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THE CRANBERRIES
 
Es weihnachtet sehr
The Cranberries
Dass die Weihnachtsmärkte inzwischen jedes Jahr früher beginnen, um möglichst groß beim saisonalen Kaufrausch abzusahnen, ist eine bekannte Tatsache. Dass die weihnachtlichen Compilations inzwischen auch schon Mitte September auf den Markt kommen, passt allerdings eher zu dem alten Witz: "Was, schon Mitte September? Keine drei Monate mehr bis Weihnachten, und ich habe noch keine Geschenke gekauft!" Im Falle der Cranberries geht das allerdings trotzdem in Ordnung, denn deren neue "Best Of"-Scheibe namens "Stars - The Best Of 1992-2002" eignet sich hervorragend, um in der kommenden kalten Jahreszeit die Seele baumeln zu lassen. Und wem die alten Hits in den Studioversionen nicht genug sind, dem sei "Beneath The Skin - Live In Paris" ans Herz gelegt, die zeitgleich erscheinende DVD mit einem Konzertmitschnitt aus Frankreich vom Frühjahr diesen Jahres!
Zwar wechselten die Iren letztes Jahr nach mehr als 30 Millionen verkauften Scheiben für ihr fünftes Album "Wake Up And Smell The Coffee" die Plattenfirma, doch weil auch ihre neue Heimat ironischerweise zum gleichen Megakonzern gehört, gab es – in diesem Fall zum Glück – keine Beschränkungen bei der Songauswahl, und so sind hier alle Hits von "Linger" über "Zombie" bis hin zu "Free To Decide", "Just My Imagination" oder "Time Is Ticking Out" versammelt. Garniert wurde das Ganze mit "Stars" und "New New York", zwei brandneuen Stücken, die Dolores O'Riordan, Fergal Lawler und die Hogan-Brüder Mike und Noel im Anschluss an ihre Welttournee im Frühjahr eingespielt haben, und einigen Raritäten wie dem Lieblings-Non-Single-Track der Fans ("Daffodil Lament"), ausgesucht von den Fans der Band per Internet-Votum diesen Sommer. Ihre Anhänger haben also bereits ihren musikalischen Sachverstand walten lassen. Wie es bei der Band darum bestellt ist, erfuhr Gaesteliste.de, als wir Noel und Mike zum Blind Date luden.

* The Frank And Walters "Something Happened To Me" ("Beauty Becomes More Than Life", Setanta, 1998)

Mike [nach 20 Sekunden]: "Das sind doch bestimmt The Frank And Walters, oder?"

Noel: "Ja, ganz genau! Diesen Song mag ich ganz besonders."

GL: Das sagt ihr aber nicht nur, weil sie auch aus Irland kommen, oder?

Noel: "Nee, hahaha! Es gibt ein paar ihrer Songs, die ich nicht besonders leiden kann, aber sie sind schon eine gute Band. Das Album habe ich mir vor allem wegen dieses Songs gekauft. In Europa kennt die doch bestimmt niemand?"

* The Smiths "Half A Person" ("The World Won't Listen", Rough Trade, 1987)

Mike & Noel: [allgemeines, freudig erregtes Gelächter nach gerade einmal einem Takt]

Noel: "Das gehört auch zu den Sachen, die wir in unserer Jugend so oft gehört haben, dass wir es irgendwann fast leid waren. Aber wenn man einen Song wie diesen jetzt wieder hört, stellt man fest, dass er immer noch großartig ist."

GL: Produziert wurde diese Smiths-Nummer von Stephen Street, mit dem ihr nach längerer Pause auf "Wake Up And Smell The Coffee" [und jetzt für die beiden Bonussongs auf "Stars"] ja auch wieder zusammengearbeitet habt.

Noel: "Ja, wir haben dazwischen ein paar andere Sachen ausprobiert. Einmal mit einem anderen Produzenten, einmal ganz alleine. Trotzdem war es von der ersten Sekunde an, als Stephen wieder das Studio betrat, als hätten wir nie ohne ihn gearbeitet."

Mike: "Das Schöne ist, dass wir mit ihm nicht nur gut zusammenarbeiten, wir verstehen uns auch sonst sehr gut. Wenn wir im Studio fertig waren und noch ein Bier trinken gegangen sind, war er immer mit dabei. Wir verstehen uns einfach gut."

* Duran Duran "Ordinary World" ("Duran Duran", 1990)

Noel [mit Einsetzen der Leadgitarre]: "Ah! Ich dachte mir schon, dass das Duran Duran sind. Das ist definitiv einer ihrer besseren Songs!"

GL: Ihr seid als große Depeche-Mode-Fans bekannt - habt ihr in den 80ern das komplette Pop-Programm gehört?

Noel: "Ja, auf jeden Fall! Wir haben Bands wie The Smiths oder New Order geliebt!"

* Garbage "Cherry Lips" ("Beautiful Garbage", Mushroom, 2001)

Mike [nach drei Sekunden]: "Garbage! Das ist aber nicht sehr typisch für sie! Trotzdem ein sehr guter Song!"

GL: Könnt ihr zu Bands, die ungefähr zur gleichen Zeit angefangen haben, noch genauso als Fans aufschauen, wie ihr das vielleicht in den 80ern bei den Smiths oder Depeche Mode getan habt? Oder seht ihr eine Band wie Garbage eher als Kollegen auf dem gleichen Level?

Mike: "Ich denke schon, dass wir sie wirklich mögen. Bei den älteren Bands hat das inzwischen auch viel mit Nostalgie zu tun. Wenn du deren Songs heute hörst, erinnst du dich an die Zeit, als du 15 oder 16 warst. Die 90er-Jahre-Bands mögen wir in erster Linie wegen der Musik, damit verbinden wir weniger Sentimentalitäten. Deshalb würde ich uns schon als Fans von Bands wie Garbage oder Radiohead oder Pearl Jam bezeichnen, auch wenn sie zur gleichen Zeit angefangen haben wie wir."

* Elvis Presley "If I Can Dream" ("'68 Comeback Special", RCA, 1968)

Noel: "Ah, Elvis! Ist 'In The Ghetto' von der gleichen Platte?"

GL: Es ist zumindest aus der gleichen Zeit, und natürlich haben wir Elvis wegen eures Covers von "In The Ghetto" letztes Jahr ausgesucht. War das mehr als nur der Song? Ein Tribute an den ganzen Elvis-Kult?

Mike: "Ein bisschen. Wir haben Elvis immer gemocht. Das Ganze ist eigentlich nur entstanden, weil wir bei einer Radiostation gespielt haben, bei der die Bands stets einen eigenen und einen gecoverten Song spielen. Dolores hat sich dann die Elvis-Nummer ausgesucht. Als wir dann ins Studio gingen, haben wir es einfach noch mal probiert und dann war es plötzlich als B-Seite vorgesehen."

* Sixpence None The Richer "There She Goes Again" (Single, WEA, 1998)

Mike: "Das ist aber nicht das Original der La's, oder?"

Noel: "Nee, das sind Sixpence None The Richer, stimmt's? Sie spielen es wirklich haargenau so nach, und trotzdem ist das Original besser! Das Album von The La's ist phantastisch!"

GL: Hört ihr manchmal eine Band mit einer Sängerin, wie eben Sixpence..., im Radio und denkt - alles bei uns geklaut?

Mike: "Hahaha! Nein, eigentlich hatten wir nicht das Gefühl, dass eine Band bei uns abgekupfert hat. Hier und da gibt es Sängerinnen, die versuchen, wie Dolores zu klingen, aber letztendlich haben diese Bands vermutlich früher lediglich die gleiche Musik wie wir gehört!"

Mike: "Ja, eben diesen 80s Jangle-Pop! Als wir angefangen haben, meinten ja alle zuerst, wir würden bei den Sundays klauen!"

GL: Apropos Sundays, da wird euch die letzte Nummer nicht weiter überraschen!

* The Sundays "Here's Where The Story Ends" ("Reading, Writing And Arethmatics", Rough Trade, 1990)

Mike: "Gibt's die eigentlich noch? Ihre letzten Platten hatten ihre guten Seiten, aber dieses erste Album war großartig - eine Platte, die man von vorne bis hinten mit Freude durchhören konnte."

GL: Wie habt ihr das gleiche Problem damals eigentlich bewältigt - nicht in die Falle zu tappen, den einmal eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen und sich somit mehr oder weniger zwangsläufig zu wiederholen?

Noel: "Die ersten beiden Platten sind größtenteils zu Hause und auf Akustikgitarren entstanden. Aber als dann die zweite LP draußen war, gingen wir nonstop auf Tournee. Ohne den Luxus, viel zu Hause zu sein, haben wir die neuen Songs auf Tour geschrieben und bei Soundchecks ausprobiert, und da hast du nun mal eher elektrische Gitarren zur Hand, und so wurden die Songs einfach härter. Das war auch einer der Gründe, nach einem neuen Produzenten zu suchen - das Element der jangly guitars fehlte einfach. Später [nicht zuletzt aufgrund inzwischen entspannterer Tourneeplanungen] sind wir dann wieder ein wenig dahin zurückgekehrt!"

GL: Ein "Best Of"-Album ist auch immer Gelegenheit, zurückzublicken. Gibt es irgendetwas, das ihr besonders bereut?

Noel: "Wir hätten uns eine Pause gönnen sollen, nachdem wir die Tournee zur zweiten Platte abgeschlossen hatten. Stattdessen sind wir ohne Umweg ins Studio und haben in fünf Wochen unser drittes Album komplett aufgenommen. Wir sind durch die Aufnahmen einfach durchgeprescht, weil wir einfach nur noch nach Hause wollten."

Mike: "Das ist genau der Grund, warum wir uns inzwischen bei unseren Tourneen immer wieder zwischendurch Pausen gönnen. Wir müssen einfach ab und zu zurück zu unseren Familien, wir brauchen die Balance!"

Weitere Infos:
www.cranberries.ie
www.the-cranberries.de
Interview: -Carsten Wohlfeld & David Bluhm-
Foto: -Pressefreigabe-
The Cranberries
Aktueller Tonträger:
Stars - Best Of 1992-2002
(Island/Universal)


The Cranberries

 
 

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