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THE MISSION
 
In goth's country?
The Mission
Früher war alles besser. Für den Rock N Roll gilt das ganz besonders. Aber nicht nur für die Musik, sondern auch für den Lebensstil. The Mission hatten ihre größten Hits ausnahmslos in den 80ern: "Serpent's Kiss", "Severina", "Wasteland", "Beyond The Pale", "Butterfly On A Wheel" - alles Klassiker, alles Songs der vorletzten Dekade. In den 80ern schaffte es ein renommiertes englisches Musikmagazin außerdem, eine riesengroße Story über The Mission auf Tour in Italien fast ausschließlich mit den Alkoholexzessen der vier Engländer (und des Schreiberlings) zu füllen. Überhaupt waren The Mission fast schon auf dem Weg zum Klischee - Sex, Drugs and Rock N Roll auf allen Ebenen.
Doch inzwischen sind The Mission nicht nur personell eine andere Band, auch ihr unbestrittener Kopf, der notorische Sonnenbrillenträger Wayne Hussey, ist ein anderer Mensch. Um 17.00 Uhr soll er im Backstageraum der Zeche Bochum Gaesteliste.de erneut Rede und Antwort stehen. Während es für ihn früher wohl zum guten Ton gehört hätte, den Termin zu canceln oder zumindest zu verschieben, egal ob nun wegen Drogen, Alkohol oder Damenbesuch, steigt Wayne nebst Gattin Cinthya um 16.59 Uhr gut gelaunt aus dem Tourbus, um pünktlich auf die Sekunde die Gesprächspartner in Empfang zu nehmen. So verwunderlich ist das dann aber doch nicht, schließlich scheinen die harten Zeiten für The Mission endgültig vorbei zu sein. Nach Jahren des schleichenden Zer- und Verfalls ist die Band in neuer Besetzung (anno 2002 neben Wayne auch Mitgründer und Rückkehrer Craig Adams am Baß, Drummer Scott Garrett und der von Gary Numan empfohlene Gitarrist Rob Holliday), aber alter Frische, wieder voll da. Ihre Frühjahrstournee ist in vielen Städten ausverkauft, ihr aktuelles Album "Aura" ist das beste seit zehn Jahren, die erste Single "Evangeline" darf schon jetzt zu den Klassikern der vier Briten gezählt werden, und auch die dieser Tage erscheinende neue Single-EP "Shine Like The Stars" (u.a. mit der tollen Depeche Mode-Coverversion "Never Let The Down Again"), die wie schon der Vorgänger nicht nur als gewöhnliche CD, sondern auch als formschöne Doppel-7" mit Klappcover und farbigem Vinyl erscheint, kann sich mehr als nur hören lassen. Grund genug, uns noch einmal mit Wayne zusammenzusetzen.

Gästeliste: Diese Europatournee im Frühjahr 2002 ist die längste zusammenhängende Tournee seit mehr als zehn Jahren, stimmt's?

Wayne: "Ja, zumindest fühlt es sich so an. Die US-Tournee, die wir vor zweieinhalb Jahren gespielt haben, war auch ungefähr sechs Wochen lang, und jetzt sind wir erst vier Wochen unterwegs, aber man kann schon sagen, daß dich der alltägliche Wahnsinn langsam einholt. Wenn du eine Tour dieser Länge machst, ist es völlig normal, daß du in den ersten zwei Wochen ein bißchen durchdrehst. Wir waren alle regelmäßig ziemlich besoffen und ziemlich stoned, weil wir einfach zu oft die Nacht zum Tag gemacht haben. Dann merkst du, daß dir die Dinge entgleiten, und du nimmst dich ein bisschen zusammen. Der Grund, warum ich lange Tourneen normalerweise ablehne, ist, daß du sehr schnell gleichgültig wirst. Du bist nicht mehr nervös, und du fühlst auch den Adrenalin-Kick nicht mehr. Ich habe mich vorhin im Bus mit dem Lichttechniker unterhalten, und er sprach von der Show letzte Nacht, und ich mußte ihn fragen: 'Sag mal, wo haben wir eigentlich gestern gespielt?' Ich hatte es einfach vergessen. Wenn du so viele Konzerte spielst, verwischen die Erinnerungen immer mehr."

GL: Gilt das auch für Songs? Immerhin sind einige eurer größten Hits inzwischen 15 Jahre alt, und ihr habt sie Hunderte von Malen gespielt.

Wayne: "Für jeden Song gilt, daß er eine bestimmte Lebensdauer hat. Mit jedem Stück erreichst du irgendwann den Punkt, an dem du ihm eine Pause gönnen mußt, weil es zu langweilig wäre, den Song weiterhin zu spielen. Das ist mit Songs genauso wie mit vielen anderen Sachen. Wenn du nach einer Pause zu etwas zurückkehrst, lernst du es ganz neu zu schätzen."

GL: Gibt es keine Ausnahmen?

Wayne (überlegt lange): "Ich kann nur für mich sprechen, aber ich genieße 'Tower Of Strength' ebenso wie 'Butterfly On A Wheel', weil ich das ganz einfach gerne singe. 'Wasteland' hat mich eine zeitlang fürchterlich gelangweilt, also haben wir das Stück lange nur sehr sporadisch gespielt, und erst für die HIM-Tour haben wir es mit Rob wieder neu gelernt. Seitdem macht es wieder richtig Spaß zu spielen."

GL: Der Song, der offensichtlich dem Publikum am meisten bedeutet, ist "Deliverance", das ja bei den Konzerten oft vom Publikum vor den Zugaben intoniert wird...

Wayne: "'Deliverance' ist ein Sonderfall. Den Song zu proben, ist das Allerlangweiligste, weil ich den Song nun wirklich kenne. Trotzdem proben wir ihn manchmal. Das ist wie mit einem Fußballteam. Natürlich wissen dort alle, wie man Fußball spielt, aber du mußt üben, in der Mannschaft zusammenzuspielen. Deshalb spielen wir ab und zu 'Deliverance' auch bei den Proben, aber es ist einfach nur langweilig. Erst beim Konzert bekommt das Stück seine besondere Atmosphäre."

GL: War dir eigentlich von Anfang an bewußt, daß der Song zu solch einer Hymne werden würde, als ihr ihn geschrieben und aufgenommen habt?

Wayne: "Um ehrlich zu sein: Der Song wurde speziell dafür geschrieben, zu einem Singalong zu werden, wir wußten sofort, daß das ein guter Song für das Ende der Shows sein würde, weil er einfach diesen hymnischen Charakter hat. Auch auf der neuen Platte ist ein Song, 'Lay Your Hands On Me', der nach einem ähnlichen Muster entstanden ist. Genau deshalb ist es auch das Stück der Platte, das ich am wenigsten mag. Während alle anderen Songs sehr natürlich sind, ist dieser eben sehr designed. Wir haben ihn für die Tour geprobt, aber irgendwie funktionierte es nicht, also spielen wir ihn auch nicht. Trotzdem gibt es viele Leute, die sagen: 'DAS wäre doch wirklich ein toller Song für ein Konzert!' Aber vielleicht kommen wir ja später mal darauf zurück, wer weiß?"

GL: Der interessanteste Song auf eurer neuen Single ist sicherlich "Never Let Me Down Again", das ihr ja schon seit einiger Zeit live spielt. Wie kam es dazu? War der Song von vorneherein als Single-B-Seite geplant, oder entwickelte er sich auf der Tour einfach zu einem besonderen Favoriten?

The Mission
Wayne: "Diesen Song haben wir zum ersten Mal bei den Aufnahmen zu 'Masque' [von 1992] ausprobiert. Wir haben ihn damals aufgenommen, aber nie fertiggestellt, damals waren noch Craig, Mick [Brown] und ich in der Band. Wir haben das Stück dann oft bei Soundchecks gespielt und es auch ein- oder zweimal auf Tour im Jahr 2000 gespielt, als Mark [Twaite] noch in der Band war. Als wir dann unseren neuen Gitarristen Rob eingearbeitet haben, hatten wir nur vier oder fünf Tage Zeit, bevor die Tour mit HIM losging. Und da er den Song kannte und er einfach zu spielen ist, landete er wieder im Set. Abgesehen davon haben wir auf der Tournee vor einem Publikum gespielt, das vor allem aus jungen Kids bestand. Also dachten wir: Wenn sie uns schon nicht kennen, dann zumindest diesen einen Song. Allerdings stellte sich schnell heraus, daß sie das Stück auch nicht kannten! Das war schon eine ziemliche Überraschung! Ich mochte den Song einfach immer schon, er ist eines meiner Lieblingsstücke von Depeche Mode, und wie bei jeder anderen Coverversion, die wir spielen, hatte ich auch da das Gefühl, daß wir daraus einen echten Mission-Song würden machen können, daß wir dem Stück einen eigenen Charakter würden geben können."

GL: Das erklärt, warum der Song immer noch im Liveset wiederzufinden ist. Aber warum landete er auch auf der neuen Single?

Wayne: "Wenn du ein Album aufgenommen hast, nimmst du gewöhnlich auch ein paar B-Seiten auf. Irgendwann kommt dann aber die nächste Single, und dir fehlen einfach Songs. Da überlegst du, was man machen könnte, und der erste Gedanke ist immer: Eine Coverversion! Das ist nicht besonders originell, aber es macht Spaß, Cover zu spielen, weil du dich dort nicht so hineinsteigern kannst, wie das manchmal bei deinen eigenen Songs vorkommt."

GL: Wo wir gerade von der HIM-Tour gesprochen haben - zum Tourabschluß in London steht ihr wieder mit HIM auf der Bühne, allerdings unter umgekehrten Vorzeichen?

Wayne: "Ja, dieses Mal sind sie unsere Gäste! Ich hoffe nur, daß sie nicht ihre drei Bassdrums und den großen Gong mitbringen - dafür wird kein Platz sein, hahaha!"

GL: Wie schätzt du rückblickend diese Tournee im letzten Herbst ein?

Wayne: "Das war eine großartige Chance für uns, mal vor einem Publikum zu spielen, das uns nicht kannte. Bis zu einem gewissen Grad war die Tournee erfolgreich, denn wir haben einige neue Fans gewonnen. Es war sehr interessant, jetzt bei unseren eigenen Shows in Deutschland zu sehen, wie vor allem die jungen Mädels in der ersten Reihe, die offensichtlich erst durch die HIM-Konzerte von uns gehört haben, all unsere neuen Songs mitgesungen haben, aber sobald wir was Altes gespielt haben, schauten sie nur ganz verstört. Das ist uns noch nie vorher passiert, das ist ziemlich bizarr!"

GL: Diese Tournee war eure erste Support-Reise seit Jahren, oder?

Wayne: "Stimmt! Ganz am Anfang unserer Karriere haben wir The Cult in England supportet, dann sind wir zuerst mit den Psychedelic Furs, dann mit Robert Plant in Amerika getourt, und dann haben wir eine ganze Reihe Shows mit The Cure gespielt. Wir hatten es lange nicht mehr gemacht, aber die Tour mit HIM war eine gute Erfahrung. Als Supportband zu spielen ist wirklich easy. Du mußt später an der Halle sein, der Soundcheck ist kürzer, die Wartezeit bis zum Auftritt ist sehr gering, du spielst 45 Minuten und bist früh fertig. Und dann legst du dich ins Bett... oder auch nicht, hahaha!"

Weitere Infos:
www.themissionuk.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Pressefreigaben-
The Mission
Aktueller Tonträger:
AurA
(Playground/SPV)


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