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SAINT ETIENNE
 
Die andere Seite des Pop
Saint Etienne
"Für unsere letzten beiden Platten hatten wir klare Soundkonzepte im Kopf und haben dann die passenden Songs dazu geschrieben. Dieses Mal haben wir einfach eine Menge Songs geschrieben und geschaut, in welche Richtung wir dieses Mal getrieben würden", sagt Pete Wiggs gleich zu Beginn des Gesprächs mit Gaesteliste.de im Kölner Hilton Hotel und erklärt damit gleich, warum das neueste Werk von Saint Etienne, "Finisterre", das wohl abwechslungsreichste und überraschendste Album der Briten in ihrer fast 15-jährigen Karriere ist. "Wir waren dieses Mal wirklich darauf aus, die Platte mit verschiedenen Leuten zu produzieren und die einzelnen Songs wirklich sehr unterschiedlich klingen zu lassen. In gewisser Weise war das sicherlich eine Reaktion auf die letzten beiden Alben, die ganz und gar nicht so waren."
Früher war es so schön einfach. Schublade "60er-Jahre-inspirierter Pop" auf, Saint Etienne rein, Klappe zu. Schließlich schienen Pete und seine beiden Mitstreiter Bob Stanley und Sarah Cracknell lange Zeit - wenngleich kommerziell ziemlich erfolgreich - ausschließlich in der Welt des Zuckerwatte-Pop der Peace-And-Love-Generation zu Hause zu sein. Doch allerspätestens die Zusammenarbeit mit den Berlinern To Rococo Rot auf dem letzten Album "Sound Of Water" vor zwei Jahren dürfte Saint Etienne die Augen geöffnet haben. "Die Zusammenarbeit war sehr lehrreich", erinnert sich Pete. "Wir haben von ihnen eine Menge gelernt - vermutlich sehr viel mehr als sie von uns." Jedenfalls gefällt "Finisterre" gerade wegen der Vielzahl verschiedener Sounds und Herangehensweisen. Zwischen den Songs spricht ein Ansager Nonsens-Texte, mit denen dennoch auf seltsam anmutende Weise eine Verbindung zwischen den Stücken hergestellt wird - so hat "Finisterre" deshalb mehr von einem Konzeptalbum als die beiden als solche gedachten Vorgänger. "Ja, ist das nicht witzig?", stimmt Pete zu. "Das heißt natürlich, dass unser Plan aufgegangen ist. Die Texte zwischen den Songs sind von einem in England recht bekannten Schauspieler namens Michael Jayston gesprochen worden, der viele Charakterrollen gespielt hat und zudem sehr viele Voice-Overs in der Werbung gemacht hat. Wir haben schon seit Ewigkeiten daran gedacht, etwas mit ihm zu machen, aber nie gedacht, dass er tatsächlich mitmachen würde. Dieses Mal schien es dann wirklich eine gute Idee zu sein, denn seine Texte verbinden nicht nur die Songs, sondern wir arbeiten auch gerade noch an einem Film, der das Album begleiten soll, also sozusagen ein Video zu jedem Stück. Die Idee beruht auf einem Film namens 'London', in dem verschiedene Szenen aus London durch einen Sprecher verbunden wurden, und ähnlich werden wir Michaels Zwischentexte auch in unserem Film verwenden. Was er erzählt, sind teils alte Erinnerungen von uns, teils alberne Werbetexte, einige sozialkritische Texte oder einfach Sachen, die wir lustig fanden. Was was ist, darf jeder selbst herausfinden, hahaha!"
Saint Etienne
Klar, das Trio spielt auch auf diesem Album weiterhin mit 60s-Versatzstücken, aber mit einer produktionstechnisch fast an Air erinnernden Single ("Action") sowie einer Rap-Einlage von Wildflower ("Soft Like Me") betreten Saint Etienne dieses Mal auch gekonnt Neuland. Und bei dem ungewohnt monotonen "Amateur" offenbaren sie auch eine heimliche Liebe für 80s-(Synthi-)Pop. "Wir haben Sachen wie The Human League immer gemocht, aber in letzter Zeit haben wir uns wieder mehr damit beschäftigt. Das ist wohl ähnlich wie mit den 60s-Einflüssen unserer frühen Sachen: Es gibt diese 20-jährige Kluft - danach magst du alles wieder! Allerdings muss ich dazu sagen, dass wir beispielsweise O.M.D. und ganz besonders ihr Album "Dazzle Ships" immer gemocht haben und seit Jahren versucht haben, dies und das daraus zu kopieren." Während viele andere Acts nach einer ähnlich langen Karriere wie der von Saint Etienne immer weniger auf externe Inspirationsquellen zurückgreifen, gibt Pete zu, dass alte Platten, die er immer noch in großen Mengen kauft, weiterhin ein wichtiger Einfluss für ihn seien, vor allem, weil man sie ohne den Hypefaktor neuer Veröffentlichungen hören könne. Obwohl, eigentlich sollte uns das nicht weiter verwundern, schließlich erzählte Pete uns zur Veröffentlichung des letzten Albums vor zwei Jahren bereits: „Wir waren in Japan auf DJ-Tour. Na ja, eigentlich waren die DJ-Auftritte nur ein Vorwand, um Platten kaufen zu gehen. Wir haben dann auch unsere kompletten Gagen und das Geld für die Rückflugtickets (!) sofort in Platten umgesetzt. Wir haben so viel gekauft, dass wir das Gepäckgewichtslimit überschritten haben, und am Flughafen wollte man uns umgerechnet DM 3000 dafür berechnen. Jedem von uns! Glücklicherweise sind wir völlig in Panik geraten und sie hatten Mitleid mit uns. Sie haben uns dann nur DM 300 abgeknöpft. Da haben wir echt noch mal Glück gehabt!“

"Put me on the guestlist" - Petes imaginäre Gästeliste:

1.Brian Wilson

"Ich wäre allerdings ziemlich eingeschüchtert, wenn er wirklich käme. Er stand in der Tat mal bei einer unserer Shows in Los Angeles auf der Gästeliste, aber im letzten Moment hat ihn wohl jemand davon überzeugt, dass es vielleicht doch keine so gute Idee wäre, wirklich hinzugehen, hahaha!"

2.Arthur Lee

"Er hat letztens in meiner Stammkneipe Interviews gegeben. Meine Freundin, die dort als Köchin arbeitet, rief mich an, aber leider hatte ich nicht die Möglichkeit vorbeizuschauen, ich wäre eh völlig verängstigt gewesen. Meine Freundin hat sich allerdings von ihm für mich eine Kopie von 'Forever Changes' signieren lassen, das war eine nette Überraschung! Er ist ein weiterer großer Held."

3.Ray Pollard

"Ein amerikanischer Soul-Sänger, für den sich in Amerika niemand mehr interessiert, aber in England hat er echte Underground-Hits gehabt. Er hat kürzlich in England gespielt und alle waren völlig begeistert - er hatte Tränen in den Augen, weil er's kaum glauben konnte."

4.Chris Eubank

"Der Boxer - natürlich wäre Muhammad Ali interessanter, aber dass Chris Eubank zu einer unserer Shows kommt, ist wohl realistischer!"

5.Phil Spector

"Eigentlich sollte ich nicht so viele Leute aus dem Musikbusiness draufsetzen, da fühlt man sich immer so unter Druck gesetzt. Unser Manager, der auch Starsailor betreut, hat Phil kürzlich getroffen, aber ich war wieder einmal zu ängstlich mitzugehen. Spector soll nach 20 Jahren Pause Teile des neuen Starsailor-Albums produzieren. Ich habe letztens mit dem Tontechniker gesprochen, und der erzählte, dass Spector so gut wie taub sein müsse - jedenfalls haben sie im Studio schon drei Paar Lautsprecher zerschossen, weil Spector die Musik so laut hört!"

Weitere Infos:
www.saintetienne.com
www.saint.etienne.net
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Pressefreigaben-
Saint Etienne
Aktueller Tonträger:
Finisterre
(Mantra/Beggars Group/Connected)


Saint Etienne

 
 

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