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CATPOWER
 
Cover und mehr
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"Das ist ja wie zu Hause", meint Chan Marshall und räkelt sich auf dem bereitstehenden postmodernen Sofa. Auf die Frage, wo denn das wäre - zu Hause - muß sie dann allerdings einräumen, daß Sie so was im Grunde genommen zur Zeit gar nicht hat. Chan's Leben spielt sich seit einigen Jahren fast ausschließlich "on the Road" ab. Rastlos tingelt sie zwischen den USA, Europa und Australien hin und her. Was auch so seine Vorteile hat: "Im Hotel kannst Du immer Deinen ganzen Mist rumliegen lassen und der wird auch noch aufgeräumt. Das mag ich."
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Chan hat offensichtlich Ihren Frieden mit dem Rockbiz geschlossen. Nach einer 9-monatigen Tour mit Band, die sie fast um den Verstand gebracht hat, ist sie jetzt wieder solo unterwegs. Die innere Zerrissenheit, die früher Ihr Wesen und ihre Musik prägte, ist hierbei einer heiteren Gelassenheit gewichen. Insofern ist es nicht erstaunlich, daß ihr aktuelles "Covers Album" eine vergleichsweise bodenständige, selbstsichere und in sich ruhende Angelegenheit geworden ist. Chan 2000 ist geradezu ein Ausbund an Serenität und Coolness. Von Alpträumen, Psychosen und Herzschmerz weit und breit keine Spur. Dafür gibt es einen Grund und der heißt Daniel und ist Australier. Trotzdem ist "Herzschmerz" ein gutes Stichwort. Denn natürlich sind Chan's Songs - bzw. Ihre Interpretationen - nicht plötzlich lustige Schunkellieder geworden. "Ursprünglich wollte ich dieses Album 'The Lovers-Album' nennen", erklärt Chan die Sache, "denn da hat mir diese Journalistin vorgeworfen, ich sei auf 'groteske Art' melancholisch. Das ging mir so auf den Keks, daß ich durch Übertreibung den Spieß mal umdrehen wollte."

Auf dem "Covers Album" finden sich Chan's All-Time-Favourites, die sie auch live immer schon mal gerne spielte. Aber Liebeslieder? "Für mich sind das fast alles Liebeslieder", stellt Chan fest, "auch wenn es da einige politische Bezüge gibt - wie z.B. in 'Satisfaction' oder in den Folksongs. Aber es kommt auch auf den Kontext an, in dem man einen Song sieht." Bis dato war es nicht ganz einfach, Chan's Universum für den Betrachter in greifbarer Art aufzuschlüsseln, momentan hat sie aber z.B. mit der Frage, inwieweit sie denn in ihre eigenen Songs persönliche Erfahrungen einfließen läßt, keine Probleme. "Natürlich sind das persönliche Sachen - nicht nur von mir, sondern auch von anderen Leuten", meint sie, "aber ich drücke damit nicht nur meine Gefühle aus, sondern vielmehr auch mein Erstaunen über gewisse Zustände." Was im Nachhinein einiges erklärt. Chan ist auch nicht unbedingt bereit, ihr Seelenleben bis ins letzte künstlerisch zu verwerten. So wird sie z.B. auch weiterhin ihre Gemälde (u.a. Portraits von Bill Callahan, Will Oldham und ihrem Kätzchen) nicht als Artwork für Ihre Cover verwenden. "Diese Bilder sind einfach zu persönlich."

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Zum Glück gilt dieser Ansatz nicht für die Musik: Wenn Chan einen Song packt, dann macht sie ihn zu ihrem eigenen. Das geschieht aber auf eine ganz liebevolle Art und Weise. "Ich gebe den Songs eigene Titel", meint sie beiläufig. Nun ja, Kindern gibt man ja auch eigene Namen. Das geht soweit, daß man die Cover-Versionen kaum als solche erkennt - obwohl sie von so unterschiedlichen Leuten wie Bob Dylan, Bill Callahan, Folk-Sonderling Michael Hurley oder eben den Stones stammen. Chan's Sinn für's Melancholische verleiht diesen ebenso Flair wie ihre naive Art, die Sache anzugehen. "Das sind alles Songs, die ich liebe und von denen ich denke, daß ich Ihnen gerecht werden kann, wenn ich sie singe", ist ihre einziger Kommentar zur Auswahl der Tracks. Auf die Frage, was eine guten Cover-Version ausmachen sollte, ist die Antwort, daß es einzig zähle, daß man den Song respektiere und seiner Essenz treu bleiben solle. "Ich weiß nicht, ob Britney Spears das kann", resümiert sie schmunzelnd eingedenk der Tatsache, daß diese eine Cover Version von 'Satisfaction' anpeilt. "Es geht mir nicht darum, etwas zu beweisen", fügt sie hinzu, "ich brauche auch nichts zu den Songs hinzuzutun. Ich kann nichts besser machen, als die Leute, die die Songs schrieben."

Trotzdem führt Chan's Sichtweise der Dinge zu außerordentlichen Ergebnissen - z.B. im Falle von 'Satisfaction'. "Das war eine so offensichtliche Sache, daß ich es einfach machen mußte", schwärmt sie, "jedermann erwartet, Mick Jagger den Refrain grölen zu hören. Da konnte ich einfach nicht widerstehen." Ansonsten gibt es keinen besonderen Masterplan bei der Scheibe. Begriffe "bewußt" oder "geplant" kommen in Chan's Sprachschatz eh nicht vor. Bei ihr muß immer alles impulsiv und aus dem Bauch heraus passieren. "Ich sang diese Stücke immer schon bei den Konzerten und am Ende der letzten Tour war meine Setlist so lang geworden, daß ich mir vornahm, einfach mal eine Cover-Scheibe zu machen", erläutert sie, "Matador wollte zwar lieber Originale haben, und ich hatte auch neue Stücke, bin aber jetzt froh, daß ich diese noch nicht aufgenommen hatte, da ich diese mittlerweile ganz anders empfinde."

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Mittlerweile haben auch andere die emotionalen Qualitäten ihrer Songs entdeckt. Chan's Songs tauchen in Filmen von Michael Almereyda, Abel Ferrara und anderen auf. "Ja das ist ganz nett", freut sie sich, "demnächst läuft "Metal Heart" in einem Film mit Morgan Freeman. Und Asia Argento (New Rose Motel, A. Ferrara) ist ein Fan von mir und deshalb will sie noch ein paar Tracks in italienischen Filmen unterbringen." Wie sieht es denn da mit Soundtrack-Arbeiten aus? "Dafür bin ich nicht gut genug", winkt sie ab, "ich könnte nie so was machen wie Neil Young mit "Dead Man". Der Komiker David Spade fragte mich neulich, ob ich nicht mal einen Song zu einem Film beisteuern wollte. Aber dann sollte ich eine Cover-Version von einem Doobie Brothers Stück machen. Sowas kann und will ich aber nicht." Na klar, bei Chan muß halt alles aus dem Bauch heraus kommen...


Video-Interview Part 1
Video-Interview Part 2
Video-Interview Part 3
Video-Interview Part 4
Video-Interview Part 5

Weitere Infos:
www.net-quest.com/~arne/catpower
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
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Aktueller Tonträger:
The Covers Album
(Matador/Zomba)


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