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ZITA SWOON
 
Das Leben im Bauch des Wolfes
Zita Swoon
"Life = A Sexy Sanctuary" heißt die neue Scheibe der belgischen Querdenker-Combo Zita Swoon. Das Cover zeigt einen satten, grinsenden Wolf, in dessen Magen sich zwei gerade gefressene Kaninchen küssen. Das wirft natürlich ein ganz eigenes Licht auf den Begriff "Sanctuary" - der in diesem Zusammenhang nur mit "Zufluchtsort" übersetzt werden kann. Doch Zita Swoon sind und waren ja noch nie eine Band, die irgendwo einfach zu begreifen gewesen wäre. Als SKC (Stef Kamil Carlens) damals mit Tom Barman dEUS gründete, taten sie das ja nicht zum Spaß, sondern um neue Wege des Musikmachens zu erfinden. Dieses Prinzip hat SKC, der sich von dEUS lossagte, weil er unbedingt etwas eigenes machen wollte, bis heute als Credo erhalten: Bloß nichts Gewöhnliches machen. Zita Swoon debütierten 1997 mit einer Filmmusik zu F. W. Murnaus Stummfilmklassiker "Sunrise". Erst 1998 kam mit "I Paint Pictures On A Wedding Dress" die erste "richtige" CD auf den Markt.
Und jetzt, mit "Sanctuary", folgt die zweite. Was hat es denn nun mit dem Sexy-Refugium auf sich? "Es bedeutet, dass das Leben manchmal eben ein sexy Zufluchtsort sein kann, ein Ort an dem man glücklich und fröhlich sein kann", erklärt und SKC. Hierzu muss man wissen, dass die Musik - und besonders die Texte - von Zita Swoon zuweilen alles andere als fröhlich sein können. Eher schon sexy und lebendig. "Es ist ja nicht immer so", schränkt SKC daraufhin auch gleich wieder ein, "der Titel ist eher eine ironische Kritik zum Inhalt des Albums. Es ist eine lange Geschichte." Und das ist dann auch schon wieder echt Zita Swoon. Denn obwohl das Album musikalisch ziemlich geschlossen und zugänglich geraten ist - Zita Swoon wollten ein "Pop-Album" machen, wie SKC ausdrücklich bestätigt - breitet sich inhaltlich doch wieder der ganze Kosmos der Zerrissenheit aus, über den SKC so gerne singt: Geschichten von Verlierern, Außenseitern und Leuten, die es schwer haben im Leben, liegen ihm sehr. Und Gefühle aller Art. Was kann uns SKC denn hier als Erklärung für diesen Umstand anbieten? "Also auf dem Weg hierher habe ich eine Zeitung gelesen. Und mal ehrlich: Worüber soll man denn sonst schreiben, als über Verlust, Elend und Einsamkeit? Es ist so ein beschissener, depressiver Planet, auf dem wir leben. Das ist nun mal so, fürchte ich." Was nun nicht heißen darf, dass man Zita Swoon's Songs nicht doch irgendetwas positives, tröstliches abgewinnen könnte. Auf Nihilismus pur wie in "Moving Through Life As Prey" folgen nämlich Tracks wie "Josiewitchgirl" - was nicht mehr oder weniger ist, als eine sentimentale Liebeserklärung. In diesem Zusammenhang stellt sich dann die Frage, worin SKC genau die Funktion seiner Musik sieht. Denn: Glaubt nicht, dass er euch Lösungen anbieten wird - höchstens ein wenig Ablenkung. "Das ist es ja, was Musik vermag: Es ist wie eine Droge, eine Befreiung, etwas, das dich vergessen macht. Jedenfalls für ein paar Minuten. Das ist die Wirkung, die Musik, die du magst haben kann", führt SKC aus, um dann nach kurzem Überlegen zum Rundumschlag auszuholen: "Kunst als solches - auch Theater, Tanz, Malerei - ist ziemlich unnütz. Aber es ist eine Art Phase, die die Menschen durchlaufen müssen, um einen organisierteren Zustand zu erreichen. Eines Tages vielleicht. Bis das so weit ist, haben wir Musik, Filme, Theater - damit wir uns besser fühlen. Oder aber um aufzuzeigen, was alles falsch läuft. Manchmal weiß ich das auch nicht genau." Das sind ja harte Worte gelassen dahingesprochen. Kein Wunder, dass in den Songs von Zita Swoon immer deutlich mehr passiert, als gemeinhin üblich.
Wo findet denn SKC seine "Josies" - oder seine "Bananaqueens"? "Nun ich singe zunächst mal über mich selbst", überlegt er, "und ich singe über die Leute, die ich um mich herum sehe und fühle. Manchmal versuche ich sogar, einen fröhlichen Song zu schreiben. Und manchmal gelingt das sogar. 'Bananaqueen' beinhaltet ja die Zeile 'Hey, my life is okay' und das ist ganz ehrlich auch positiv gemeint. Ein Songwriter ist eine Art Spiegel für sich selbst - aber auch für den Zuhörer." Für viele dürfte übrigens genau dieses "Bananaqueen" zum Kernstück der Scheibe werden. U.a. auch deshalb, weil der CD eine Bonus-CD mit Remixen dieses Stücks beiliegt - einer davon vom Tom Tom Club - die tatsächlich auch alle funktionieren und z.T. ganz verschiedene Facetten des Stückes betonen. Besonders ausführen möchte das SKL aber nicht: "Es ist ziemlich schwer über Musik zu sprechen. Musik ist Musik, weißt du. Was du hörst, ist was du bekommst. Da gibt's keine Theorie dahinter. Es ist eine Art Sprache, wenn du so willst. Eine universelle Sprache. Das ist der Grund, warum wir immer weiter machen. Ich spiele jetzt seit 15 Jahren und ich habe festgestellt, dass, wo immer wir auftreten - in den USA, in Deutschland, in Italien - die Musik immer rüberkommt." Belassen wir es also dabei. Ein Teil der Philosophie von Zita Swoon's Image scheint zu sein, dass sie keines haben möchten. Stimmt das? "Wir sind Entertainer", antwortet SKC, "wenn du auf der Bühne stehst, dann bemühst du dich schon, den Leuten etwas besonderes zu bieten. Es ist aber keine Philosophie - das wäre ein zu starkes Wort. Ich sehe uns gerne immer als Cartoon-Figuren - wir spielen Musik und der einzelne ist ein Cartoon. So verkleiden wir uns ein bisschen." Das kann man auch im Video zu "Bananaqueen" nachvollziehen, das sich ebenfalls auf der Bonus-CD befindet. Dort tummeln sich SKC als Cartoon-Roboter inmitten tanzender Häschen und pulsierender 3D-Skylines. "Das ist nicht wirklich wichtig - aber es hilft ein bisschen die Aufmerksamkeit der Leute zu erregen", ergänzt SKC, "es ist schon leichter, eine Show zu spielen, wenn die Leute zuhören. Wir sind aber keine Poser oder so was. Ich habe aber auch nichts dagegen - das gehört zum Rock N Roll. Es ist nur nichts für mich. Dazu bin ich zu alt. Das sollen mal die jungen Leute machen. Hauptsache, es wird nicht zum Mittelpunkt - wie z.B. bei Mariah Carey." SKC bringt das Problem des Rock N Roll Image folgendermaßen auf den Punkt: "Ich mag Kiss - aber ich mag auch die Einstürzenden Neubauten."
Zita Swoon
Zwischen "I Paint Pictures" und "Sanctuary" lagen vier Jahre. Warum hat es mit der neuen Scheibe eigentlich so lange gedauert? "Wir alle haben nebenher andere Projekte, die ziemlich experimentell sind", antwortet SKC, "dazwischen haben wir z.B. ein Album namens 'Plage Tattoo' aufgenommen. Es war für ein Theaterstück und sehr 'underground'. Wir sind aber zusammen mit zwei Tänzern damit auf Tour gegangen. Ich arbeite z.Z. an einem Theaterstück in Amsterdam - in flämisch. Außerdem mache ich Ausstellungen mit Skulpturen und Gemälden." Und das haben Zita Swoon mit dEUS gemeinsam. Tom, so verrät uns SKL, nimmt z.Z. sein lange erwartetes Solo-Projekt auf und spielt in einem Film mit. Also: Auch wenn Zita Swoon mit dem neuen Album und der Single "Bananaqueen" demnächst in die Charts marschieren (was nicht ganz unwahrscheinlich erscheint), wird uns die Band mit Sicherheit als sympathischer musikalischer Querulantenverein erhalten bleiben. Denn wie wir SKC jetzt kennen, wird auch der Erfolg für ihn nicht wirklich wichtig sein - aber ein bisschen helfen...
Weitere Infos:
www.zitaswoon.com
www.mandarinmedia.com/zitaswoon/
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Zita Swoon
Aktueller Tonträger:
Life = A Sexy Sanctuary
(Strange Ways/Indigo)


Zita Swoon

 
 

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