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JASON LOEWENSTEIN
 
Jake Rocks
Jason Loewenstein
Schon im Mai flatterte uns eine CD namens "At Sixes And Sevens" ins Haus. Der Künstler dahinter war auf dem Tonträger als Sparkalepsy vermerkt und zu hören gab es Indie-Rock klassischer Prägung. In bester Dinosaur-Jr.-Manier werden auf dem Album älteste Rock N Roll-Klischees wie überdrehte Gitarrensoli und stumpf-geniale Rock-Riffs durch den Indie-Rock-Wolf gedreht, so dass am Ende kein Stadionrock, sondern kluge Selbstdarstellung übrig bleibt. Dass die Platte so klingt, als hätte sie zu großen Teilen auch schon 1991/92 aufgenommen worden sein können, ist da eher als Kompliment gemeint denn als Vorwurf fehlender Weiterentwicklung. Schließlich ist nicht alles, was alt klingt, auch von gestern. Und wer so großartige Songs wie "Codes", "Casserole" oder "Angle" schreibt und bei der Latinrock-Parodie "Crazy Santana" auch noch richtig Humor beweist, muss sich um seinen Platz auf dem Rock-Olymp eh keine Sorgen machen.
Eigentlich auch kein großes Wunder, denn hinter dem Pseudonym Sparkalepsy versteckte sich Jason Loewenstein, ein Drittel der legendären Sebadoh. Ein Mann also, der seit vielen Jahren auf dem schmalen Grat zwischen Genialität und Wahnsinn wandelt. Den besten Beweis dafür lieferte er, als Gaesteliste.de ihn kurz darauf zu Hause in Louisville, Kentucky, anrief und gleich zu Beginn erst einmal wissen wollten, warum er seinen gut klingenden Namen hinter der komplizierten Projektbezeichnung Sparkalepsy versteckt. "Warte mal 'ne Sekunde. Ich benutze doch meinen richtigen Namen", fragte er verdutzt. "Das ist jetzt ein Witz, oder? Auf den Promo-CDs und der Website von Domino Records steht Sparkalepsy? Oh mein Gott! Laurence von Domino wollte mich davon überzeugen, dass ein anderer als mein richtiger Name vielleicht eine gute Idee sei, aber ich habe mit ein paar anderen Leuten geredet und bin zu der Erkenntnis gekommen, dass mein wirklicher Name der einzig richtige sei. Ich war mir sicher, dass ich das auch der Plattenfirma gesagt hatte!"

Zum Glück war es noch nicht zu spät, und die Platte von "The Real J.Lo" erscheint dieser Tage unter Jasons wirklichem Namen. Bleibt die überraschende Feststellung, dass viele der alten Indierock-Helden heute ganz andere Musik machen. Bob Mould macht Elektronik, Evan Dando Country und Jasons alter Sebadoh-Mitstreiter Lou Barlow hat einen ganz eigenen Stil gefunden. Nur Jason scheint große soundtechnische Veränderungen nicht für nötig befunden zu haben. Aus gutem Grund: "Ich bin jetzt zu der Musik zurückgekehrt, die ich machen wollte, kurz bevor ich zu Sebadoh kam. Mit Lou [Barlow] und Eric [Gaffney] war ich nie mehr als der Backup-Musiker. Ich habe genau das gemacht, was sie von mir verlangt haben. Jetzt kann ich endlich das machen, was mir damals verwehrt wurde, und mich dem widmen, was ich für Punkrock halte und so weiter. Leute wie Evan Dando oder Bob Mould haben mir damals ja beigebracht, wie man Punkrocker wird, und vielleicht sind sie inzwischen davon einfach ein bisschen gelangweilt." Das klingt nicht unbedingt so, als hätte sich Jason bei Sebadoh - die derzeit unbefristet auf Eis liegen und nach dem derzeitigen Stand der Dinge wohl keine weitere Platte mehr machen werden - besonders wohl gefühlt. "Ich hatte bei Sebadoh schon die Chance zu wachsen, und niemand hat mir gesagt, dass ich dies und das nicht machen kann, aber ich war in einer Band mit Leuten, die ich sehr respektiert habe, und deshalb habe ich nicht annähernd so viele Songs geschrieben, wie ich das wohl in einer anderen Band gekonnt hätte. Der große Vorteil war, dass ich mir so viel mehr Gedanken um meine Songs gemacht habe. Ich hatte immer im Hinterkopf: Meine Songs werden auf einer Platte neben denen von Lou stehen - sind sie dafür gut genug? Wenn ich mir die alten Sachen heute anhöre, finde ich sie trotzdem noch sehr amateurhaft. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie schlimm sie ohne Lou wohl geklungen hätten, hahaha!"

Auf "At Sixes And Sevens" spielt Jason analog zu der Instrumente-Karussellfahrt, die Sebadoh bei ihren Konzerten und teilweise auch im Studio veranstaltet haben, alle Instrumente selbst. In mancher Hinsicht eine Reaktion auf die Arbeitsweise seiner alten Band. "Unsere Arbeitsweise war ganz anders als die ähnlicher Bands. Bei uns kam immer jemand mit einem Song an, der so gut wie fertig war. Der Aspekt der Zusammenarbeit war dabei also sehr unklar. Ganz abgesehen davon haben wir in der Anfangszeit so viel Marihuana geraucht, dass wir gar nicht viel miteinander geredet haben. Wir hatten keinen großen Diskurs, wir haben einfach gespielt. Niemand hat mal gesagt: 'Dein Gesang passt hier nicht ganz' oder 'vielleicht solltest du besser mit den Swearwords in deinen Songs aufhören' oder so. Meine Fähigkeiten, mit anderen Musikern zusammenzuarbeiten, sind eher beschränkt. Insofern war es für mich einfacher, alles alleine einzuspielen." Diejenigen Medienvertreter, die immer das Harr in der Suppe suchen, werfen Jason vor, dass seine Musik zwar ehrlich, allerdings nicht besonders einfallsreich sei. Und auch, wenn Jason das sicher nicht gerne hört - tief im Innern scheint er das auch selbst zu glauben. "Ich empfinde das Gitarrespielen immer noch als große Herausforderung. An Bass und Schlagzeug habe ich nun einmal wesentlich mehr Erfahrung. Wie diese Instrumente funktionieren, weiß ich ganz genau. Es gibt so verdammt viele Leute, die Gitarre spielen, dass ich es da besonders schwierig finde, etwas zu finden, das sich von den anderen abhebt. Alles, was du dir irgendwie ausmalen kannst, ist schon gemacht worden. Darüber hinwegzukommen und einfach zu spielen war für mich eine große Herausforderung. Beim Bass und dem Schlagzeug habe ich das Problem interessanterweise nicht."

Jason Loewenstein
Die Platte entstand nicht zuletzt auch aus Jasons Wunsch heraus, wieder live aufzutreten. Und nicht nur, weil die Gesetze des Marktes es vorschreiben, dass zu einer Tournee auch ein "Produkt" gehört, war die Platte notwendig. Immerhin ermöglichte die Platte Jason, seinen potentiellen Mitstreitern seine musikalischen Ideen nicht mit Worten erklären zu müssen - er spielte ihnen einfach das Album vor, um zu erklären, in welche Richtung es gehen sollte. "Das hat sich wirklich als große Abkürzung herausgestellt. Wenn ein Musiker versteht, was ich mit der Platte vermitteln will, und zumindest in der Lage ist, etwas vom Feeling her Ähnliches zu spielen, ist alles im grünen Bereich. Eigentlich ist der Auswahlprozess bei anderen Musikern sehr ähnlich, aber sie würden das dann wohl nur als 'Demo-Aufnahme' bezeichnen, hahaha! Das war bei Sebadoh genauso. Eigentlich haben wir nur Demos aufgenommen, aber letztendlich haben wir die einfach veröffentlicht. Live war es ja damals ganz ähnlich. Sebadoh haben eigentlich kaum geprobt. Wir hatten eine völlige 'fly or die'- Mentalität. Das Einzige, was wir festgelegt haben, war der Anfang und das Ende. Wir sind einfach auf die Bühne gegangen, das war unsere Probe. Viele Leute haben genau das an uns gemocht, aber einige haben auch gesagt: 'Ich kann nicht glauben, dass ich Geld dafür bezahlt habe, einer Band beim Proben zuzusehen.'" Obwohl noch nichts bestätigt ist, kann Jason es kaum erwarten, endlich wieder auf die Straße zu kommen und seine Solosongs live zu spielen. Sicher ist derzeit nur, dass er definitiv eine Band dabeihaben wird. Alles andere sei absolut indiskutabel, wie er uns abschließend lachend wissen ließ: "Ich kann es mir derzeit nicht vorstellen, solo aufzutreten. Die Songs von der Platte auf einer Akustikgitarre spielen? Das würde mich umbringen, hahaha!"
Weitere Infos:
www.jakerock.com
www.sebadoh.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Tim Furnish-
Jason Loewenstein
Aktueller Tonträger:
At Sixes And Sevens
(Domino Records/Zomba)


Jason Loewenstein

 
 

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