ich seitdem durchlebt habe." Wenn er die Möglichkeit hätte, das Ganze noch mal zu tun, würde Mike etwas ändern? "Du meinst die ganzen 'Fisherman's Sessions'? Ich würde ein Doppel-Album mit dem Zeug von '86 gemacht haben und es würde den ganzen Wettbewerb weggepustet haben und Rock N Roll wäre nicht mehr dasselbe gewesen." Das lassen wir aber lieber mal unkommentiert. Wenn man sich auf der Website die Episode über Mike's Aufenthalt in der Kommune Findhorn durchliest, könnte man auf den Gedanken kommen, daß er ein begeisterter Hippie ist. Wie stellt sich das Spirituelle in seinen Songs dar? "Ich mag halt einfach was ich mag", kommt die knappe Antwort, "textlich suche ich nach etwas, was mich spirituell fühlbar berührt. Etwas, daß von einer universellen Wahrheit oder Erfahrung oder einem wachen Bewußtsein herrührt. Musikalisch kann das alles Mögliche sein." Wie z.B. der Blues. Auf "Heaven" gibt es vergleichsweise viele Blues-Stücke - die indes rein kategorisch gar keine Blues-Stücke sein müssen. "Ja, der Ausdruck 'Blues', wie ich es in den Titeln verwende, bedeutet eine Haltung in den Texten der Stücke - nicht ein 12-bar-Songschema", erläutert Mike, "und ich glaube auch, daß das die wahre Bedeutung des Begriffes ist. Somit sind das wahrlich Blues-Songs." Neben Blues ist Mike ja - wie er selbst erwähnt - musikalisch für alles Mögliche offen. Was gibt es denn in Zukunft von den Waterboys? "Steve Wickham, der Geiger von 'Fisherman's Blues' ist wieder in der Band", meint Mike, "erwarte also jede Menge Gefiedel auf der nächsten Tour. Was die nächste Scheibe betrifft, so ist das eine sehr schwierige Frage. Es wird seltsame Songs geben - und einfache Songs, Streicherarrangements und Gefiedel. Übermut und Magie. Jenseits dessen: Wer weiß? Ich weiß es (noch) nicht. Aber es wird auf jeden Fall so großartig werden, wie ich es nur machen kann. Rechne damit in der ersten Hälfte 2003."
Weitere Infos:
www.mikescottwaterboys.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Waterboys
Aktueller Tonträger:
Too Close To Heaven
(Arista/BMG)


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