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AIR
 
Eine witzige Band
Air
In den letzten Jahren haben es unzählige geldgierige Acts mit sinnlosen Veröffentlichungen geschafft, den Begriff des "Remixalbums" zum Schimpfwort werden zu lassen. Daß es nun ausgerechnet Air gelingt, mit einem solchen Album auf ganzer Linie zu überzeugen, ist ebenso überraschend wie erfreulich. Aber was heißt hier eigentlich "Remixalbum"? So genau war sich vor Veröffentlichung eigentlich niemand sicher, als was man die "Everybody Hertz" betitelte Platte, die einige Singles-Mixes, eine Handvoll ausgezeichneter Remixes und ein brandneues Stück versammelt, nun eigentlich bezeichnen soll: Mega-Maxi, Mini-LP, Remixprojekt? "Ich würde es eine Sammlung der Singles des letzten Albums bezeichnen", klärte uns Nicolas Godin Ende Januar beim Interview mit Gaesteliste.de auf, "nur, daß wir eben diese Singles nicht wirklich als Singles veröffentlicht haben [bis auf das hier konsequenterweise fehlende "Radio #1"] und sie deshalb jetzt zu einem Album zusammengefaßt haben."
Außer Roger Manning (der nicht ganz zufällig vor zehn Jahren mit dem derzeitigen Air-Baßmann Jason Falkner zusammen in der großartigen Band Jellyfish spielte und auch schon auf "10,000 Hz Legend" an den Keyboards saß) gelingt es zwar niemandem, aus "Don't Be Light" mehr zu machen als im Original, aber unter den restlichen Tracks finden sich doch eine ganze Reihe echter Perlen: Der Easy-Listening-angehauchte Modjo-Mix von "People In The City" etwa, oder Jack Lahanas HipHop-Mix des gleichen Stücks (bei dem aus den "people" unglaublicherweise plötzlich "bitches in the city" werden!) und allen voran Adrian Sherwoods reggaefizierte Version von "How Does It Make You Feel", mit der das heimische Sofa in Sekundenschnelle zum Strandkorb wird. Weil sich Nicolas und sein Partner Jean-Benoit Dunckel bekanntlich keine Credibility erkaufen müssen, konnten sie sich den Luxus leisten, mit der Auswahl der beteiligten Remixer geradezu missionarische Ziele zu verfolgen. "Unser Ziel war es, unseren Fans einige Acts näher zu bringen, die wir persönlich großartig finden", erklärte Nicolas. "Mr. Oizo zum Beispiel halten wir für ein echtes Genie, und wir wollten auf diese Weise mehr Leuten die Chance geben, seine Musik zu entdecken."

Die neue Platte ist umso überraschender, wenn man bedenkt, daß sich die Franzosen ja eigentlich gerade mit dem letztjährigen Album "10,000 Hz Legend" vom Untergrund in Richtung Pop-Olymp verabschiedet zu haben schienen, was auch die ausgezeichneten Konzerte letzten Herbst unterstreichen konnten, bei der Air eine große Pop-Extravaganza präsentierten. "Wo habt ihr uns denn gesehen? In Köln? Das war ein wirklich guter Abend für uns. Aber in Deutschland haben wir sowieso immer die besten Publikumsreaktionen. Das war auch schon auf unserer ersten Tournee so. Die Konzerte sind aber kein Maßstab für unsere nächste Platte, das war nur etwas, das wir uns für die Tournee überlegt haben. Uns ist es sehr wichtig, uns ständig zu verändern, deshalb werden wir für die nächste Tour wahrscheinlich auch wieder eine andere Band zusammenstellen."

Air
Damit nimmt Nicolas auch gleich denjenigen Kritikern den Wind aus den Segeln, die schon letztes Jahr Ausverkauf witterten. Doch für Air spielt es keine Rolle, daß auf ihr Debütalbum "Moon Safari" vor vier Jahren die Formel "je poppiger, desto erfolgreicher" anwendbar ist. "Wir denken schlicht und ergreifend nicht so. Wir gehen einfach ins Studio und lassen uns überraschen, was passiert." Kein Wunder also, daß Nicolas uns zwar verraten konnte, daß Air bereits wenige Tage nach unserem Gespräch mit den Aufnahmen zu ihrem nächsten Album beginnen wollten, aber noch keinen Schimmer hatten, in welche Richtung sich die Band soundtechnisch wohl entwickeln würde.

Nur so viel wollte Nicolas sagen: Den größten Einfluß auf klangliche Veränderungen haben nicht Platten, die das Duo in den letzten zwei Jahren gehört hat, oder besondere Erlebnisse auf Tour, sondern vor allem neues Equipment, das sich Nicolai und Jean-Benoit mehr oder weniger wahllos zusammenkaufen: "Wir wechseln für jedes Album die Instrumente, Mikrofone und Vorverstärker komplett aus. Das machen wir dann aber eher aus dem Bauch heraus. Wir gehen einfach in einem Laden und kaufen neues Equipment." Bis zur Veröffentlichung dauert es ja noch ein ganzes Weilchen, aber wir haben ja mit "Everybody Hertz" nun erst einmal einen äußerst angenehmen Zeitvertreib. Zum Schluß wollten wir dann aber doch noch gerne wissen, wo der Albumtitel herkommt, dessen Wortspiel sich ja nicht nur auf das letzte Air-Album zu beziehen scheint, sondern auch als Wink in Richtung R.E.M. mit ihrem alten Hit "Everybody Hurts" zu verstehen sein könnte, oder, Nicolas? "Hmmm, vielleicht?!" erwiderte der Franzose vielsagend grinsend und fügte lachend an: "Wir sind schon eine witzige Band!"

Weitere Infos:
www.10000hzlegend.com
source.astralwerks.com/air/
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Pressefreigaben-
Air
Aktueller Tonträger:
Everybody Hertz
(Source/Virgin)


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