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IDLEWILD
 
Lyrische Amokläufer
Idlewild
"Die Gitarre liegt zerschmettert auf dem Boden. Der Bassist liegt auf dem Rücken und funkt dumpfe Brummgeräusche. Der Schlagzeuger liegt völlig verschwitzt und hyperventilierend über dem Drum-Kit. Vorn am Bühnenrand steht ein abgekämpfter Sänger... oh, nein, gerade fällt er von der Bühne." So und ähnlich lesen sich die Konzertkritiken, die vier junge Herren aus dem schottischen Edinburgh derzeit bekommen. Der Name der Band: Idlewild.
"Hope Is Important" heißt ihr erstes Full-Length-Album, das dieser Tage erscheint. Spätestens, wenn man nach 11 Einheiten, aber gerade einmal dreißig Minuten zwischen Rock und Punk mit Hochspannung bei dem genialen Schlusssong "Low Light" angekommen ist, fragt man sich unweigerlich: Wie schafft es Sänger Roddy Woomble nur, Abend für Abend auf der Bühne wie Kurt Cobain am Rande eines Nervenzusammenbruchs zu singen bzw. zu kreischen? Das sollte dann eigentlich auch unsere erste Frage vor dem Konzert mit den Manic Street Preachers in Offenbach werden. Zwar bekamen wir dort Antworten, aber nicht von Roddy. Der war nämlich gerade auf dem Weg zur Apotheke, um seine Stimme zu kurieren! An einen Auftritt war auch gar nicht erst zu denken. Also konfrontierte Gaesteliste.de Bassist Bob Fairfoull - neben Roddy, Colin Newton (Schlagzeug) und Rod Jones (Gitarre) ein Viertel von Idlewild - mit der Kritik der englischen Presse, das Quartett sei zwar live der helle Wahnsinn, ein musikalischer Amoklauf sozusagen, nur auf ihren Platten würden sie das leider (noch) nicht umsetzen. "Wollen wir gar nicht", erklärt Bob grinsend. "Studio und Bühne sind zwei völlig verschiedene Dinge. Wenn wir auf Platte genauso klängen wie live, könnte man ja gleich zu Hause bleiben und das Geld für's Konzertticket sparen!" Aha!

Während für deutsche Ohren das "Hope Is Important"-Album noch taufrisch ist (in England erschien die Platte bereits Ende ‘98), ist die Band in Gedanken schon beim nächsten Album. Schließlich wurde "Hope..." bereits vor einem Jahr fertig gestellt, und schon damals war die Band nicht uneingeschränkt glücklich damit. "Wir sind schon zufrieden damit, aber die Platte ist nicht perfekt. Wir waren sehr viel auf Tour und haben die Songs über fast ein Jahr verteilt eingespielt. Deshalb klingt das Album sehr fragmentarisch. Es dokumentiert aber auch die Entwicklung dieses Jahres." Für ihr neues Album, das die vier im Juni in Angriff nehmen wollen, soll dann mehr Zeit auch mehr Freiraum zum Experimentieren bringen. Außerdem haben sie schon einen berühmten Mann für den Platz hinter dem Mischpult im Auge: Bob Weston, Bassist von Shellac und früher bei den legendären Volcano Suns.

Idlewild sind davon überzeugt, dass sie wachsen können und werden. Immerhin sind sie alle gerade einmal 22 Jahre und entdecken ständig neue musikalische Vorbilder. Während in ihrer Musik derzeit noch Hüsker Dü, Dinosaur Jr., The Pixies oder frühe Nirvana am deutlichsten durchscheinen, lässt Roddy vermelden, er höre inzwischen am liebsten Singer-Songwriter-Musik und seine Lieblingssänger seien Bob Dylan und Kristin Hersh! "Als wir uns kennen lernten, gab es drei, vier Bands, die wir alle mochten. Inzwischen haben sich unsere Geschmäcker weiter- und auseinanderentwickelt", erklärt Bob. Ist es aber nicht ein bisschen seltsam, dass ein Sänger und Texter wie Roddy, der gerne Texte wie Bob Dylan schreiben würde, in einer lauten Trash-Kapelle Punkrock spielt? "Nein. Die meisten denken, zu einem lauten Punksong passe nur Geschrei. Das ist Unsinn. Du kannst sehr lyrische Texte haben und die trotzdem in eindringliche, laute Musik verpacken." Und wenn man "Hope..." mit der extrem aggressiven Debüt-Mini-LP "Captain" vergleicht, bekommt man schon eine Idee, wo die Reise für Idlewild hingehen könnte. Trash mit Herz. Power-Pop mit Köpfchen. Oder, wie es die Kollegen in England ausdrücken: "Idlewild - wahrscheinlich verrückt, aber vermutlich genial!"
Weitere Infos:
www.idlewild.co.uk
www.btinternet.com/~idlewild
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-
Idlewild
Aktueller Tonträger:
Hope Is Important
(Alternation/Intercord Schallplatten/EMI)


Idlewild

 
 

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