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SOPHIE B. HAWKINS
 
Sanft, aber bestimmt.
Sophie B. Hawkins
Sophie B. Hawkins weiß schon, wem sie ihren Erfolg zu verdanken hat. Für ihre Fans ist sie deshalb immer da. Nach dem Konzert gibt es zunächst mal ein "Meet & Greet", wo verdiente Fangenossen ihrer Verdienste um das Fanwesen wegen eine Audienz gewährt wird. Neben den verstörten Gewinnern eines diesbezüglichen Sweepstakes sind dies vor allen Dingen Mitarbeiter der lokalen "Street-Promotion"-Sektion, die in Köln und Umgebung tapfer Plakate verteilt haben, sowie der Ortsgruppenleiter des Website-Komitees. Anstelle eines Parteiabzeichens bekommen diese zunächst mal Haribo-Himbeergelees angeboten. "Sophie ist ganz verrückt nach dem Zeug", erläutert Managerin Gigi, "wenn wir auf Tour sind, wird bei jedem Diner angehalten und nach Haribo-Bonbons gesucht." Gut zu wissen, daß es dieses Grundnahrungsmittel auch in den USA gibt. "Sophie schreibt alles auf einer alten Schreibmaschine", interpretiert Gigi weiter und lobt die Dienste der Anwesenden, "deswegen ist es wichtig, Leute zu haben, die das für die Website umsetzen." Sophie schreibt derweil unermüdlich und stets enthusiastisch Autogramme. Das ist aber noch nicht alles: Bereits von der Bühne herunter wurde angekündigt, daß Sophie im Anschluß Autogramme auch für das Fußvolk geben würde. Insofern warten draußen noch mal ca. 50 Unentwegte auf ihr Idol.
Nicht, daß wir uns falsch verstehen: Das ist natürlich schon eine lobens- und liebenswerte Einstellung, die Sophie da an den Tag legt - denn immerhin haben die Fans trotz des merkwürdigen VÖ-Tangos, den die letzte Scheibe, "Timbre", mehr als ein Jahr lang drehte, nachdem sich Sophie von ihrer alten Company trennte, die Treue gehalten. Auch die per Website propagierte Idee der Street-Promotion ist nicht ganz falsch: Denn wer scheint geeigneter, sich promotiontechnisch für ein Thema einzusetzen, als die Fans, für die dieses gedacht ist? Nur in dieser Ballung und professionellen Routine wirken diese Rituale doch ein wenig komisch - zumindest aber gewöhnungsbedürftig. Was aber nix macht, da Sophie ja auch eher unkonventionell agiert. Schließlich finden sich aber doch 10 Minuten für ein Interview.

Ob sie sich denn noch an ihren ersten Auftritt im Prime Club zu Köln (damals Luxor) erinnern zu könne, bei der sie ihre erste CD "Tongues and Tails" vorstellte, und wo jemand ein Bierglas auf der Bühne zerbrach - was für eine barfüßig auftretende Künstlerin ja gewisse Konsequenzen mit sich bringt. Nicht wirklich meint sie hierzu, das sei schon zu lange her. Was uns dann zu der Frage verleitet, was Sophie denn überhaupt von ihren Touren so an Erinnerungen behält. Hotelzimmer etwa, wie neulich eine blasierte englische Band zu diesem Thema meinte. "Hotelzimmer?" fragt Sophie ungläubig, "Blödsinn. Aber das ist eine interessante Frage. Das bin ich noch nie gefragt worden. Hm. Wenn überhaupt, erinnere ich mich an die Leute. Aber um ehrlich zu sein: Das verblaßt immer ziemlich schnell. Das liegt daran, daß ich auf der Bühne immer sehr im Moment lebe." In der Tat sind Sophies Live-Shows - heute mehr denn je - auf eine sympathisch unspektakuläre Art schon ziemlich ungewöhnlich. Sophie läßt sich scheinbar unbekümmert in ihre Songs hineinfallen, in der nicht irrigen Annahme, daß sie vom Publikum und den anderen beiden Musikern (Schlagzeug und Keyboards) schon aufgefangen werden wird. Anläßlich einiger Balladen bezeichnet sie die Situation als "mellow and intent" - was soviel heißt wie "Sanft, aber bestimmt". Das paßt eigentlich ganz gut auf die ganze Show. Was ist denn für die Performerin Sophie B. Hawkins so das Wichtigste auf der Bühne? "Ich muß mich auf der Bühne so in meinen Songs verlieren können, daß es mir gelingt, mich selbst zu überraschen", meint sie hierzu, "es ist wichtig für mich, daß die Stücke jedes Mal anders klingen. Sie müssen sich ständig verändern." Was sie auch tun: Fern von jedweder Poliertheit, Konzeption oder gar Virtuosität sucht Sophie beim Vortrag den Moment, den Augenblick, die Situation, die der Song gerade erfordert. Das kann eine minutenlange Jam-Partie ebenso sein, wie ein Gitarrensolo, eine angeregte Unterhaltung mit dem Publikum oder der Band bzw. die ganze möglich Palette des Hin und Hers dazwischen. Ist das auch ein Grund, warum Sophie mit so kleiner Besetzung mit Drums & Keyboard auftritt (sie selbst singt, spielt Gitarre, Djembe und Banjo). "Ehrlich gesagt: Der Hauptgrund ist das Geld", gibt sie zu, "ich muß die Leute auf dieser Tour zu 50% aus eigener Tasche bezahlen. ABER: Der Keyboard-Spieler ist wirklich ein Glücksfall. Er ist so gut und wir reagieren so gut miteinander, daß das definitiv ein Vorteil ist. Es geht aber noch mehr. Ich muß noch mehr mit dem Drummer zusammenarbeiten."

Sophie B. Hawkins
Sophie B. Hawkins auf der Bühne ist ein kaum zu bremsender Wirbelwind an Enthusiasmus, Energie und Schlagfertigkeit. Gibt es da eine Bühnen-Sophie, die nur dort existiert? "Hm. Nun ja, ich kann nicht die ganze Zeit sein wie auf der Bühne", überlegt sie, "ich frage das öfters meine Managerin, die immer kommentiert, was ich tue (wenn sie es nicht gerade mittels Digitalkamera dokumentiert). Und sie sagt, daß sei schon ich auf der Bühne - nur noch ein kleines bißchen mehr." Einer der Gründe, warum wir so lange auf ein neues Sophie B. Hawkins Album warten mußte, war ein lange gärender Dissenz mit der alten Plattenfirma, Columbia (Sony). Schließlich überwarf man sich an einem Detail: Einem Banjo auf dem zur Single gekürten Track "Lose Your Way". "Ja, das ist es, was das Faß zum überlaufen brachte ("the stick that broke the camel's back" - Sophie ist sehr für blumige Audrücke dieser Art zu haben). Es hatte schon lange gebrodelt. Ich hatte das Gefühl, das Label unterstütze diese Scheibe nicht richtig. Als sie dann noch sagten, ich solle das Banjo aus dem Stück entfernen, beschlossen wir, die Sache zu beenden." Nicht im Streit - Sony zeigte sich vergleichsweise kulant und rückte die Masterbänder heraus. Es ist aber schon eine kuriose Sache - wenn man z.B. bedenkt, daß Travis auch bei Sony sind, und deren "Sing" auch ein Banjo beinhaltet - was gerade den Charme des Songs ausmacht. "Sony in Europa haben mich eigentlich immer sehr gut unterstützt", meint Sophie, "aber ich konnte nicht bei Sony Europa sein und NICHT in den USA. Deshalb habe ich ein eigenes Label gegründet - Trumpet Swan (auf dem später ggf. auch andere Künstler veröffentlichen sollen) - und zunächst mal einen 1-Platten-Vertrag mit Ryko, dem momentanen Label, geschlossen. Jetzt bin ich in der glücklichen Position, für mein nächstes Album in Ruhe einen neuen Partner suchen zu können... Das einzig dumme daran ist, daß ich nicht zu Weihnachten mein neues Album herausbringen kann, was ich gerne getan hätte."
Sophie B. Hawkins
Dafür, daß der Kontakt zu den Fans dennoch nicht abreißt, sorgt Sophie's Website "The Cream Will Rise". Warum heißt diese denn eigentlich so? "Hauptsächlich deswegen, weil Sony die Rechte an meinem Namen hatte", erläutert Sophie, "jetzt habe ich diese zum Glück zurück - aber erst seit kurzem. 'The Cream Will Rise' hieß eine Dokumentation, die Gigi über mich gemacht hat. Den Begriff kennst Du, ja? (Ja - das heißt soviel, wie daß sich Qualität am Ende durchsetzt. Der Engländer sagt dazu "The Good Will Out") Die Fans kannten den Titel also schon von dem Film her." Auf der Website gibt es - neben den üblichen Sachen auch Gimmicks wie z.B. den Track "The Star Spangled Banner", zum herunterladen. "Ja. Ich bin aus New York", bringt Sophie die Sache auf den Punkt, "zum Glück war ich zum Zeitpunkt des Unglücks nicht da und kann auch jetzt nicht hin. Aber ich fühlte, daß es notwendig war irgendwie darauf zu reagieren. Das 'Banner'-Stück lag schon länger in der Luft. Warum noch gleich? Ach ja: Ich hatte es auf einer Veranstaltung gesungen. Jetzt schnappte ich mir einfach ein paar befreundete Musiker und wir haben das schnell zusammen produziert. Das ist im Grunde schon alles." Eine andere interessante Sache auf der Website ist ein Hinweis über eine Dokumentation über Schildkröten, die Sophie gemacht hat. "Turner TV hat das gemacht, nicht ich", berichtigt sie, "aber ich bin froh, daß ich die Gelegenheit dazu hatte. Gesehen habe ich es noch nicht, aber ich habe gehört, es sei jetzt fertig. Ich hatte auch mal persönliche Erlebnisse mit Schildkröten - bin mit ihnen geschwommen und so - was vielleicht nicht so interessant ist. Es ist mir aber wichtig, auf diese Tiere hinzuweisen. Wie Du vielleicht weißt, setze ich mich sehr für Tiere ein. Jeder hat so sein Ding - meines sind eben die Tiere." Wovon übrigens der Song "My Best Friend" zeugt, der auch zu Sophie's Live-Oeuvre gehört. Auf einer der vielen umherschwirrenden Versionen von "Timbre" gibt es auch ein paar Demos von neuen Songs. Wird es diese auch offiziell geben? "Ich würde das schon gerne machen", überlegt Sophie, "die Sache wäre nur die, daß die Stücke dann vollkommen anders klängen. Manchen Leuten gefallen ja die Demos sogar besser als die fertigen Stücke. Ich denke, es wäre dann besser, einfach neue Stücke zu schreiben." Und wie sehen die Pläne für die neue Scheibe aus? "Nun, ein paar Stücke habe ich bereits fertig. Ich habe aber - wie gesagt - momentan kein Label. Und dann habe ich mich noch nicht entschieden, mit welchem Produzenten ich zusammenarbeiten möchte und mit welchen Musikern. Ich weiß bislang nur eines: Daß die neue Scheibe ganz anders klingen wird, als 'Timbre'. Jede Scheibe muß ganz anders klingen." Sind wir also mal gespannt.
Weitere Infos:
www.sophiebhawkins.com
www.thecreamwillrise.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben / Ullrich Maurer (live)-
Sophie B. Hawkins
Aktueller Tonträger:
Timbre
(Rykodisc/Zomba)


Sophie B. Hawkins

 
 

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