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ELYSIAN FIELDS
 
Die Suche nach dem göttlichen
Elysian Fields
"Ihr könnt euch ja auf unserer Mailing-Liste eintragen - dann schicken wir euch die Termine von unseren Konzerten... in New York", meint Elysian Fields-Gitarrist Oren Bloedow anläßlich des eher spärlich besuchten Showcases in Köln. Das meint zwei Dinge: Erstens sind Elysian Fields eine der ganz wenigen Bands, die tatsächlich aus New York kommen und zweitens haben sie es bislang nicht geschafft, über einen Insiderstatus hinauszukommen (außer in Frankreich, wo man die Band feiert wie sonst nirgends). Hoffentlich ändert sich das bald einmal - an der Band liegt es jedenfalls nicht. Mit ihrer wahrlich einzigartigen Musik - eine düster ausgeleuchtete Melange zwischen Jazz-Noir und Alternative-Rock - ernteten sie schnell Kritikerlob. Mit Jennifer Charles haben Elysian Fields des weiteren eine Frontfrau, die ihresgleichen sucht. Mit lasziver Eleganz und erotischer Inbrunst leidet sich Jennifer (zumindest auf der Bühne) durch morbide Geschichten in denen "die Liebe den Tod überwindet", wie Oren das in der Ansage zu einem Stück nicht untreffend umschreibt. Nach einem völlig deplazierten Major-Deal mit dem Debüt-Album "Bleed The Cedar" ("Die Leute dort hatten nur Marilyn Manson im Kopf und wußten nicht mal, daß wir bei ihnen waren" - so Oren zu diesem Thema) zerstritt man sich angesichts des nie erschienenen Nachfolgealbums schließlich vollends. Die Sache endete böse für Elysian Fields. Das besagte Album "Clinical Trial" - produziert von Steve Albini und daher sehr rauh und düster und nicht eben Marketing-konform - verschwand in den Archiven der Plattenfirma. Die Band darf es weder veröffentlichen, noch Stücke daraus spielen. Das schlimmste daran war aber, daß durch diese Sache vier Jahre ins Land gingen, bis jetzt mit "Queen Of The Meadow" auf Robin Proper-Sheppards (Sophia) Flowershop-Label der Nachfolger erscheint.
Jennifer und Oren, im Leben wie auf der Bühne ein Paar und der kreative Nukleus von Elysian Fields, sind total unterschiedliche Menschen: Oren heißt "Kiefer" auf hebräisch. Das ist eine dieser sinnlosen Informationen, die sich zuweilen bei dem Versuch ergeben, auf elegante Weise ein Gespräch unter erschwerten Umständen anzuzetteln. Der Club, in dem das Konzert stattfand, war zwar halb leer, dafür ist das Restaurant indes überfüllt. Leider hat man vergessen, der Band einen Tisch zu reservieren. Jennifer muß zudem noch CDs verkaufen und Oren ist dabei, einen Platz für seine Gitarrentaschen zu finden. "Interview, kein Problem, das machen wir sofort, ich muß nur gerade einen Tisch organisieren", meint er und ist dann auch schon wieder verschwunden. Jennifer ist eine dieser typischen Bühnenscheinriesinnen und im richtigen Leben nur ungefähr 1,60 m groß. Wenn sie ihre Bühnenpersona abgeschaltet hat, sieht sie auch gar nicht so magnetisch aus, wie auf entsprechenden Fotos. "Entschuldige, daß wir Dich hier so rumstehen lassen", meint sie dann indem sie mit den CDs umherläuft, "aber ich muß noch einen Tisch organisieren." Dann sind beide weg. Ein Tisch findet sich deswegen trotzdem nicht. Nun. Das ist Rock'n'Roll. Schließlich findet sich doch noch alles so, wie es sein muß. Während laute Disco-Musik durch die Gegend dröhnt, die Band suspekte Tortellini-Knödelchen serviert bekommt und die "normalen" Gäste laut johlend ihr Kneipending durchziehen, fallen die Versuche, psychologisch geschickt formulierte Fragen an den Mann zu bringen, eher pathetisch aus. "Das eine kann ich Dir sagen", freut sich Oren, "das wird die Hölle, dieses Tape abzuhören." Aber auch das ist Rock'n'Roll.
Elysian Fields
Woher denn die düsteren Bilder in ihren Songtexten kommen, ist die erste Frage an Jennifer, die schließlich im allgemeinen Tohuwabohu durchdringt. "Aus meinem Leben, meinen Träumen und meiner Vorstellung", meint sie schließlich. Also das ist so: Jennifer antwortet gerne einsilbig. Dazu gibt es dann allerdings noch einen bestimmten Blick. Beschreiben läßt sich dieser nur schwer, er enthält allerdings ebenso Elemente des Amusements, wie unergründlicher Ernsthaftigkeit, philosophischer Eloquenz, spiritueller Abgehobenheit, ein wenig Mitleid und auch ein gewisses Fordern. Alles Sachen, die es einem Journalisten nicht eben leicht machen. Auf die Frage, worum es denn beim Titelstück, "Queen Of The Meadow" gehe, gibt es gar nur den Blick und den Hinweis, doch besser mal Oren zu fragen. Was merkwürdig ist, da Jennifer alle Texte schreibt. "Also als informierter Beobachter kann ich Dir dazu folgendes sagen", hebt Oren an, "der Song funktioniert auf zwei Ebenen. Zwei vermischte Wertigkeiten sind hier zusammengemischt. Das eine ist, die Natur, die Erde, das Leben zu wertschätzen. Den Rhythmus und die Abhängigkeit der Elemente der Natur anzuerkennen. Das andere ist über eine Art von Liebe zwischen Mann und Frau zu singen, worin der Liebende beim Geliebten Qualitäten findet, die für beide so essentiell wie Mais für Hopi." Mais für die Hopi? "Ja, das sind Leute, die in Verbundenheit mit der Natur leben und die Elemente vergöttlichen, Und das ist ein wichtiger Aspekt der Liebe. Ein Sinn für die Heiligkeit des Lebens wabert in allen von uns herum. Es ist so unglaublich wichtig... he - das habe ich nicht bestellt." Und dann geht ein großes Tellertauschen los und das Thema ist aus den Augen verloren. Egal: Was sich zeigt, ist, daß Jennifer und Oren unterschiedlicher sind, wie es kaum noch geht. An anderer Stelle antwortet Jennifer zum Beispiel auf die Frage, was man denn im Studio mit der Stimme gemacht habe, damit diese so - sagen wir mal - intim klingt, wie sie das auf der CD tut. "Nicht viel", währen Oren dann anschließend einen viertelstündigen Vortrag über Filter, Komprimierungstechniken, Mikrophonplatzierung, Harmonisieren, Equalisieren und anderen technischen Mumpitz hält. Das nur zum Äußerlichen. Im Folgenden stellt sich dann heraus, daß - obwohl die beiden ihre Songs zusammen schreiben - Oren, der bereits im Alter von 10 Jahren angefangen hat, zu musizieren, der musikalische Direktor ist, während Jennifer, die über eine Punk-Band zur Musik gekommen ist, und aus einer alten Jazzer-Familie stammt (was u.a. die Selbstverständlichkeit erklärt, mit der die verschiedensten Einflüsse in der Musik von Elysian Fields zusammenfinden), sowas wie das spirituelle Zentrum der Sache ist. Auf die Frage nämlich, was denn die treibende Kraft hinter ihrer Musik ist, antwortet sie nämlich - aufgemerkt und festgehalten: "Das Sehnen nach dem Göttlichen." Natürlich hinterlegt mit jeder Menge "Blick". Natürlich kann man das nicht einfach so stehen lassen. Immerhin könnte das ja ein komplexer Witz sein. Doch nein, Jennifer meint das todernst: "Das Reich der Musik ist das perfekte Mittel, um Gott und der Wahrheit näher zu kommen." Das reizt zu einer ganz profanen Betrachtungsweise: Ist das denn dann überhaupt als "Arbeit" zu bezeichnen? "Es ist schon Arbeit" - Blick - ", aber Arbeit, die in den Sternen geschrieben steht." Hat man das Ganze dann überhaupt noch unter Kontrolle? "Nein, das kannst Du nicht kontrollieren", meint Jennifer fast empört, "wenn Du versuchst etwas zu kontrollieren, dann zerstört es Dich." Ist das denn zum Beispiel der Grund, warum Jennifer meist mit geschlossenen Augen singt? "Absolut. Es ist eine Art Trance. Die einzige Möglichkeit, Freiheit in Deiner Arbeit zu finden, ist, die Kräfte Dich leiten zu lassen. Es ist allerdings ein gefährlicher Ort, in dem viel Unbekanntes lauert." Wie sieht es denn in diesem Zusammenhang mit Drogen aus? "Oh, ich habe mit Drogen experimentiert, das ist kein Geheimnis", lächelt Jennifer, "ich habe aber festgestellt, daß ich sie nicht brauche. Ich kann ohne Hilfe zu diesen Orten gehen."
Elysian Fields
Oren hingegen sieht die Sache etwas weniger ätherisch. Die Standard-Frage, was er denn mal musikalisch erreichen möchte, beantwortet er nämlich nicht, wie so oft, mit "mit einem Orchester arbeiten." "Das interessiert mich nicht. Ich meine: Ich würde schon mit einem Orchester arbeiten, aber mir dafür kein Bein ausreißen. Was ich möchte - und dafür brauchst Du kein Orchester - ist eine Methode zu finden, einen unglaublichen Moment zu kreieren, einen Moment, der unglaublich bewegend ist, der eine Ausweitung in der Zeit wiederspiegelt. Das kann ich in mir selbst, in meinem musikalischen Universum tun." Das birgt ja zwei Probleme in sich: Zum einen müßte Oren ja eigentlich alles aufnehmen, was er tut - denn ein solcher Moment kann sich ja auch zufällig ergeben. Und dann: Woran erkennt man diesen denn? Denn jeder nimmt ja Musik unterschiedlich wahr. "Das eine wirklich gute Frage und ich kann nicht sagen, ob ich die beantworten kann. Ich denke, daß ich es versuchen würde, in meinem Sinne zu erreichen. Mit meinem Körper als Klangkörper, sozusagen. Und ich würde es auch riskieren, daß es nicht universell ist. Ich mache mir darüber aber keinen Kopf. Ich hoffe nicht mal, daß es passiert. Ich erwarte es einfach. Von dem, was ich in meiner Karriere gesehen habe, kann ich sagen, daß es am besten ist, wenn Leute einfach das tun, was sie hören. Und alles aufnehmen muß ich ja auch nicht, weil ich mir ja schon merken kann, was funktioniert und was nicht."

Das mal alles zusammengenommen, ist es schon irgendwo verständlich, daß die Franzosen so was goutieren. Hinter Elysian Fields steckt also mehr, als die bloße Musik so hergibt. Man muß sich schon ein wenig mit den Inhalten und Formalismen auseinandersetzen, die das Gespann Jennifer Charles und Oren Bloedow in der Summe ausmachen. Die CD einfach unter "Gothic" abzuheften - wie in Köln's größtem CD-Laden passiert - hilft nicht wirklich weiter. Denn mit der Musik von Elysian Fields ist die Sache noch nicht abgetan: Zur Zeit sind zwei weitere Projekte in der Pipeline, das eine ist die neue Dan The Automator (Gorrillaz) CD "Nathaniel Merriwether Presents... LOVAGE: Music To Make Love To Your Old Lady By" - wie Jennifer sagt, eine Mischung zwischen Serge Gainsbourg und Barry White und ein Projekt namens "La Mar Enfortuna", in dem Jennifer und Oren mit allerlei "Weltmusikern" mündlich überlieferte spanische Songs (aus Zeiten der arabischen Besetzung) aus ihrem - so Jennifer - "madrigalen Kontext" herauslösen und auf ihre eigene Art und Weise verarbeiten. Jennifer und Oren singen dabei arabisch und in diversen exotischen Dialekten. Es gibt also viel zu tun: Hören wir's uns an.

Weitere Infos:
www.elysianmusic.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Elysian Fields
Aktueller Tonträger:
Queen Of The Meadow
(FlowerShop)


Elysian Fields

 
 

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