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GORDON GANO
 
Lost in Hollywood
Gordon Gano
Gordon Gano ist natürlich niemand anderes als der legendäre Frontmann der Violent Femmes - jener Band also, die vor über 20 Jahren ein eigenes, unbeschreibliches Genre aus Versatzstücken von Americana, Folk, Rock und Schrammelpop kreierte. Nun legt er - nach sieben Jahren Arbeit - sein erstes Solo-Album mit Namen "Hitting The Ground" vor. Wie allerdings von einem musikalischen Querdenker vom Status Ganos fast nicht anders zu erwarten, ist dies aber kein "normales" Solo-Album geworden. Neben der Tatsache, dass es mit die besten Songs enthält, die der Mann bislang geschrieben hat, ist vielleicht noch erwähnenswert, dass es sich um den Soundtrack zu einem bislang nicht veröffentlichten Film handelt und dass Gano nur zwei Stücke auf dem Album selber singt. Den Rest steuern bei: PJ Harvey, Mary Lou Lord, John Cale, Lou Reed, Linda Perry, Frank Black, They Might Be Giants, Cynthia Gayneau (Gordon's Schwester) und Martha Wainwright.
Wie kommt man denn auf eine solche Idee? "Also zunächst mal war das gar nicht so geplant", gibt Gordon gut gelaunt und redefreudig zu, "David Moore [der Regisseur des Filmes "Hitting The Ground"] sprach mich an und fragte, ob ich nicht Lust hätte, ein paar Stücke für den Film zu schreiben. Da ich sowas noch nicht gemacht hatte, sagte ich natürlich zu. Zunächst dachte ich daran, vielleicht zwei, drei Stücke zu schreiben - wie das so üblich ist. David kam aber immer wieder an und meinte: 'Ich habe da diese und jene Szene - kannst du da nicht noch einen Song zu schreiben'? Zum Schluss waren es dann schließlich 11 Songs geworden." Und die sind alle in dem Film? Man kennt das ja von Hollywood - das beste Beispiel ist der Soundtrack zu "Storytelling", zu dem Belle & Sebastian die Songs geschrieben haben - die dann nahezu vollständig aus dem Film entfernt wurden. "Ich habe mir gerade den Soundtrack gekauft, weil ich Belle & Sebastian liebe", erzählt Gordon begeistert, "und die Songs sind nicht in dem Film drin? Das ist aber schade. Nein, bei 'Hitting The Ground' sind alle Stücke drin. Natürlich nicht ganz ausgespielt, aber doch erkennbar. Es ist ja nicht ganz leicht, Songs in einen Film einzublenden - besonders wenn Dialog über der Szene liegt." Wie hat man sich denn die Arbeit an einem Film-Soundtrack vorzustellen? "Das war dann z.B. so, dass ich mir eine Situation aus dem Film vorgestellt habe und dann einen Song dazu schrieb. Z.B. gibt es den Track 'Run' - der läuft bei einer Szene, wo tatsächlich jemand rennt. 'Merry Christmas Brother' bezieht sich auf einen Flashback, den einer der Charaktere hat, in dem es um Weihnachten geht. Jemand anderes verliebt sich in ein Mädel namens Allison - also gibt's einen Song namens 'Darlin' Allison'. Ansonsten haben die Songs nichts mit dem Film zu tun. Es war aber trotzdem eine interessante Situation für mich, quasi Songs nach Auftrag schreiben zu müssen. Ich denke auch, das hat mich beflügelt. Vor 20 Jahren hätte ich so etwas jedenfalls nicht gekonnt."
War es denn auch ein besonderer Reiz, für die jeweiligen Interpreten zu schreiben? "Das habe ich gar nicht getan", verneint Gordon das, "ich schreibe nie Songs für einen bestimmten Charakter, sondern so, dass diese Songs von jedermann gesungen werden können. Wie gesagt, es war ja auch nicht so geplant. Aber je länger ich an dem Projekt arbeitete, desto klarer wurde mir, dass ich nicht immer nur meine Stimme hören wollte. Also habe ich mir überlegt, wird mir denn da aushelfen konnte. Ich habe das Glück, dass ich viele der Leute gut genug kenne, um sie einfach darum bitten zu können. Angefangen habe ich mit They Might Be Giants. Sie haben einfach ein Tape mit dem Song und ein Blatt mit den Akkordwechseln bekommen. Den Rest haben sie dann alleine gemacht. Das war ziemlich cool, denn da hatte ich schon mal was in der Hand und konnte sagen: 'He, ich habe ja schon TMBG mit an Bord'." Und an die Interpreten hat der Songwriter Gano keinen Gedanken verschwendet? "Nein, es war mir zwar wichtig, ein paar Frauenstimmen dabei zu haben, ansonsten stand aber bis zuletzt nicht fest, wer welchen Song singen würde. Das heißt - eine Ausnahme gab es: 'Don't Pretend' habe ich auf dem Piano gespielt - was ich nicht so gut kann. Dabei wollte ich aber im Stil von John Cale schreiben. Ich denke, das ist mir auch ganz gut gelungen - wenngleich er das natürlich alles viel besser gemacht hat - besonders mit der linken Hand." Wie haben sich denn die Interpreten den Songs genähert? Gab es da große Überraschungen? "Weißt du, die meisten haben ganz genau meine Ideen umgesetzt", erzählt Gordon, "nun haben wir ja auch recht unterschiedlich gearbeitet. Mary Lou Lord's und Linda Perry's Stücke haben wir um deren Vortrag herum aufgebaut, von anderen habe ich nur die Vocals auf den fertigen Track singen lassen, TMGB haben ihren Song ganz selbständig aufgenommen - aber auch nach meinen Vorgaben. Es gab da eigentlich nur eine Ausnahme: Lou Reed." In der Info steht, daß Lou Gordon's Song stark verändert habe - er wird auf der CD auch als Co-Autor genannt. "Ja, da war ich ganz schön überrascht. Er wollte auch ein bestimmtes Format haben - auf A-DAT, nämlich. Das mag ich nicht so sehr - aber heh - was immer notwendig ist. Er hat dann nicht nur eine vollkommen neue Gitarrenspur eingespielt, sondern auch den Text umgeschrieben und an ganz anderen Stellen gesungen, als ich das vorgegeben hatte. Zunächst dachte ich - heh, Moment mal, so geht es aber nicht. Dann habe ich mir aber gedacht: Das ist ja immerhin Lou Reed - und letztlich musste ich mir auch eingestehen, dass das, was er gemacht hat, viel besser ist, als meine Version. Er hat das Stück tatsächlich besser gemacht, indem er sich auf seine Art da hereinversetzt hat. Deswegen ist der Mann ja auch so genial. Ich bin jedenfalls froh, dass er mitgemacht hat, obwohl ich seinen Beitrag schon fast abgeschrieben hatte."
Gordon Gano
Wie ist es denn überhaupt möglich, an einem Soundtrack bzw. Film sieben Jahre lang zu arbeiten? "Nun ja, die Aufnahmen gingen ja schnell vonstatten - in insgesamt drei Monaten, die letzten davon erst im Dezember letzten Jahres. Es war dann schwierig alle Leute unter einen Hut zu bekommen. PJ Harvey musste ich z.B. hinterherreisen. Aber ich denke, es hat sich gelohnt. Das nächste Problem, war dann die Scheibe rauszubringen. Ich hätte sie gerne auf einem Major veröffentlicht. Aber ständig bekam ich zu hören: Ist zwar toll, aber sowas machen wir nicht. Und dann waren da ja noch die rechtlichen Probleme. Die Musiker waren ja auf verschiedenen Labels. Daran hatte ich natürlich überhaupt nicht gedacht. Ich habe auch die ganze Sache selber vorfinanziert. Die Hauptsache ist jetzt aber, dass die Scheibe erhältlich ist. Das ist das Wichtigste." Da geht es der Scheibe besser als dem Film. "Der Film hat keinen Verleih gefunden, obwohl er auf dem Sundance Festival gut angekommen ist", lamentiert Gordon, "David Moore hat mir erzählt, dass er mal im deutschen Fernsehen gelaufen sein soll - das weiß ich aber nicht genau. Weißt du was: Vielleicht ist das ja eine neue Idee für Hollywood - Filme zu drehen und sich dann zu weigern, diese herauszubringen, bis über den Soundtrack ein Bedarf dafür besteht." Das hört sich aber gar nicht nach Hollywood an. "Nein, da hast du natürlich recht. Das ist Quatsch." Gordon Gano ist jedenfalls voller Begeisterung für sein Baby und kann es nicht erwarten, dieses der Öffentlichkeit zu präsentieren. "Meine nächster Plan ist, definitiv mit der Scheibe auf Tour zu gehen. Ich möchte, dass diese eine ganze Weile auf dem Markt präsent bleibt. Vielleicht gibt es dann auch noch eine Tour mit den Violent Femmes - mal sehen." Vielleicht auch eine neue VF-Scheibe? "Nein, das sehe ich in absehbarer Zeit nicht. Es ist eher wahrscheinlich, dass ich wieder eine Solo-Scheibe mache. Das wird dann aber ganz etwas Altmodisches und Konventionelles: Ich werde dann nämlich alle Songs selbst singen." Schaun mer mal. Wenn Gordon Gano nach Deutschland kommt, erfahrt ihr es natürlich an dieser Stelle als erstes. Die Violent Femmes sind im November auf Tour.
Weitere Infos:
www.cookingvinyl.com/gordon_gano/index.htm
www.vfemmes.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Jill Epstein-
Gordon Gano
Aktueller Tonträger:
Hitting The Ground
(Cooking Vinyl/Indigo)


Gordon Gano

 
 

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