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OH SUSANNA
 
Tragische Magie
Oh Susanna
Es gibt Stimmen, manchmal sogar welche, die man beim ersten Hören noch nicht einmal unbedingt als "schön" einstufen würde, die man trotzdem nur einmal hören muß, um sie nie wieder zu vergessen. Suzie Ungerleider alias Oh Susanna ist so ein Fall. Der jungen Dame, geboren in den USA, aufgewachsen in Kanada, gelingt es, in jede Zeile ihrer Songs mehr Emotionen und Leidenschaft zu legen, als man auf einer durchschnittlichen Nick-Cave-Platte finden kann.
Getragen von ihrer Stimme, die für Country-Songs ebenso wie gemacht erscheint wie für soulige Balladen, ist auch ihre dritte Platte "Sleepy Little Sailor" eine kleine Perle der Singer/Songwriter-Kunst, die wohl nicht ganz zufällig auf dem gleichen Label wie die großartigen Werke der verstorbenen Eva Cassidy erscheint. Wer nun denkt, Suzie sei mit der Musik von Bob Dylan, Joan Baez oder vielleicht auch noch Lucinda Williams aufgewachsen, irrt allerdings gewaltig. Ihre musikalische Sozialisation sieht ganz anders aus: Nachdem sie schon früh die Beatles entdeckt hatte und als Teenie ihr erste selbstgekaufte Platte ausgerechnet von Pat Benatar stammte, widmete sie sich einige Zeit erst einmal den Rock-Klassikern (Rolling Stones, The Kinks, Bruce Springsteen), bevor sie Punk für sich entdeckte und alles von den Sex Pistols über The Clash, Elvis Costello, X, DOA bis hin zu den Dead Kennedys unglaublich spannend fand. Erst danach kam sie auf Hank Williams, Patsy Cline, Bill Monroe und die Field Recordings der 20er und 30er Jahre, die schon eher etwas mit ihrer eigenen Musik zu tun haben, nicht zuletzt, weil dort auch Geschichten erzählt werden.
Oh Susanna
Bisher hat Suzie ihre eigenen Gedanken stets in Songs verpackt, obwohl sie sich auch vorstellen könnte, auf die Musik zu verzichten. "Ich würde gerne Stories schreiben", erzählt die reizende Sängerin bei ihrem Zusammentreffen mit der Gästeliste in Köln, "aber dafür bräuchte ich mehr Disziplin. Geschichten muß man aufbauen, während Songs kleine Bläschen sind. Das liegt mir eigentlich mehr." Das wirft die Frage auf, ob Suzie denn einen Masterplan hat, nach dem sie ihre morbiden kleinen Dramen spinnt? "Gewissermaßen ja", gibt sie zu, "allerdings ist das wie mit Rezepten. Du planst, sie irgendwann wegzuwerfen. Gewöhnlich beginne ich mit einer Melodie. Zu der summe ich dann so lange vor mich hin, bis ich auf eine Story, eine Idee, einige Wörter komme, bis ich ein Thema gefunden habe. Das finde ich sehr aufregend." Wann ein Song letztendlich fertig ist, erklärt das dennoch nicht. Immerhin sprengt das Zehn-Minuten-Epos "Ride On" auf "Sleepy Little Sailor" alle Zeitgrenzen. Und nur mit Suzies schelmischer Erklärung ("Wenn Bob Dylan so lange Songs schreiben kann, darf ich das auch.") ist es ja nicht getan. "Dieser Song war einfach eine sehr bildliche Geschichte", meint sie. "Das Stück basiert zum Teil auf Steinbecks 'Jenseits von Eden', und das ist ja im Vergleich wesentlich dicker. Ich schrieb halt immer neue Strophen, weil ich noch nicht fertig war. Ich habe nämlich mit der letzten Strophe angefangen, dann die erste geschrieben und mich erst danach an den Mittelteil begeben."

Fest steht jedenfalls, daß Suzie die Abgründe der menschlichen Existenz, die morbiden Züge, das Tragische stets fasziniert haben." Vielleicht ist das ja irgendeine Art von Krankheit?" sinniert sie lachend. "Ich bin immer von tragischen Geschehnissen fasziniert, weiß aber nicht, warum. Tragödien sind auf jeden Fall interessant, weil sie so viele verschiedene Emotionen vereinen." Vielleicht hängt diese seltsame Vorliebe ja auch mit ihrer Herkunft zusammen? Die Rolle Kanadas als "Stiefbruder" des großen, mächtigen Amerika ist ja oft und lange diskutiert worden. "Nun, Kanada und Amerika sind sich sehr ähnlich", gibt Suzie zu bedenken, "es gibt aber einen Unterschied, und das ist die Landschaft. Die USA sind im Vergleich zu Kanada dicht besiedelt. Bei uns gibt es diese endlosen Landschaften, in denen du sprichwörtlich sterben kannst. Wenn es also etwas spezifisch Kanadisches gibt, dann ist das die Art, in der Kanadier über ihre Heimat singen."

Oh Susanna
Mit ein bißchen Glück ist Suzie aber bald in der ganzen Welt zu Hause, denn mit "Sleepy Little Sailor" hat Oh Susanna eine der schönsten Singer/Songwriter-Platten des Jahres aufgenommen, und nachdem Nordamerika bereits ihrem Zauber erlegen ist, dürfte es in Europa ebenfalls in Kürze so weit sein. Eine erste Tournee auf dem europäischen Festland, inklusive einer Handvoll von Shows auch in unseren Breitengraden, steht für Ende November/Anfang Dezember auf dem Programm. Es wird aber nicht die letzte sein, wie uns Suzie abschließend mit einem Lachen versichert: "Ich werde auf Tour sein, bis ich tot umfalle!"
Weitere Infos:
www.ohsusannamusic.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Oh Susanna
Aktueller Tonträger:
Sleepy Little Sailor
(Hot/Zomba)


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