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COUSTEAU
 
Die kleine Meerjungfrau
Cousteau
Cousteau ist eine dieser Bands, die man schnell - zu schnell - in eine Schublade steckt: Da hat man also dieses Ensemble in den coolen Anzügen, die im Halbdunkel ihre düsteren, melancholischen und hochdramatischen Songs vortragen... wer möchte da nicht an die Tindersticks denken? Aber: Image und Stil spielen im Selbstverständnis der Band eine weit weniger große Rolle als man annehmen möchte. "Das ist kein Act", erläutert Davey Ray Moor - seines Zeichens Initiator, Songschreiber und Brian Wilson der Truppe, "es ist vielmehr eine Wiederspiegelung dessen, was wir tatsächlich sind. Du wirst es nicht glauben, aber als ich Liam [McKahey - der Sänger der Band] zum ersten Mal traf, da hatten wir beide Anzüge an. Und zwar welche aus dem 2nd Hand Shop - und solche tragen wir heute immer noch." Das ist in der Tat ein Unterschied, denn die Tindersticks lassen sich ihre Klamotten auf den Leib schneidern.
Wie sehen sich Cousteau denn selber? Was war denn der Grund dafür, gerade dieses Projekt ins Leben zu rufen? "Das ist eine gute Frage", meint Davey, "es ist so, daß ich von dem Gedanken, ein Popstar zu werden, Abschied genommen habe. Das ist bei Liam übrigens genauso. Dann habe ich mich also hingesetzt, und überlegt, welche Musik mir denn so gefällt. Und da bin ich zu dem Schluß gekommen, daß dies Musik von Künstlern ist, die gut mit Worten umgehen können - Tom Waits z.B., oder die gut singen können - wie David Bowie und - und das mag sich seltsam anhören - ich mag Soul à la Marvin Gaye. Und da dachte ich mir: Wenn du das alles zusammenpackst, dann müßte doch das Großartigste dabei herauskommen. Denn: Ich wollte Musik machen, die ich selber gerne höre und nicht solche, die unbedingt in die Charts soll." Nun ja, mit diesem Oscar Wilde'schen Ansatz läßt sich leben. Insbesondere dann, wenn man, wie in diesem Fall, geistesverwandte Kumpels findet, die bereit sind, das Spiel mitzumachen. Denn: Davey ist nach wie vor der Kapitän des Dampfers. Er schreibt alle Stücke - und das meistens auf dem Notebook und auf Reisen. Wie zum Teufel geht denn so was? "Das weiß ich auch nicht so genau", gibt er zu, "aber die meisten Stücke der neuen Scheibe habe ich auf einer Zugfahrt zwischen München und Düsseldorf geschrieben. Es gibt da ja sonst nichts zu tun. Mir ist selber klar, daß an diesem Bild etwas nicht stimmt, aber so arbeite ich am Effektivsten." Wie zum Beispiel entstehen dann die Arrangements der Songs - dieses Mal sogar mit Orchester - oder gehört das nicht zum Songwriting-Prozeß? "Auch eine gute Frage", überlegt Davey, "aber ich denke eher nein. Für mich ist es immer wichtig, daß ein Song auch von einem Mann am Klavier oder von einem Straßenmusikanten vorgetragen werden können muß - und trotzdem funktionieren sollte. Wenn er dann eine Trompete oder ein Cello braucht, nimmt man es halt hinzu." Straßenmusikant? Gehört das zur Ausbildung? "Das habe ich jahrelang gemacht", gibt Davey zu, "und dabei habe ich hunderte von Songs anderer Leute gelernt. Dadurch bekommst du schnell ein Gefühl dafür, was funktioniert. Du mußt dann nur darauf achten, ob ein Song wichtig ist, ob er wirklich benötigt wird."

Okay: Dann sind die Songs also geschrieben. Was passiert dann? "Dieses Mal hatten wir den Luxus, die Songs alle zusammen im Studio einspielen zu können. Das war weniger stressig, als beim ersten Album. Und das gibt eine unnachahmliche Atmosphäre. Dann verändern sich die Stücke durch den Input der anderen - unser Gitarrist hat z.B. auf dieser Scheibe außerordentliches geleistet." Und dann kommt Liam McKahey und croont sich die Seele aus dem Leibe. Ist es denn nicht eigentlich schwierig, Songs von jemandem anderen zu singen? "Überhaupt nicht", meint Liam mit schwerem irischem Akzent - aber wie aus der Pistole geschossen, "ich habe vorher in vielen Bands gesungen und mich schon oft geweigert, Songs zu singen, weil die Texte so bescheiden waren. Aber bei Davey ist das ganz anders. Es funktioniert wie von selbst. Er ist einer der besten Texter, die ich kenne und ein großer Poet. Da habe ich gar keine Probleme mit. Es ist vielmehr eine Ehre, seine Songs zu singen." Woher kam denn der Titel und das Thema dieser Scheibe - "Sirena"? "Das hat mehrere Gründe", erläutert Liam, "zunächst mal heißt 'Sirena' im italienischen 'Meerjungfrau' [eigentlich sind Sirenen in der griechischen Sage die Töchter des Acheloos (oder Phorkys)], Schadensdämonen, Mischgestalten aus Mensch und Vogel (meist mit Frauenkopf), mit übermenschlichem Wissen und der Gabe, das Wetter zu ändern. Sie betörten durch lieblichen Gesang die vorbeifahrenden Schiffer, die deshalb an den Klippen scheiterten und umkamen. Diese Aufgabe wird aber auch gerne Meerjungfrauen zugeordnet, deshalb kann man das durchaus auch so stehen lassen - und in Italien haben wir mit unser treuestes Publikum. Dann bin ich selbst ein großer Meerjungfrauen Fan. Davey auch. Ich war aber immer schon davon besessen - warum, das weiß ich auch nicht so genau. Ich habe auch Tattoos von Meerjungfrauen..." (und Liam hat viele Tattoos!). Ist der Song "Last Secret Of The Sea" auch ein Meerjungfrauen-Song? "Zum Teil ja", stimmt Liam zu, "es geht aber um mehr. Der Text ist ja relativ kurz, aber wie auf der restlichen CD auch ist die Sirene hier eine Metapher. Sie umgibt ja auch immer etwas Mystisches, etwas Zweideutiges. Es geht um unerfüllte Liebe, um ein Sehnen, ein Verlangen..."

Cousteau
Die Texte helfen hier nicht direkt weiter, denn sie sind vergleichsweise unspezifisch. "Das soll auch so sein", bestätigt Liam, "wenn du einen Text Wort für Wort erklärst und ihm so eine definitive Bedeutung zuweist, dann geht ja die ganze Magie verloren. Ich habe jedenfalls immer Texte bevorzugt, in die ich selbst auch etwas hineinprojizieren kann." Warum sind die Songs eigentlich so ernsthaft? Auch auf der Bühne kommen Cousteau ja eher brütend und distanziert rüber - auch wenn sie cool aussehen. "Das kommt darauf an, wo und wie du uns siehst", meint Liam hierzu, "man sagt mir öfters, daß ich sehr ernsthaft rüberkomme. Das ist aber kein Act, sondern eine Frage der Persönlichkeit. So bin ich nun mal." Nach der Veröffentlichung der CD werden Cousteau erst einmal touren. In Deutschland stehen ja mentalitätsbedingt dieser Art von Musik alle Türen offen (obwohl Liam meint, daß die italienischen Fans (auch mentalitätsbedingt) enthusiastischer sind). Wie es dann weitergeht, hat man sich noch nicht so recht überlegt. "Weißt du", meint Davey, "das Musikgeschäft ist schon ziemlich unsicher. Du weißt nie, ob du morgen noch da bist und du bist immer nur so gut, wie deine letzte Platte." Na, mit einem Album wie "Sirena" haben Cousteau gute Chancen, noch einige Zeit dabei zu bleiben.
Weitere Infos:
www.cousteau.tv
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Steve Pyke-
Cousteau
Aktueller Tonträger:
Sirena
(Palm Pictures/Zomba)


Cousteau

 
 

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