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JOSEPH ARTHUR
 
Der Sohn der Erlösung
Joseph Arthur
Daß Joseph Arthur ein recht seltsames Nachtschattengewächs ist, hatten wir ja bereits bei unserem letzten Interview zu spüren bekommen: Wenn es denn einen freischwebenden Künstlertypen gibt, den die Regeln der normalrealen Welt nicht so recht interessieren, dann ist das Joseph Arthur. So braucht es einiges an Penetranz, um des Mannes habhaft werden zu können. Nachdem die Plattenfirma ca. drei Wochen benötigte, um überhaupt einen Kontakt herzustellen, ist das Ergebnis eher ernüchternd: Nein, Joseph sei jetzt doch nicht da, meint z.B. der Tourmanager zum verabredeten Zeitpunkt. Er sei leider in die Stadt gegangen und habe zudem sein Handy ausgeschaltet. Da könne man nichts machen und es habe auch keinen Zweck, später anzurufen, weil keiner wisse, wann Joseph wieder auftauchen werde. Am besten solle man ein paar Tage später noch mal anrufen. Gesagt getan. Jetzt ist Joseph tatsächlich zu erreichen. Aber nicht in London, wie vereinbart, sondern in Paris.
Erinnern wir uns kurz: Joseph Arthur macht so etwas wie die Traumkarriere eines jeden Songwriters: Nachdem er im stillen Kämmerlein vor sich hinfabriziert hat, gerät sein Tape ausgerechnet in die Hände von Peter Gabriel, der nichts besseres zu tun hat, als mit Lou Reed im Schlepptau beim ersten Konzert von Joseph aufzutauchen. Später am Abend begegnete man noch Dolly Parton. So was prägt natürlich. Und so redet dann Joseph über Celebrities wie andere Leute über das Wetter. Auf die Frage, wie er zum Beispiel an seine Soundtrack-Aufträge (für die Filme "Hell's Kitchen" und "Pigeonholed") gekommen ist, meint er ganz beiläufig: "Ja, das ist durch Rosanna Arquette zustandegekommen [die in beiden Filmen mitspielte], sie hat mich gefragt, ob ich nicht ein paar Songs für den Film machen könnte. Leider konnte ich diese dann aber nicht veröffentlichen...", und ist dabei bei seinem neuesten Lieblingsthema: Joseph und die böse Welt der Plattenfirmen. Seine neue CD, "Redemption's Son", ist zwar gerade erschienen, aber das will bei ihm nichts heißen. "Ich könnte alle drei Monate zehn Songs herausbringen", meint er zu diesem Thema, "ich habe wahrlich keinen Mangel an Stücken. Aber die Plattenfirma erlaubt es mir einfach nicht, mehr zu veröffentlichen." Und wie verhält es sich mit der gerade erschienenen CD? "'Redemption's Son' ist eine ziemlich zusammengetragene Geschichte. Eigentlich sind es auch zwei CDs in einer - denn sie besteht aus mehreren EPs und einigen neuen Stücken." Vor kurzem veröffentlichte Joseph vier EPs unter dem Titel "Junkyard Hearts" - d.h.: Veröffentlichen ist zuviel gesagt. Man kann sie praktisch nicht bekommen. Genausowenig wie eine Live-CD, die auch nur bei Konzerten zu haben ist. "Ich bin momentan in einer schwierigen Position", murmelt Joseph bitterlich, "die Plattenfirma erlaubt es mir nur soundsoviele Tonträger herauszubringen. In den USA kann ich momentan gar keine Scheiben veröffentlichen. So habe ich mir das nicht vorgestellt." Der momentane Zustand ist jedenfalls für Joseph Arthur so inakzeptabel, daß er auf's Gemüt schlägt. "Ich muß irgendwie sehen, daß ich aus dieser Zwickmühle herauskomme", sagt Joseph, "wenn du einen Plattenvertrag unterzeichnest, dann überschreibst du deine Seele dem Teufel, und das mußt du einfach wissen. Ich wußte es damals nicht und würde es nie wieder machen. Ich kann mich auch nicht mit dem identifizieren, was da abgeht. Das ist es nicht, was ich bin. Das Musik-Business ist ein ziemlich beschissener Ort, kann ich dir sagen!" Da muß man allerdings mal einen Schnitt machen: Hier geht es Joseph einzig um den geschäftlichen Aspekt. Mit Peter Gabriel versteht er sich z.B. nach wie vor gut, mag auch sein neues Album - aber die richtige Welt macht Joseph zu schaffen. (Immerhin hätte ihm diesbezüglich der Name des Labels doch schon einen Hinweis geben können - har har). Auch die Möglichkeiten, anderweitig zu musizieren sind eingeschränkt. "Sicher, ich könnte bei befreundeten Musikern mitspielen [wie er das zuweilen tut - z.B. mit David Gray] - aber das ist es nicht, was ich mache. Das ist wie ins Kino oder zum Essen ausgehen. Ich möchte aber selber Musik machen. Wie würdest du dich denn fühlen, wenn man dir sagte, du kannst nur zwei Stunden am Tag arbeiten?"
Joseph Arthur
Womit wir wieder beim Thema wären. WENN Joseph dann allerdings mal CDs veröffentlicht - wie z.B. jetzt - dann bekommt man etwas geboten für sein Geld. Mit einer Spielzeit von über 70 Minuten gibt sie echt was her. Wenn man nun allerdings versucht, herauszufinden, worum es bei den Songs geht, gibt es - außer vagen Andeutungen - nicht viel von Joseph zu hören. Jede Antwort auf jede Frage wird grundsätzlich mit einem relativierenden "I don't know" eingeleitet - auch, wenn noch etwas kommt. Dabei scheint es doch jede Menge interessante Ansatzpunkte zu geben. Der Titeltrack des neuen Albums, scheint sich mit autobiographischen Aspekten des Künstlers zu beschäftigen - dem Verhältnis zu seinem Vater, nämlich. "I don't know", schränkt er das gleich wieder ein, "der Titel 'Redemption's Son' ist einfach nur der Titel eines Songs und ich mochte ihn am liebsten. Es sind teilweise autobiographische und teilweise fiktive Sachen, über die ich singe. Es geht z.B. in 'Son' NICHT um meinen leiblichen Vater... Und wenn ich z.B. Jesus ins Spiel bringe, dann keineswegs den richtigen Jesus. Ich bin kein Kirchgänger... Es gibt aber auch gewisse spirituelle Anspielungen." Ja schön und gut, aber irgendwo müssen diese Songs doch herkommen. "I don't know", wiederholt sich Joseph, "es kommt viel aus dem Unterbewußtsein, es gibt viele traumähnliche Situationen." Und warum schreibt er auf diese Weise? "Das hört sich an, als wolltest du mir unterstellen, ich wüßte, woher das kommt und warum ich dies und das tue. Das ist aber nicht der Fall. Ich lebe einfach mein Leben", sagt Joseph mit bestimmtem Tonfall, "das gilt auch für mein Artwork." Auf der CD befindet sich erstmals kein Gemälde von Joseph, sondern die Fotografie einer Skulptur. "Da weiß ich auch nicht immer, warum ich dies und jenes tue. Es ist kein bewußter Prozeß und ich überlege mir auch nicht bewußt, warum ich bestimmte Sachen tue. Es gibt da keine definitive Interpretation. Schon gar nicht versuche ich etwa absichtlich vage zu sein... Es ist höchstens so, daß mir manchmal im Nachhinein gewisse Dinge klar werden oder Zusammenhänge bewußt werden." Das bedeutet aber immer noch nicht, daß Joseph etwa erklären könnte, warum auf seiner offiziellen Web-Page Schaben herumkrabbeln. Aber vielleicht muß man ja auch gar nicht immer alles erklären. Schließlich soll Kunst ja auch für sich sprechen. Und das tut sie ja im Falle von Joseph Arthur auch - irgendwie.
Weitere Infos:
www.josepharthur.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Joseph Arthur
Aktueller Tonträger:
Redemption's Son
(RealWorld/Virgin)


Joseph Arthur

 
 

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