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SIX BY SEVEN
 
Helden für (mehr als) einen Tag
Six By Seven
Es ist fast schon ein Ritual. Bei eigentlich jedem Interview kommt man irgendwann auf die Live-Pläne der Künstler zu sprechen, und ohne Ausnahme ist die Antwort: "Geplant ist, daß wir acht Wochen nach der Veröffentlichung des Albums nach Deutschland kommen." Doch nur die wenigsten spielen dann auch wirklich in deutschen Clubs. Die einen finden keine Agentur, die anderen haben miserable Verkaufszahlen in den ersten Wochen und bekommen deshalb kalte Füße, wieder andere haben überraschend einen Nummer-1-Hit in Taka-Tuka-Land und spielen lieber in dem dortigen Pendant zu "Wetten Daß" ihre Single zu Vollplayback.
Deshalb ist es um so erstaunlicher, daß Six By Seven schon ab Ende Februar - zusammen mit The (International) Noise Conspiracy und Yvonne - zu Gast auf deutschen Bühnen sind - ihr ausgezeichnetes drittes Album "The Way I Feel Today" erscheint nämlich erst Mitte März! Und es sind auch nicht die obligatorischen drei, vier Konzerte in Hamburg, Köln oder München, die die inzwischen zum Quartett geschrumpfte Band aus Nottingham spielt, nein, gleich in zehn deutschen und zwei schweizer Städten sind die Briten am Start. Allerdings ist das nur auf den ersten Blick verwunderlich, schließlich ist Sänger Chris Olley in Deutschland aufgewachsen und insofern seine Vorliebe für seine alte Heimat natürlich verständlich. Die geht sogar so weit, daß sich auf der deutschen Erstauflage des Albums gleich zwei deutschsprachige Songs wiederfinden. Der eine heißt witzigerweise "Spiegelei und Brot" und kann mit der skurrilen Textzeile "Vor dem Henker stehe ich jetzt - meine letzte Mahlzeit: Spiegelei und Brot" aufwarten. "Ich arbeite darauf hin, irgendwann einmal eine Platte komplett auf Deutsch aufzunehmen", erklärt Chris beim Interview mit Gaesteliste.de. "Eigentlich wollte ich schon für diese Platte 'I.O.U. Love' mit einem deutschen Text singen, denn wenn ich Musik mache, dann in erster Linie für meine Freunde. Und es wäre wirklich schön gewesen, meinen Kumpels in Deutschland eine deutsche Version von 'I.O.U. Love' in die Hand drücken zu können und zu sehen, was sie davon halten. Als ich aber anfing, den Text zu übersetzen, erinnerte mich die deutsche Fassung sehr an Peter Maffays 'So bist Du', das ein Riesenhit gewesen ist, als ich noch klein war, und als mir das bewußt wurde, war sofort klar: Das kann ich nicht bringen!"

Auch der andere Bonustrack gehört für manche wohl in die Kategorie "das kann man nicht bringen". Ausgerechnet für eine Session der englischen BBC suchten sich Six By Seven die deutsche (!) Version von David Bowies "Heroes" aus. "'Heroes' gehört zusammen mit 'Love Will Tear Us Apart' von Joy Division zu meinen absoluten Lieblingssongs", klärte uns Chris schon bei unserem letzten Gespräch vor zwei Jahren auf. "Sie handeln außerdem von genau den Themen, die ich auf der neuen Platte ansprechen wollte. Die deutsche Version haben wir als Hommage an Berlin und den 10. Jahrestag des Mauerfalls gespielt. Ich weiß, daß viele Deutsche das nicht mehr hören können. Aber gerade für jemanden wie mich, der lange in Deutschland gelebt hat, war das unglaublich zu sehen, daß und wie schnell der Umbruch passiert ist."

Umbruch ist ein gutes Stichwort, denn während die Band auch beim neuen Album ohne echten Producer auskommt und lieber ihren alten Kumpel Ric Peet ein weiteres Mal an die Regler gesetzt hat, ist ihnen auf dem Weg ein Bandmitglied verloren gegangen. "Anfangs hab ich mir ziemlich in die Hosen gemacht, aber letztendlich war es ein Katalysator für das Vorankommen der Band", kommentiert Chris den Ausstieg von Gitarrist Sam Hempton. "Als wir zum ersten Mal zu viert zusammen gespielt haben, hörte sich das nämlich auch klasse an, und der ganze Ballast, den wir zuvor mit uns herumgeschleppt hatten, war einfach von uns abgefallen. Nichts gegen Sam, aber seine Zeit mit der Band war einfach abgelaufen. Drei Wochen, nachdem Sam allen erzählt hatte, er würde nie wieder auf einer Bühne mit mir stehen wollen, kam er dann wieder an und wollte wieder einsteigen. Da haben wir ihm alle nur sagen können: Vergiß es, wir kommen auch hervorragend ohne dich klar!" Der Bruch inspirierte übrigens Chris zum Titeltrack der neuen Platte und der Zeile "the way i feel today is better than you". Es darf also vermutet werden, daß Sam und er zwar ähnliche Ziele hatten, nur nicht zur gleichen Zeit, und deshalb nicht mehr miteinander klargekommen sind.
Six By Seven
Aber wie Chris richtig sagt, den Verlust von Sam sieht die Band inzwischen als Gewinn, und das kann man auch dem - übrigens schon letztes Frühjahr fertiggestellten - Album anhören. Mit "So Close" fängt das Album zwar so an, wie es 40 Minuten später mit "Bad Man" aufhört, aber zwischen diesen beiden vor Energie und Spielfreude strotzenden Drone-Rock-Knallern finden Six By Seven jede Menge Freiräume, uns auch eine andere Seite der Band zu präsentieren. "I.O.U. Love" ist mit seiner ausgefallenen Instrumentierung schon früh ein überraschendes Highlight, und "American Beer" ist nicht nur, weil es das längste und epischste Stück ist, so etwas wie das Herzstück des Albums: Eine gekonnte Gratwanderung zwischen introvertiert-ambitionierter Gitarren-Popmusik und unbändiger Rock-Power, die trotzdem nichts mit dem von Chris vielgehaßten Nu-Metal-Kram zu tun hat. Noch dazu mit ziemlich interessanten Texten, obwohl Chris davon überzeugt ist, daß viele Leute sie einfach nicht verstehen. Da fragt man sich natürlich, ob sie's denn sollten? "Ja, ich denke schon. Besonders bei der neuen Platte handeln eigentlich alle Texte von mir und meinem Leben, alles ist sehr persönlich und reflektierend. Wenn jemand mich wirklich kennen lernen will, muß er sich eigentlich nur noch hinsetzen und die Texte lesen." Da darf vermutet werden, daß es Chris schwerer fallen sollte, die Stücke vor einigen hundert Leuten live zu singen. "Nein, das glaube ich eigentlich nicht", erwidert Chris, nachdem er ziemlich lange über die Frage nachgegrübelt hat. "Wenn du rausgehst auf die Bühne, wirst du in dem Moment zu einem anderen Menschen. Der Typ, der ich im normalen Leben bin, würde sich nie trauen, auf eine Bühne zu gehen, aber in dem Moment, in dem ich rausgehe auf die Bühne, werde ich zu einem anderen. Das Gleiche gilt auch für die Texte: Sie sind nur fließende Gedanken und manchmal brauche ich ein Jahr oder noch länger, um selbst zu begreifen, worum es dabei eigentlich geht." Deshalb ist auch der Albumtitel gut gewählt. Denn egal, wann man den Sinn hinter den Texten von Six By Seven auch versteht, es geht immer noch um das Hier und Jetzt, um "The Way I Feel Today". Dem kann auch Chris nur lachend zustimmen: "Auf diese Art ist wenigsten sichergestellt, daß die Platte nicht aus der Mode kommt, hahaha!"
Weitere Infos:
www.sixbyseven.co.uk
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Pressefreigaben-
Six By Seven
Aktueller Tonträger:
The Way I Feel Today
(Mantra/Beggars Banquet/Connected)


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