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CATIE CURTIS
 
Im Inneren des Pianos
Catie Curtis
"Als Kind saß ich immer neben dem Piano und wollte hineinkriechen", erläutert die Songwriterin Catie Curtis aus Boston wie sie zur Musik gekommen ist, "und dabei ist es dann irgendwie geblieben. Ich wollte immer mitten im Musik-Business sein. Zwar habe ich zunächst Geschichte studiert, mich dann aber entschlossen, professionell Musik zu machen. Das läuft nun schon seit 10 Jahren und ich denke, ich bin 'lebenslänglich' dabei. Ich habe zwar mal Sozialarbeit gemacht, denke aber, daß ich bei der Musik bleiben werde." Catie kommt aus der Bostoner Szene. Bereits 1996 erzählte Morphine-Drummer Billy Conway, daß er da mit "dieser Country-Sängerin" auf dem Album "Truth From Lies" zusammenarbeite.
Natürlich macht Catie keine klassische Country-Musik - aber ihre Songs basieren irgendwo auf Folk-Strukturen. "Meine Stücke sind immer zunächst als Duo-Versionen für die Besetzung Gitarre / Mandoline konzipiert", erläutert Catie, "denn meistens trete ich mit meinem Freund Jimmy Ryan auf, der Mandoline spielt. Auf der neuen Scheibe ist das aber ein bißchen anders." Stimmt, denn anders als auf den bisherigen Alben von Catie, gibt es auf der neuen Scheibe "My Shirt Looks Good On You" - neben einigen Kollaborationen beim Songwriting - vor allen Dingen einen ziemlich organischen Band-Sound. "Schön, daß Du das erwähnst", meint sie, "denn das ist es genau, was ich wollte. Wir haben uns alle zusammen in ehemaligen Studio von Mark Sandmann (dem verstorbene Morphine-Sänger) getroffen und dort geprobt. Dann sind wir zusammen in das Dreamland-Studio in New York umgezogen, was eine umgebaute alte Kirche ist. Dort haben wir dann zusammen gewohnt und gearbeitet." Das Ergebnis klingt denn auch wie aus einem Guß. Besonders gefällt, wie sich die Stücke rhythmisch entwickeln. "Shirt" ist sicherlich eine von Billy Conways besten Arbeiten. "Billy kann sehr gut auf andere Musiker eingehen und die Stücke regelrecht 'umspielen'", bestätigt Catie, "wir hatten auch einen zweiten Drummer, Billy Beard, der Billy Conway ergänzte. Hinzu kommt, daß ich mir angewohnt habe, meine elektrische Gitarre wie eine akustische zu spielen - auch von der live-Performance her, was auch besondere rhythmische Akzente setzt."
Catie Curtis
Und dann wäre da noch zu erwähnen, daß das Album auf Caties persönlichen Wunsch von Trina Shoemaker produziert wurde, die mit ihren Arbeiten für Sheryl Crow, Ryan Adams oder Kristin Hersh ja stets ein Händchen für "handgemachte" Musik bewiesen hat. Und dann sind da noch die Gäste. "Ja, da kam zum Beispiel Julie Wolf zu uns. Sie spielt Keyboards bei Ani DiFranco, ist aber auch eine hervorragende Sängerin. Ihr Beitrag war sehr wichtig." Des weiteren spielt Morphin-Saxophonist Dana Colley auf drei Stücken mit. "Das war eher ein Zufall. Manchmal fehlt einem zu einem Stück noch irgendwie der richtige Kick. In Fall von 'Don't Lay Down' war das z.B. Danas Saxophon. Es war so toll, daß mir die Tränen kamen. Als wir dann zusammen 'Patience' spielten - einen Song, den Mark Sandmann geschrieben hatte, aber nie aufnehmen konnte - kamen ihm die Tränen. Es war sehr ergreifend." Diese neue Offenheit tut der Musik von Catie Curtis hörbar gut. Die Stücke auf "Shirt" sind allesamt vielseitiger und runder als die auf den Vorgänger-Alben. Eine Einschränkung macht Catie aber noch in Bezug auf Kollaborationen. "Ich bin ziemlich einig, wenn es um Texte geht", gibt sie zu, "als ich zum Beispiel 'Sugar Cane' mit Mary Gauthier schrieb, konnten wir uns über ein paar Zeilen einfach nicht einigen. Deshalb singe ich das Stück mit einem teilweise anderen Text als Mary." Mary ist eine Songwriterin aus New Orleans, mit der sich Catie auf Anhieb gut verstand. Das besagte Stück findet sich auch auf Mary's neuer Scheibe "Filth & Fire", die jetzt erscheint. Noch ein anderes Stück auf Caties CD wurde von Mary beeinflußt. Es ist dies "Love Takes The Best Of You" - ein Stück über adoptierte Kinder. Ein wahrlich nicht alltägliches Thema. "Ja, und es hat mich gefunden, das Thema", lächelt Catie, "zunächst mal hatte ich nur diese eine Zeile - 'Love Takes The Best Of You'. Irgendwie kamen mir dabei mütterliche Gefühle. Und ich dachte mir 'komisch - du hast doch gar keine Kinder'. Als ich dann Mary's Song 'Goodbye Is My Family Name' hörte [ein autobiographischer Song vom neuen Album Mary's, die selbst als Kind adoptiert wurde], da wußte ich, daß ich einen Song über adoptierte Kinder und deren Mütter schreiben wollte." Überhaupt greift Catie ein breites Spektrum an Themen auf: Neben den üblichen Reflektionen über die Liebe (der Titelsong zum Beispiel), gibt es auch soziales ("Sugar Cane" spielt in einem der von Mary Gauthier bevorzugten sozialen Randgebiete) oder metaphorisches, wie z.B. den Track "Bicycle Named Heaven". "Ich hatte gar kein Fahrrad namens 'Himmel'", gibt Catie denn auch zu, "aber ich dachte, es ist eine schöne Metapher für Freiheit".
Nun mag die thematische Vielseitigkeit ein wenig seltsam erscheinen, wer jedoch selber mal Songs geschrieben hat, weiß, wie wenig man zum Teil beeinflussen kann, wie so ein Song entsteht. Das ist es auch, was Catie am Besten an ihrer Arbeit gefällt. "Ich liebe es, wenn mir irgendein Gedanke im Kopf herumschwirrt, aus dem dann ein Song entsteht. Es bedarf zwar viel harter Arbeit, bis das Stück fertig ist, es geht aber nichts über diesen kreativen Prozeß." Na dann sind wir mal gespannt, wie sich das alles auf Tour anhört. Abhängig davon, wie das Label entscheidet - so eine Tour will ja finanziert werden - wird Catie entweder mit Jimmy Ryan als Duo auftreten, oder mit der Band. In jedem Fall wird es aber eine gesunde Mischung aus ihrem bisherigen Werk mit dem Hauptgewicht auf der neuen Scheibe geben. In der Band-Version kommt dann auch ein Schuß Rock dazu (etwa so, wie auf dem Openener, "Run".) Auf Cover Versionen steht Catie nicht so sehr... "außer vielleicht 'Fisherman's Blues' von den Waterboys - das ist ein Stück, das ich sehr gerne mag."
Weitere Infos:
www.catiecurtis.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigabe / Ullrich Maurer-
Catie Curtis
Aktueller Tonträger:
My Shirt Looks Good On You
(Rykodisc/Zomba)


Catie Curtis

 
 

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