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THE NEW PORNOGRAPHERS
 
Spaßvögel United
The New Pornographers
Die neuen Pornographen kommen aus Vancouver, Kanada, und sind ein ziemlich konfuser Haufen. Gerade das aber ist ihr Erfolgsgeheimnis. Der Vorstandsvorsitzende Carl Newman erläutert den Umstand, daß die Band eigentlich aus den Mitgliedern anderer Bands besteht, so: "Also, ich kann es nur für mich sagen. Ich war mit dem, was ich mit meinen anderen Projekten (Zumpano) machte, nicht mehr zufrieden. In Dan Bejar, dessen Band Destroyer den Pornographers noch am ähnlichsten klingt, fand ich dann einen Gleichgesinnten und wir beschlossen, zusammen etwas zu machen." Den Namen The New Pornographers gab Carl dem Projekt nur, weil "er gut klang". Daß der Name natürlich irgendwelche Reaktionen hervorruft, konnte man sich ja denken. Allerdings: Das mit der fehlenden Bedeutung zieht sich wie ein roter Faden durch die Historie der Pornographen. Die Bitte zu erläutern, was denn bitte ein "Mass Romantic" ist, zeitigt erregtes Kopfschütteln, Schulterzucken und Diskutieren zwischen Carl Newman und Kurt Dahle, Schlagzeuger der Band. "Es ist eine Mischung aus 'Mass-Murderer' und 'Hopeless Romantic'", entscheidet Kurt schließlich. Und man wagt nicht zu fragen, was das denn nun zu bedeuten habe.
Weiter geht es in dem Stil, wenn man Carl auf die Songtitel und Texte anspricht. Immerhin haben die NPs interessante Topics wie: "Letter From An Occupant", "The Slow Descent Into Alcoholism" oder "Execution Day". Und wieder geht das Gestammel los: "Um - äh - ich weiß nicht. Es ist so, daß ich meine Texte zunächst mal einfach so hinschreibe. Dann sind sie meistens zu lang, so daß ich einiges wieder entfernen muß. Dadurch geht zuweilen der Zusammenhang verloren, so daß ich dann auch nicht mehr so genau weiß, was sie bedeuten." Ach so. Nun gut: Es scheint erwiesen, daß die Texte NICHT das wichtigste bei den NPs sind. Ganz im Gegensatz zur Musik. Zunächst mal fällt auf, daß die NPs mehrere Sänger haben - darunter u.a. Neko Case, die sich mit ihrem Country-Noir durchaus selbst schon einen Namen erspielt hat. "Du kennst Neko? Okay, die ist bei uns nur eine Art Marionette", meint Carl, "es ist so, daß Neko nur an zwei Tagen in ungefähr fünf Stunden ihre Parts eingespielt hat. Die fertigen Songs hat sie erst nach Fertigstellung der CD gehört. Und sie fand das auch sehr spannend. Was die Vielzahl von Sängern betrifft - das hat es doch schon immer gegeben. Denke nur mal an Fleetwood Mac..." Ja, schon, aber es ist doch ungewöhnlich, oder? "Das ist richtig", stimmt Carl zu, "ich wollte mit geringem Aufwand etwas ungewöhnliches machen. Ich finde es z.B. spannend, wenn Neko die Lead-Vocals des Titelsongs singt, und ich dann plötzlich diese übernehme und wir uns im folgenden dann stets abwechseln." In der Tat macht diese Vorgehensweise - zusammen mit der Vielzahl von Stilen, die auf der CD verwurstelt werden (darunter zugegebenermaßen Glam Rock - Carl und Kurt sind große Fans) die Scheibe zu einem unvorhersehbaren, spannenden und vergnüglichen Hörerlebnis. Wie entstehen denn die Songs. Gibt es ein Songwriter-Team. "Die Songs schreiben Dan und ich", meint Carl, "und dann arbeiten wir alle zusammen daran." "Dan kommt aber nicht mit auf Tour", bemerkt Kurt, "ihm war das einfach zuviel. Er bleibt lieber zu Hause im Sandkasten." Wie Brian Wilson? Doch wohl hoffentlich im musikalischen Sinne? "Eher im mentalen Sinne", erwidert Kurt, "nein ernsthaft: Er ist ein Mitglied der Band, tourt aber nicht mit uns."
The New Pornographers
Wie bringt man eigentlich die ganzen Projekte terminlich unter einen Hut? "Nun, so richtig Erfolg haben wir ja eigentlich nur mit den NPs", gibt Carl zu, "und das vor allen Dingen in den USA. Nekos Scheibe war noch nicht draußen und wir müssen sehen, wie sich das entwickelt. Im Moment touren wir ziemlich intensiv." Und das kommt gut an. Die NPs gelten als Live-Sensation. In Austin beim SXSW-Festival kam sogar Ray Davies auf die Bühne, um mit ihnen einen Song zu singen. "Ich weiß auch nicht, wie das kam", meint Carl, "ich denke, er suchte einfach eine Backing Band." Auf den neuen Ray Davies Sampler angesprochen, auf dem auch der kanadische Kollege Ron Sexsmith mitspielt, meint Kurt schließlich: "Ach das war es: Ron war nämlich an dem Abend auch da. Da hat er bestimmt Ray Davies angespitzt. Ron ist ein cooler Typ." Das bringt uns zum Stichwort "Kanadier". Es ist ja immer unterhaltsam, Kanadier zu fragen, welche typisch kanadischen Charakterzüge sich in ihrer Musik finden. In diesem Falle gibt's aber wieder nur Schulterschütteln und Kopfzucken. "Ich weiß nicht", überlegt Carl, "vielleicht ist das die Tatsache, daß wir uns alle ganz gut miteinander verstehen, es keinerlei Konkurrenzdenken gibt und wir deswegen auf der Bühne eine gute Zeit haben." Und was ist mit der unendlichen Weite und der Landschaft? Viele Kanadier erzählen ja, daß sich das auf die Musik auswirke. "Das hat man dir erzählt?", fragt Kurt ungläubig, "da hat man dich entweder verarscht oder aber die Leute sind konditioniert. Das bekommen wir nämlich in der Schule bei jeder Heimatkunde-Stunde eingetrichtert. Ich denke nicht, daß das bei uns eine Rolle spielt."

Das sympathische an den New Pornographers ist, daß sie in keine Schublade passen, sich selbst nicht so recht ernst nehmen (wohl aber ihre Musik) und sich auch keine besonderen, philosophischen Gedanken über ihre Musik gemacht haben, sondern lediglich eine "gute Zeit" zusammen haben wollen. Nun: So lange sich das auf ihre Musik überträgt, wie auf "Mass Romantic" (eine neue CD ist bereits in Arbeit), sei ihnen das auch redlich gegönnt.

Weitere Infos:
www.thenewpornographers.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
The New Pornographers
Aktueller Tonträger:
Mass Romantic
(Matador/Zomba)


The New Pornographers

 
 

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