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LUNA
 
The Neverending Interview Part III
Luna
Es hat sich einiges getan bei Luna, seit wir das letzte Mal mit Dean Wareham gesprochen haben. Die Band hat zwischenzeitlich eine ziemlich definitive Live-Scheibe herausgebracht (ausgerechnet OHNE bei uns live in Erscheinung zu treten) und mit JetSet wieder mal ein neues Label gefunden. Was aber vielleicht noch wichtiger ist: Nachdem Justin Harwood die Band verlassen hat, um sich in Neuseeland um seine Familie zu kümmern, ist mit Britta Phillips eine ebenso ansehnliche wie kompetente Bassistin hinzugekommen - die obendrein auch singen kann.
Auf dem neuen Album "Romantica" singt sie jedenfalls einige sehr schöne Harmonies und sogar ein Duett: "Mermaid Eyes". Hat sich da am Songwriting etwas geändert? "Nein. Ich schreibe jetzt nicht direkt mit ihr im Hinterkopf", verneint Dean diese Vermutung, "aber sie hat gute Ideen, was Vocals im Studio betrifft - und ich denke, wir klingen sehr viel besser, wenn sie die Harmonies singt, als wenn ich das selber weiter machen würde." Ach ja, das Songschreiben: Damit tat sich Dean ja immer recht schwer (so sagte er jedenfalls des Öfteren). Dieses Mal lieferte er die witzigsten und pfiffigsten Stücke seiner bisherigen Laufbahn ab. Geht's denn jetzt? "Es ist immer noch schwer, Texte zu schreiben", bremst Dean, "ich muss die Sachen immer und immer wieder überarbeiten. Aber doch, ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Ich denke, dass meine Texte heutzutage sehr viel besser sind, als vor 10 Jahren."

Und die Musik? Die hat zuweilen eine naive Qualität - fast wie in Kinderliedern. "Also was mich angeht: Ich mag es, Songs auf einem simplen musikalischen Konzept aufzubauen. Aber ist das naiv? Ich weiß nicht..." Neben Britta spielt auf "Romantica" noch Vivian Trimble (ex-Luscious Jackson) einige Keyboards und der Mann am Mischpult, Dave Fridman (Weezer, Flaming Lips, Mercury Rev und 1000 andere), steuerte noch einige verwegene Streicher-Arrangements bei. Was hat er denn sonst noch so gemacht? Man macht sich ja so recht kein Bild davon, wozu eine Band wie Luna überhaupt noch jemand wie Fridman brauchen könnte. "Dave ließ die Sachen, die wir spielten einfach seltsamer klingen", meint Dean dazu orakelhaft, "indem er die Songs auseinanderbrach und dann wieder neu zusammensetzte." Vielleicht ist es ja gut, jemanden von "außerhalb" dazuzuholen, um hin und wieder neue Impulse zu bekommen. Obwohl: Als großer Erneuerer sieht sich Dean eh nicht: "Ich betrachte mich nicht als Innovator. Viel von dem, was ich gerne höre, ist auch nicht innovativ (von Ausnahmen abgesehen). Zunächst und vor allem schreibe ich die Musik für mich selbst. Wenn du dich nicht selbst zufrieden stellen kannst: Wie kannst du jemanden anderes zufrieden stellen?" Stimmt schon. Noch mal zu den Songs der neuen Scheibe: Dean ist einer jener Songwriter, die sich von allem möglichen inspirieren lassen. Unter anderem auch von fiktiven Charakteren, wie z.B. "Bobby Peru" (auf "Pup Tent"), einem Typen aus dem David Lynch Film "Wild At Heart". Was hat es denn dieses Mal diesbezüglich gegeben? Da gibt es ja z.B. den Song "Renée is Crying". Wer ist Renée? "Ich las dieses alte LIFE-Magazin aus den 60s - mit einem Artikel über die Frau eines Astronauten, die am Telefon beobachtete, wie er ins All geschossen wurde. 'Und als Scott aufstieg, weinte Renée' war die Überschrift." Bei "Mermaid Eyes" war es ähnlich: "Das kommt auch teilweise aus einem Magazin", gesteht Dean, "soweit ich mich entsinne von einer Werbung für Make-Up, die irgendwie so was von 'Sirenenweicher Schönheit' faselte. Ich erinnere mich aber nicht genau. Der Song ist schon etwas älter. Den Riff habe ich allerdings von einem Francoise Hardy Song geklaut..." Was mal wieder Deans frankophile Ader betont. Und was hat es mit der letzten Zeile des Refrains von "Rememories" auf sich, der da lautet "It's been a long, long, long..." ohne zu erwähnen, was denn nun so long ist? "Das ist eine sehr gute Frage", versucht Dean das zu erklären, "Also Sean [Eden - Lunas Gitarrist und Deans alter Kumpel] hat den Text geschrieben. Er versuchte zwar mit einer Lösung beizukommen, aber wir entschieden uns dann, dass es tatsächlich ohne besser funktioniert. Der Hörer kann sich also irgendetwas selber vorstellen." Ein Song fällt auf "Romantica" deutlich aus den Rahmen: Das ungewohnt rockige "1995". 1996 sagte uns Dean, dass er es vermutlich nie schaffen werde, einen richtigen Rock-Song zu schreiben - obwohl er es immerzu versuche. Das ist allerdings so einer. Er wird uns doch 1996 nicht - wie im Text von "1995" - Lügen erzählt haben, weil es ein gutes Jahr für Lügen war? "Ehrlich gesagt: Gelogen habe ich '96 tatsächlich - aber für den Song paßte '95 besser", antwortet er nicht unerwartet, "wir dachten zunächst, das wäre eine B-Seiten-Nummer. Aber dann geriet der Gesang ganz passabel und es ist doch ein schönes Gegengewicht für die langsameren Stücke auf dem Album." Zwar wissen wir jetzt immer noch nicht, ob oder wobei Dean 1995 (und/oder '96) gelogen hat, indes darf man bei Luna auch nicht immer hinter allem und jedem nach einer Bedeutung suchen. Zum Beispiel beim Cover: Während es auf den bisherigen Luna Alben Usus war, mit schlüpfrigen Andeutungen zu spielen ("Penthouse", "Pup Tent"), ist das dieses Mal alles ganz harmlos. "Das war dieses Mal auch gar nicht unsere Idee. Unser Freund in New York, der das Cover machte, hat unter anderem eine ganze Serie von Gemälden mit Feuerzeugen gemacht, aus der das Motiv stammte. Er hat zuletzt auch etwas für Rhinôçérôse gemacht."

Momentan erholt sich die Band mit ein paar entspannten Konzerten zu Hause in New York von einer anstrengenden US-Tour. Eine Europa Tour ist für Oktober in Planung. Es gilt, diese Seiten im Auge zu behalten...

Luna At The Movies

Um weiteren Halbwahrheiten in Zukunft vorzubeugen, fragten wir Dean auch gleich noch nach einigen interessanten Parallelen, ihn und Britta betreffend. 1988 spielte besagte Britta Phillips in einem Spielfilm namens "Satisfaction" mit [us.imdb.com/Title?0096037, eine ziemlich groteske und aberwitzige Rock'n'Roll-Fabel ohne Rock'n'Roll, dafür aber mit Julia Roberts und Debbie Harry], in der Justine Bateman die Hauptrolle spielte. 1997 nun spielte Dean Wareham in einem Film seines Freundes Noah Baumbach [Mr. Jealousy, us.imdb.com/Title?0119717 - mit Eric Stoltz und Annabella Sciorra in den Hauptrollen], ebenfalls mit Justine Bateman. "Ich durfte Justine Bateman küssen", war deswegen auch sein Credo beim Interview zu "Pup Tent". Gibt es da vielleicht eine Verbindung? "Nein, das ist eher ein seltsamer Zufall, dass Britta und ich beide in Filmen mit Justine Bateman aufgetaucht sind - obwohl zehn Jahre dazwischen liegen", meint Dean darauf angesprochen, "Britta wurde uns von unserem Gitarren-Techniker empfohlen. Wir haben uns dann eine handvoll Bassisten angehört, aber sie passte am besten zu uns." Die Film-Geschichten hat Dean übrigens noch nicht drangegeben: "Mit Noah habe ich zwar seither nicht wieder zusammengearbeitet - außer vielleicht mal beim Mittagessen, zählt das? - Aber ich habe letzten Sommer in einem anderen Film mitgespielt. Er heißt 'Piggie' [www.filmmakermagazine.com/ spring2002/columns/in_focus.html] und ist von Alison Bagnall. Die kennst du vielleicht als Co-Autorin von 'Buffalo 66' [us.imdb.com/Title?0118789, dem Vincent Gallo Film mit Christina Ricci]. Ich habe eine richtig große Rolle in dem Film. Hoffentlich werden sie bald mal damit fertig." Was kein Geheimnis ist: Dean ist nach wie vor ein großer Film-Fan. Er wohnt sogar in der Nähe des Angelika Film Center - DEM Kult-Kino in New York schlechthin.

Weitere Infos:
www.fuzzywuzzy.com
www.brittaphillips.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Luna
Aktueller Tonträger:
Romantica
(Beggars Group/Connected)


Luna

 
 

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